Die Kulturmeile vor etwa 60 Jahren: Auf dem Grundstück der Landesbibliothek befindet sich heute der Erweiterungsbau. Foto: Kurt Däß

Liebevoll wird sie „Labi“ genannt: Die Württembergische Landesbibliothek ist quasi die Keimzelle der Stuttgarter Kulturmeile. Für den Erweiterungsbau gibt es viel Lob. Wir erinnern an die Historie dieser 1765 gegründeten Lerninstitution.

Stuttgart - Geballtes Wissen steckt in diesem Haus: Über sechs Millionen Medien, darunter vier Millionen Bücher, 73 000 Noten, 28.000 CD-Roms, 147 000 Feldpostbriefe, 161 000 Flugblätter und 20 600 Bibeln in 682 Sprachen, gehören zu den Jahr für Jahr weiter wachsenden Schätzen der Württembergischen Landesbibliothek. Die Platznot war entsprechend groß. Nach einer etwa fünfjährigen Bauzeit ist kürzlich das Erweiterungsgebäude eröffnet worden, für das es viel Lob gibt. Weder von dieser riesigen Menge der Medien noch von der Digitalisierung konnte Herzog Carl Eugen ahnen, als er am 11. Februar 1765 in Ludwigsburg den Grundstein für den heutigen Büchertempel mit einem unschätzbarem Wert an Wissen legte. Im Beck’sche Haus (heute die Stuttgarter Straße 12/1) eröffnete der zwölfte Herzog von Württemberg eine der ersten öffentlichen Leseanstalten.

1944 brannte das Gebäude bei einem Luftangriff aus

Die Bücherleidenschaft des Herzogs, der 77 uneheliche Söhne anerkannt hat, war enorm, besonders hatte es ihm das Buch der Bücher, die Heilige Schrift, angetan. Knapp 20 Jahre nach Gründung der Bibliothek kaufte er 5000 Bibeln und bibelähnliche Werke. 1777 kam die Sammlung nach Stuttgart ins Herrenhaus am Marktplatz. Der Umzug 1820 in das nächste Domizil, in den ehemaligen, wenig repräsentativen Invalidenbau, an den heutigen Standort der Konrad-Adenauer-Straße. Damit ist die Stuttgarter Kulturmeile begründet worden.

„Erst mit den Kriegsentschädigungen von 1870 und 1871 konnte ein erstes repräsentatives Gebäude aus Stein auf dem dahinterliegenden Gartengrundstück finanziert werden“, weiß Michaela Klapka, von der Fotos in unserem Geschichtsprojekt Stuttgart-Album stammen. „Das Gebäude von 1883 wurde trotz Kriegsschäden des nördlichen Trakts bis 1970 als Landesbibliothek genutzt“, erklärt die Sammlerin von historischen Ansichtskarten weiter. Auch der heutige Nachfolgebau sei dahinter gebaut und nach dem Umzug zugunsten der Tiefgarage abgerissen worden. 1944 brannte das Bibliotheksgebäude bei einem Luftangriff fast vollständig aus. Mehr als 400. 000 Bände gingen verloren.

60 Millionen Euro in den Erweiterungsbau investiert

Der Erweiterungsbau des Architekturbüros Lederer Ragnarsdóttir Oei ist auf dem Grundstück der alten Landesbibliothek entstanden. Das Land hat dafür nach eigenen Angaben rund 60 Millionen Euro investiert. Staatssekretärin Gisela Splett bezeichnete bei der Eröffnung im Oktober den Neubau als „zukunftsgewandten Baustein“ für die Kulturmeile. Die neue Tiefgarage mit 270 Stellplätzen könnte in der Zukunft - sollte die Stadt einmal autofrei werden - auch als Büchermagazin genutzt werden, sagt sie. Ob die Innenstadt wirklich mal autofrei wird, dürfte von der OB-Wahl abhängen. Die kommenden zwei Jahre soll das denkmalgeschützte Bestandsgebäude der Bibliothek renoviert werden.

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