Die große Halle des Stuttgarter Hauptbahnhofs: Die Aufnahme ist vermutlich Ende 1920er Jahre gemacht worden. Foto: Stzn-Archiv

Für die einen war die große Halle des Stuttgarter Hauptbahnhofs „das Tor zur Welt“, für andere ein Stück Heimat. Jetzt wird sie fünf Jahre lang umgebaut. Im Stuttgart-Album berichten Leserinnen und Leser, was sie hier erlebt haben.

Stuttgart - Gabriella Smith hat „die Halle und den Bahnhof geliebt“, wie sie im Internetforum unseres Stuttgart-Albums offenbart. „Bereits als kleines Mädchen hab ich davon geträumt, mal die ganze Welt zu bereisen“, schreibt die Kommentatorin des Geschichtsprojekts, „die Bahnhofshalle war für mich das Tor zu Welt.“

Mit einer „Kathedrale“ vergleicht Rudi Maier das Innere des fast 100 Jahre alten Bonatz-Baus. Als „beeindruckend und majestätisch“ beschreibt Gisela Salzer-Bothe den vertrauten Ort, der nun jahrelang für ein neues Hotel und neue Geschäfte umgebaut wird. Sie erinnert sich „an den Blumenladen oben nach der Treppe, wo man Willkommensblumen kaufte“ und hat den „Rußgeschmack“, wenn sie mit ihrem Opa im Bahnhof Besuch abholte, noch auf der Zunge.

„Brauchen wir eine weitere Einkaufsmall in der Innenstadt?“

Kirsten Rautenberg bedauert den Umbau eines Kulturdenkmals. „Wieder verliert die Stadt ein Stück Geschichte“, kritisiert sie und fragt: „Müssen wir eine fünfte Einkaufsmall in der Innenstadt bekommen?“ Rainer Müller wird sentimental, wenn er die alten Fotos von der Bahnhofshalle sieht, und blickt zurück: „Sonntags, ab 22 Uhr, Wittwer-Kiosk oben in der Kopfbahnsteighalle. Druckfrisch der neue grüne ,Sportbericht‘ mit brandaktuellen Fotos und der Spielanalyse der schreibenden Sportjournalisten-Legende Hans Blickensdörfer. Ein unbedingtes Muss für jeden VfB-Fan damals!“

Heinz Peter schreibt: „Da ,meine‘ Straßenbahn nur bis 23.30 Uhr fuhr, konnte ich etwas länger in einer Wirtschaft feiern und um 2.30 Uhr mit dem ersten Zug nach Zuffenhausen fahren, Zugang nachts nur über den Nordeingang. Die Bahnhofshalle war fast menschenleer. Vom Bahnhof Zuffenhausen aus war noch ein halbstündiger Fußmarsch angesagt.“

Kontrollhäuschen von 1952 sorgt für sehr viele Kommentare

Für besonders viele Kommentare hat das Foto eines Bahnmitarbeiters in einem Kontrollhäuschen der Stuttgarter Bahnhofshalle von 1952 gesorgt. „Ohne Fahrschein oder Bahnsteigkarte war kein Zutritt zu den Gleisen möglich“, erinnert sich Harry Eckers, „da gab es am Durchgang zu den Bahnsteigen noch richtige Sperren.“

Der Mann mit der Mütze zwickte und lochte die Bahnsteigkarte, die man für zehn Pfennig aus Automaten herauslassen musste. Von 1965 an schaffte die Bahn die Bahnsteigsperren ab, weil sie den zügigen Verkehrsfluss behinderten. Zur Sicherheit an den Gleisen, finden nicht wenige Kommentatoren unserer Facebook-Seite, wäre ein solches Kontrollhäuschen auch heute wichtig. Der Wegfall der Bahnsteigsperren hatte kaum Personal eingespart. Denn die meisten „Sperrebeamten, so ist zu lesen, seien „ kriegsbeschädigt oder körperbehindert“ gewesen und hätten weder entlassen oder anderswo im Bahnhof eingesetzt werden können.

Diskutieren Sie mit unter: www.facebook.com/Album.Stuttgart. Zu unserer Serie sind drei Bücher erschienen, zuletzt „Das Beste aus dem Stuttgart-Album“ im Sutton-Verlag.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: