Bis Ende 2026 bauen die Stadtwerke Stuttgart eine sechs Kilometer lange Pipeline durchs Neckartal. Mit dem Pilotprojekt sollen der Hafen und der SSB-Betriebshof mit grünem Wasserstoff versorgt werden. Inzwischen wurde die Genehmigung erteilt – inklusive Veränderungen an der Trassenführung.
Es ist der erste Schritt zur Modellregion für grünen Wasserstoff im Neckartal. Bis Ende 2026 soll die knapp sechs Kilometer lange Pipeline den Hafen und das Busdepot der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) versorgen. Produziert wird der Wasserstoff am neuen Standort in Hedelfingen. Die Stadtwerke sind um eine transparente Informationspolitik bemüht. Dazu gehören auch die geplanten Veränderungen bei der Trassenführung. Unter anderem sind zwei weitere Abzweigungen geplant.
Rund 900 Tonnen Wasserstoff pro Jahr
Im November vergangenen Jahres wurde die Genehmigung erteilt, „seitdem läuft der Abriss der bestehenden Gebäude“, erklärt Daniel Lust, der zuständige Projektmanager der Stadtwerke. Mit dem Bau der neuen Raffinerie, dem sogenannten „Green Hydrogen Hub Stuttgart“, auf dem ehemaligen Gelände der Logistik-Firma DB Schenker am Mittelkai 25 in Hedelfingen und der Pipeline soll im Frühjahr begonnen werden. Dabei haben die Verantwortlichen auf die Wünsche des Bezirksbeirats Hedelfingen reagiert. Das neben den Elektrolyseuren, Speichern und einer Abfüllstation für Trailer geplante Betriebsgebäude wurde nunmehr auf die Seite der Otto-Hirsch-Brücken verlegt. „So können Besucher direkt in den Showroom kommen, ohne das Betriebsgelände betreten zu müssen“, erklärt Manuel Hafner, bei den Stadtwerken für strategische Projekte zuständig. Über eine Glasfront sollen Interessierte so direkt einen Einblick in die eigentliche Produktion erhalten können.
Rund 900 Tonnen grüner Wasserstoff pro Jahr sollen zunächst mit drei Elektrolyseuren produziert werden. „Bei Bedarf kann der vierte jederzeit nachgerüstet und die Produktion entsprechend gesteigert werden“, betont Lust. Die enormen Mengen an Strom sollen aus erneuerbaren Energiequellen wie Windkraft und Sonnenergie stammen. Die bei der Elektrolyse entstehende Abwärme soll zusätzlich genutzt werden. Und nicht zuletzt nutzt man weitere Synergieeffekte auch bereits während dem Bau der Pipeline. Denn parallel wird auch eine neue Starkstromleitung vom neben dem Green Hydrogen Hub gelegenen Umspannwerk bis zum Kraftwerk in Gaisburg verlegt.
Die mehr als sechs Kilometer lange Pipeline verläuft dabei vom Standort an den Otto-Hirsch-Brücken bis zur Gemarkungsgrenze Esslingen sowie bis zum Busdepot der SSB im Gaisburger Gewerbegebiet. Die rund 30 Zentimeter dicken Leitungen werden entlang der Uferstraße (B 10) bis nach Wangen und von dort über den Großmarkt bis nach Gaisburg geführt. In den aktuellen Planungen soll dabei auf den zuvor angedachten Schlenker über die Ulmer Straße verzichtet, stattdessen ein direkter Verkauf gewählt werden. Zu den Verhandlungen mit den Grundstückseigentümern könne man aber noch keinen Vollzug melden, betont Lust. Ein Erfolg würde die Sperrungen an der viel befahrenen Straße vermeiden. Zwar werden alle Leitungen unterirdisch verlegt, dennoch ließen sich Verkehrsbeeinträchtigungen nicht vermeiden. Daher sollen auch Gespräche mit der Stadt um eine Öffnung der Interimsauffahrt auf die B 10 in Hedelfingen in Richtung Stuttgart geführt werden.
Neue Zweige zur Lastwagen-Tankstelle und Stadtwerke-Hauptsitz
Aber die direktere Trassenführung in Wangen ist nicht die einzige Änderung: So wurden die Pläne um zwei neue Abzweigungen der Pipeline erweitert. Zum einen führt eine Stichleitung vom Green Hydrogen Hub über die Otto-Hirsch-Brücken und der Hafenbahnstraße nach Obertürkheim bis zur Lastwagen-Tankstelle an der dortigen Container-Verladestation. Zum anderen zweigt eine neue Trasse auf Höhe der Otto-Konz-Brücken über den Autohof bis zum Hauptsitz der Stadtwerke in der Kesselstraße 23 in Wangen ab. „Damit können wird die gesamte Wertschöpfungskette von Wasserstoff aufzeigen“, freut sich Lust.
Schließlich besitzt die neue Pipeline einen Modellcharakter für das Neckartal und die gesamte Region. Sie ist Bestandteil des Projekts H2GeNeSis, an dem neben den Stadtwerken auch die Wirtschaftsförderung Region Stuttgart, das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung, das Steinbeis-Innovationszentrum energieeffiziente und emissionsfreie Technologien sowie die Stadtwerke Esslingen beteiligt sind. Das Projekt wird von der Europäischen Union und dem Ministerium für Umwelt und Klima des Landes gefördert und soll einmal als Vorbild für andere Regionen dienen. Mittelfristig soll die Pipeline – voraussichtlich bis 2030 – auch an die Wasserstoff-Fernleitung angeschlossen werden.
Farbskala beim Wasserstoff
Wasserstoff
Grundsätzlich ist Wasserstoff immer ein farbloses Gas. Dennoch wird es – je nach seinem Ursprung – in einer Farbskala unterteilt.
Grün
Grüner Wasserstoff wird durch Elektrolyse von Wasser hergestellt. Dafür wird Strom aus erneuerbaren Energien genutzt. Er ist daher CO2-frei.
Blau
Blauer Wasserstoff ist grauer Wasserstoff, bei dessen Entstehung das CO2 jedoch teilweise abgeschieden und im Erdboden gespeichert wird (CCS, Carbon Capture and Storage). Maximal 90 Prozent des CO2 sind speicherbar.
Orange
Dieser ist auf Basis von Abfall und Reststoffen produzierter Wasserstoff. Er gilt als CO2-frei.
Türkis
Ist Wasserstoff, der über die thermische Spaltung von Methan gewonnen wird.
Grau
Wird mittels Dampfreformierung meist aus fossilem Erdgas hergestellt.
Das CO2 wird in die Atmosphäre abgegeben.