Die Stadtwerke baut eine Wasserstoff-Pipeline im Neckartal. Diese könnte später an die Süddeutsche Erdgasleitung angebunden werden. Foto: dpa

Die Stadtwerke Stuttgart bauen eine knapp sechs Kilometer lange Wasserstoffpipeline durchs Neckartal. Bis Ende 2026 sollen der Hafen, das SSB-Busdepot und auch Esslingen an das neue Netz angeschlossen werden.

Es ist der erste Schritt zu einer neuen, grünen Energieversorgung in Stuttgart. Die Stadtwerke Stuttgart bauen im Neckartal einen ersten Standort zur Herstellung von grünem Wasserstoff sowie eine knapp sechs Kilometer lange Pipeline. Ab Ende 2026 sollen der Hafen Stuttgart, das Busdepot der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) und auch die Stadt Esslingen versorgt werden. Auf Dauer soll dann der Anschluss an das deutschlandweite Netz erfolgen.

 

Strom aus erneuerbaren Energiequellen

Auf dem ehemaligen Gelände der Logistik-Firma DB Schuler, Otto-Hirsch-Brücken 25, in Hedelfingen entsteht neben dem Umspannwerk der sogenannte Green-Hydrogen-Hub Stuttgart. In einer ersten Ausbaustufe soll die Kapazität bei 7,5 Megawatt liegen, mit der Möglichkeit der Erhöhung um ein Megawatt. Im Endausbau soll bis zu zehn Megawatt Leistung möglich sein.

Der Energiebedarf bei der Elektrolyse von Wasser zu Wasserstoff ist enorm hoch. „Wir verwenden ausschließlich Strom aus erneuerbaren Energiequellen“, erklärt Daniel Lust, der zuständige Projektmanager der Stadtwerke Stuttgart. Das ist auch die Voraussetzung für die Anerkennung des Zertifikats als grüner Wasserstoff. Unterstützt wird das Neckartal-Projekt als Modellregion mit Mitteln der Europäischen Union, dem Land Baden-Württemberg und auch der Region Stuttgart.

Jeweils 50 Prozent für die Antriebswende und die Industrie

Bis zu 720 Tonnen Wasserstoff sollen im Jahr entstehen. Per Tanklastwagen, sogenannten Trainern, können in Zukunft auch Kunden in einem Umkreis von bis zu 50 Kilometern in der Region beliefert werden. Abnehmer sind unter anderem Wasserstoffprojekte, kommunale Fuhrparks und Verkehrsbetriebe sowie Tankstellen, Industrie und Gewerbe. Im Blickpunkt steht aber zunächst einmal die Nahversorgung im Neckartal mit einer knapp sechs Kilometer langen Pipeline. Diese versorge zunächst zu rund 50 Prozent das SSB-Busdepot und zu 50 Prozent die regionale Industrie. Da es sich um sehr reinen, grünen Wasserstoff handele, sei „eine Heiznutzung derzeit nicht geplant.“

Der Verlauf der Pipeline Foto: Grafik Björn Locke

In Zukunft sei aber durch die Nähe zum Hafen auch eine Anbindung an das Transportnetz per Bahn und Schiff möglich. Als klare Perspektive dient eine Anbindung an die von Esslingen über Waiblingen nach Ludwigsburg verlaufende Süddeutsche Erdgasleitung (SES). Der neue Hydrogen-Hub Stuttgart und die Pipeline im Neckartal sollen „als Keimzelle des Wasserstoffs und als Blaupause für den Ausbau der Infrastruktur in der ganzen Region sorgen“, betont Projektmanager Lust.

Bau geht nicht ohne Sperrungen

Die 5,7 Kilometer lange Pipeline verläuft dabei vom Standort an den Otto-Hirsch-Brücken über die Straße Am Mittelkai bis zur Gemarkungsgrenze als Anschluss an das Netz der Stadtwerke Stuttgart. In der anderen Richtung werden die im Durchmesser 30 Zentimeter dicken Leitungen über den Westkai, unter der B 10, der Wasen- und Inselstraße, Viehwasen- und Neckarwiesenstraße letztlich zum Großmarkt und vor allem zum neuen SSB-Busdepot in Gaisburg verlegt. „Die gesamte Trasse verläuft fast ausnahmslos über städtische Gemarkungen, einzig unter dem Großmarkt, den SSB und dem Hafen muss in private Grundstücke eingegriffen werden“, erklärt Severin Wahlefeld vom beauftragten Ingenieurbüro Hiller. Die Sicherheit stehe bei allen Arbeiten an erster Stelle. Um Synergieeffekte nutzen zu können, wird zeitgleich eine neue Starkstromtrasse mit 110 Kilo-Volt vom Umspannwerk an den Otto-Hirsch-Brücken bis zum Kraftwerk Gaisburg verlegt. Da gesetzlich ein Abstand von mindestens zwei Metern zwischen der Wasserstoffpipeline und der Starkstromleitung vorgegeben ist, werden zwei Gräben entlang der Trasse geschaffen. „Das geht nicht ohne Sperrungen und Beeinträchtigungen für den Verkehr“, weiß Wahlefeld.

Kritik an geplanter Trassenführung

Kritik am Trassenverlauf gibt es aus dem Bezirksbeirat in Wangen. Aus Sicht der Lokalpolitiker werde der Stadtbezirk dadurch zum wiederholten Mal zu einer einzigen Baustelle. Der Bezirksbeirat fordert daher die Stadtverwaltung auf, zu überprüfen, ob nicht die seit Jahrzehnten ungenutzte Gleisanlage zwischen der Straße Am Viehwasen und der Neckarwiesenstraße für die Wasserstoffpipeline genutzt werden kann, statt entlang von Wohngebieten. Dies lehnte der Hafen laut Wahlefeld bislang aber ab. „Es muss doch möglich sein, zwischen zwei Tochterunternehmen der Stadt eine Lösung zu finden“, so der Tenor der Bezirksbeiräte.

Die Planungen sehen vor, dass mit dem ersten Bauabschnitt für den Bau der Pipeline zwischen Hedelfingen und Gaisburg Anfang 2025 begonnen werden soll. Die Fertigstellung ist im dritten Quartal 2026 vorgesehen. Im Anschluss soll dann bis Ende des Jahres die Anbindung bis zur Ortsgrenze nach Esslingen erfolgen.

Farbskala beim Wasserstoff

Wasserstoff
Generell ist Wasserstoff immer ein farbloses Gas. Allerdings wird er je nach seinem Ursprung in verschiedene Farben unterteilt.

Grün
Grüner Wasserstoff wird durch die Elektrolyse von Wasser hergestellt. Dafür wird Strom aus erneuerbaren Energiequellen verwendet. Grüner Wasserstoff ist deshalb CO2-frei

Blau
Blauer Wasserstoff ist grauer Wasserstoff, bei dessen Entstehung das CO2 jedoch teilweise abgeschieden und im Erdboden gespeichert wird (CCS, Carbon Capture and Storage). Maximal 90 Prozent des CO2 sind speicherbar.

Orange
Dieser ist auf Basis von Abfall und Reststoffen produzierter Wasserstoff. Er gilt als CO2-frei.

Türkis
Ist Wasserstoff, der über die thermische Spaltung von Methan

Grau
wird mittels Dampfreformierung meist aus fossilem Erdgas hergestellt.

wird in die Atmosphäre abgegeben