Unvergesslich: Von 1972 bis 1988 gab es bei Breuninger in Stuttgart ein Mineralbad im obersten Stockwerk. Foto: Archiv

Vom Mineralbad bis zum Milliardenumsatz: Breuninger prägt die Stuttgarter DNA und feiert am Samstag 145 Jahre. Was ist geplant? Und wie steht es um den angeblichen Verkauf?

Wer anders ist, kommt voran. Dieser Maxime folgt die Warenhauskette von Anfang an. Heute beherrscht Breuninger mit zuletzt 1,6 Milliarden Euro Umsatz und einem überdurchschnittlichen Online-Geschäft von 60 Prozent den Markt – steht also deutlich besser da als die Konkurrenz. Allein dies wäre in schwierigen Zeiten des Einzelhandels ein Grund zum Feiern.

 

Der Standort Stuttgart hat freilich noch einen schönen Anlass zu einem großen Event: Für diesen Samstag lädt das Unternehmen mit „Vogue Germany“ zur ganztägigen Party aus Anlass des 145. Geburtstags ein – mit Fashion-Shows, Modetalks, Überraschungen.

Breuninger-Verkauf: Schrecken utopische Preisvorstellungen ab?

Kann dann auch gefeiert werden, dass Breuninger immer noch nicht an einen auswärtigen Investor verkauft ist? Über die ersten Schritte der Eigentümerfamilien, sich von der Premiumkette zu trennen, ist im Sommer 2024 bundesweit heftig spekuliert worden. Heute sagen Insider, die Preisvorstellungen der Eigentümer seien utopisch gewesen, während auf der Käuferseite vor allem Schnäppchenjäger und Immobilien-Spekulanten das Rennen hätten machen wollen. Seriöse Bieter indes seien größtenteils abgesprungen, und der erhoffte Bieterwettstreit habe sich nicht eingestellt.

Zum Stand eines möglichen Verkaufs sagt Andreas Wallbillich, Unternehmenssprecher von Breuninger, heute genau das, was er schon vor knapp zwei Jahren gesagt hat und seitdem immer wiederholt: „Zu Spekulationen und Gerüchten“ äußere er sich nicht. Ob die Kette verkauft werden soll, ist damit weiterhin völlig unklar.

„Wir müssen anders sein als die anderen“ – Breuningers Anfänge

Firmengründer Eduard Breuninger ist Ehrenbürger von Backnang. Foto: Archiv

Als Eduard Breuninger vor 145 Jahren sein erstes Geschäft in Stuttgart eröffnete, gab er als Losung aus: „Wir müssen anders sein als die anderen.“ Der Firmengründer wurde 1854 als Sohn eines Gerbers in Backnang geboren. Nach einer kaufmännischen Lehre in einer Apotheke zog er mit 17 Jahren nach Stuttgart, um bei einer Manufakturwaren-Großhandlung zu arbeiten.

1881 gründete er an der Münzstraße 1 mit eigenen Ersparnissen sein erstes Warenhaus, das zunächst bescheiden ausgestattet war. Schon in den Anfangsjahren setzte er auf Werbeanzeigen – damals eine ungewöhnliche Praxis – und legte damit den Grundstein für ein Unternehmen, das später zu einem der führenden Lifestyle- und Luxuswarenhäuser Deutschlands werden sollte.

Heinz Breuninger erfand 1952 das Maskottchen Breuni

Nach dem Tod des Gründers 1932 führte sein Sohn Alfred Breuninger das Geschäft weiter. Historiker weisen darauf hin, dass Alfred während der NS-Zeit unter anderem Immobilien von jüdischen Eigentümern weit unter Marktwert erwarb und Aufträge der Wehrmacht ausführte. Nach seinem Tod 1947 übernahm der Enkel des Firmengründers, Heinz Breuninger, das Unternehmen, erfand 1952 das Maskottchen Breuni und führte als erstes deutsches Kaufhaus eine Kundenkarte ein – ein Pionierschritt, der das Einkaufserlebnis revolutionierte. Unter seiner Leitung wurden auch neue Filialkonzepte entwickelt.

Legendäres Breuninger-Bad: Ein Stück Stuttgarter Geschichte

Schon in früheren Jahrzehnten galt der Breuninger-Flagshipstore in Stuttgart als etwas Besonderes: Neben den normalen Verkaufsflächen gab es ungewöhnliche Angebote für die Kundschaft. Im Jahr 1971 waren Bauarbeiter am Marktplatz auf eine Mineralquelle gestoßen, weshalb Breuninger ein bis heute legendäres Bad betrieb, das 1988 geschlossen wurde.

Holländischer Pioniergeist an der Spitze

1980 starb Heinz Breuninger überraschend im Alter von 60 Jahren. An die Spitze trat erstmals ein Nicht-Familienmitglied: der in Den Haag geborene Hotelfachmann Willem G. van Agtmael. Bereits 1972 hatte der Holländer bei einer Hoteleröffnung in Sindelfingen den damaligen Eigentümer Heinz Breuninger kennengelernt und war ihm ein Jahr später zum Unternehmen gefolgt. Van Agtmael prägte die Grundmaxime „anders sein“ weiter, verband sie aber mit Verantwortung – sowohl gegenüber den Mitarbeitenden als auch der Stadt Stuttgart. Für das 125-Jahr-Jubiläum veröffentlichte er 2006 das Buch „Von der Verantwortung, anders zu sein“.

Breuninger: Ein Stück Stuttgarter Identität mit Innovationsgeist

So sah Breuninger in den 1930ern aus, als der Leonhardsplatz noch ein Platz war. Foto: Archiv

Unter seiner Führung entwickelte sich Breuninger zu einem modernen Lifestyle-Kaufhaus mit ausgeprägter Kundenorientierung, erweitertem Modeangebot und innovativen Serviceideen. Das Prinzip, sich vom Wettbewerb abzuheben, Trends frühzeitig aufzugreifen und zugleich Verantwortung zu übernehmen, prägt das Unternehmen bis heute. Dabei ist Breuninger mit seiner Geschichte, seinem Ehrgeiz und seinen Visionen immer auch ein Stück Stuttgarter Identität.

Zum Auftakt des Jubiläumsjahres öffnet Breuninger am Samstag, 28. Februar, seine Türen für das Event „Vogue loves Breuninger“. Von 10 bis 20 Uhr erwartet die Besucherinnen und Besucher ein vielseitiges Programm mit Fashionshows, Modetalks, exklusiven Präsentationen und weiteren Überraschungen. Die offizielle Begrüßung durch Breuninger-Chef Holger Blecker ist für 14.30 Uhr geplant.