Stuttgart-Asemwald Aufzüge in den gigantischen Hochhäusern machen Probleme

Von Julia Bosch 

Wenn bei den Aufzügen im Asemwald etwas nicht funktioniert, läuft bei Siegfried Grossmann das Telefon heiß. Foto: Lunke/privat
Wenn bei den Aufzügen im Asemwald etwas nicht funktioniert, läuft bei Siegfried Grossmann das Telefon heiß. Foto: Lunke/privat

Treppenlaufen macht in Stuttgart-Asemwald keinen Spaß: Die Wohngebäude sind knapp 70 Meter hoch. Die 38 Aufzüge sind lebensnotwendig für die Bewohner.

Asemwald - Wenn im Asemwald ein Aufzug nicht funktioniert, ist für Siegfried Grossmann die Ruhe vorbei. Es dauert nur wenige Minuten, bis die ersten Bewohner an seine Bürotür klopfen und das Telefon heiß läuft. Siegfried Grossmann ist als Mitarbeiter der Hausverwaltung Klauß & Partner der erste Ansprechpartner, wenn im Asemwald irgendetwas nicht funktioniert – und allein bei den Aufzügen gibt es im Schnitt fünf Störungen jede Woche. „Die Aufzüge sind mehr als 45 Jahre alt und eine wichtige Einrichtung für unsere Bewohner“, sagt Grossmann. Schließlich sind die Menschen im Asemwald überdurchschnittlich alt, Rollatoren und Gehstöcke sieht man an jeder Ecke. Und: Die knapp 70 Meter hohen Wohngebäude haben bis zu 23 Stockwerke. Treppenlaufen macht dort keinen Spaß.

Da die Störungen in den vergangenen Jahren immer häufiger wurden, die Beschwerden lauter und die Beschaffung von Ersatzteilen für die Aufzüge zunehmend schwieriger, hat sich die Hausverwaltung für eine Erneuerung der 38 Aufzüge entschieden. Bei einer Einwohnerversammlung vor wenigen Wochen haben die Bewohner beinahe einstimmig der Erneuerung zugestimmt. Billig ist das nicht: Der Einbau der neuen Aufzüge kostet rund sieben Millionen Euro, pro Aufzug sind es etwa 180 000 Euro. „Es werden nicht nur die Kabinen, sondern auch der Antrieb und die Schienenführung erneuert – also der komplette Aufzug“, erläutert Grossmann. Der Plan ist, dass die Kosten aus dem laufenden Wohngeld der Bewohner gestemmt werden, die Eigentümer der Wohnungen und Mieter also nichts drauf zahlen müssen.

Siegfried Grossmann Foto: Julia Bosch

Während der Bauarbeiten darf nichts passieren

Im Spätherbst soll es losgehen, dann wird der erste Lift in Angriff genommen. Es wird voraussichtlich bis zum Jahr 2028 dauern, bis alle Aufzüge im Asemwald ersetzt wurden. Pro Jahr können mit den laufenden Einnahmen nur etwa drei bis vier Aufzüge finanziert werden. Während der etwa drei Monate dauernden Erneuerungsarbeiten kann der entsprechende Aufzug dann nicht benutzt werden. Treppenlaufen müssen die Bewohner im Asemwald aber trotzdem nicht: Auf dem Weg zur eigenen Wohnung hat jeder Bewohner zwei Aufzüge zur Verfügung, pro Schacht fahren jeweils zwei Aufzüge – ein kleinerer und einer, bei dem man die Kabine durch das Öffnen einer Tür vergrößern kann, falls Krankentransporte oder Umzüge anstehen. Wird ein Aufzug erneuert, gibt es also immer noch einen zweiten – bei dem während der Bauarbeiten aber dann nichts passieren darf.

„Die häufigsten Störungen sind Probleme der Elektronik oder der Antriebstechnik“, sagt Siegfried Grossmann. Dies liege allerdings auch darin begründet, dass die Aufzüge so intensiv genutzt würden. „Ich habe mal ausgerechnet: Wenn jeder Bewohner dreimal am Tag mit dem Aufzug hinab- und hinauffährt, sind das im Jahr vier Millionen Fahrten pro Aufzug.“ Falls es zu Störungen komme, seien diese in der Regel aber schnell behoben.

Umzüge und Krankentransporte werden schwierig

Obwohl die meisten Bewohner eine Erneuerung der Aufzüge befürworten, plagen manche auch Vorbehalte. So befürchten einige, dass es gerade bei nötigen Krankentransporten zu Schwierigkeiten komme, wenn der größere Aufzug in ihrem Hausbereich gerade renoviert werde. Auch Umzüge dürften während der Bauzeit wohl wenig spaßig sein.

Viele Bewohner sehnen die neuen Aufzüge jedoch geradezu herbei. Werner Pohl etwa, ein Bewohner, der seit einem Reitunfall vor zwölf Jahren im Rollstuhl sitzt, hofft, dass die neuen Aufzüge noch behindertengerechter werden. „Die alten Aufzüge haben noch Schwingtüren, was für Menschen mit Rollstuhl, Kinderwagen oder Rollator Schwierigkeiten bedeutet“, sagt er. Zudem wünscht er sich, dass in den neuen Aufzügen auch die Bedingungen für Seh- und Hörbehinderte verbessert würden. „Dann wäre der Asemwald noch barrierefreier, als er es derzeit schon ist.“

Redaktion Plieningen

Ansprechpartnerin
Julia Bosch
plieningen@stz.zgs.de

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