Finden in der Mercedes-Benz-Arena in Stuttgart Spiele der EM 2024 statt? Foto: Bongarts

Deutschland bewirbt sich mit der Mercedes-Benz-Arena in Stuttgart um die EM 2024. Lesen Sie hier, wie Fritz Kuhn von der Stadt und Wolfgang Dietrich vom VfB Stuttgart auf die Entscheidung reagieren.

Stuttgart - Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat am Freitag die zehn Städte benannt, mit denen er sich um die Fußball-Europameisterschaften 2024 bewirbt. Der DFB gewichtete 103 Kriterien und kam auf die Reihenfolge: Berlin, München, Düsseldorf, Stuttgart, Köln, Hamburg, Leipzig, Dortmund, Gelsenkirchen, Frankfurt. Leer aus gingen die vier Bewerber Nürnberg, Hannover, Mönchengladbach und Bremen.

Bei den Verlierern wird gemeckert, in Gladbach etwa ist man „stinksauer“, bei den Gewinnern wird frohlockt. Stuttgarts OB Fritz Kuhn sagt: „Mit Stuttgart hat der DFB eine gute Wahl getroffen. Bereits bei der WM 2006 haben wir ein tolles Fußball-Fest gefeiert, auch gegen Norwegen hat sich das Stuttgarter Publikum sportbegeistert und fair präsentiert.“ Für Wolfgang Dietrich, als VfB-Präsident der andere Hausherr der Mercedes-Benz-Arena, ist dies „eine hervorragende Wahl und eine tolle Nachricht“. Auch der oberste Touristiker der Stadt freut sich. Armin Dellnitz, Chef von Stuttgart-Marketing, sagt: „Wenn die EM einen ähnlichen Effekt haben würde wie die WM 2006, wäre das grandios.“ Das Image der Stadt und ihre Wahrnehmung hätten sich durch das Sommermärchen verbessert. Nun sagt sich so was leicht, aber lässt sich das belegen? Dellnitz: „Wir untersuchen gerade, wie sich Großereignisse der letzten 15 Jahre auf den Tourismus ausgewirkt haben.“ So haben etwa die Schweiz und Holland in Stuttgart gespielt, beide brachten viele Fans mit. Die Gästezahlen aus diesen Ländern seien in den Jahren nach 2006 stark gestiegen.

Stadt und Land ließen sich die WM 52 Millionen Euro kosten, 39,5 Millionen Euro flossen in den Umbau des damaligen Daimler-Stadions, 13 Millionen Euro kostete das Unterhaltungsprogramm. „Gut angelegtes Geld“, findet Dellnitz, „der Wert eines solchen Turniers ist für die Stadt enorm.“

Noch hat Deutschland nicht den Zuschlag. Im September 2018 wird die Europäische Fußball-Union (Uefa) entscheiden, ob Deutschland oder der andere Bewerber Türkei das Turnier mit 24 Mannschaften und 51 Spielen ausrichten darf. Sowohl beim DFB als auch bei der Politik ist die Zuversicht groß, dass Deutschland die EM bekommt. „Die Türkei erscheint mir in der derzeitigen politischen Verfassung denkbar ungeeignet, Sportler und Fans zu einem Sportgroßereignis zu empfangen“, sagt Dagmar Freitag (SPD), Vorsitzende des Sportausschusses des Bundestags. Andererseits stört eine funktionierende Demokratie beim Geschäftemachen. Bisher haben sich die Sportverbände bei der Vergabe von Olympischen Spielen und Fußballturnieren wenig um die Menschenrechte geschert. Die beiden nächsten Fußballweltmeisterschaften finden in Russland und Katar statt.

Nun hat sich der DFB die WM 2006 auch mittels des Stimmenkäufers Mohamed Bin Hammam gesichert. Auf seinem Konto waren 6,7 Millionen Euro aus Deutschland gelandet. So will man nicht mehr vorgehen, versichert DFB-Präsident Reinhard Grindel. Bereits bei der Auswahl der zehn Städte hat sich der DFB von der Nichtregierungsorganisation Transparency International auf die Finger schauen lassen. Dies soll auch im weiteren Prozess so sein. Man darf gespannt sein, ob Transparenz und Offenheit belohnt werden.

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