Die Straßenbahn vom Typ GT 4 ist in Stuttgart unvergessen: Hier fahren die Linien 6 und 14 noch oberirdisch über den Schlossplatz Foto: SSB

2018 wird das Jahr der großen Jubiläen. Das Volksfest feiert den 200. Geburtstag, und die SSB wird 150 Jahre alt. Im Internet-Forum unseres Stuttgart-Albums werden bereits Liebeshymnen angestimmt – an die gute alte Strampe.

Stuttgart - Ach, wie viele Stuttgarter doch den gelben Knopf vermissen, dessen Patina im Laufe der Jahrzehnte immer bräunlicher geworden ist! Darüber stand Weiß auf Grau: „Aussteigen bitte Knopf drücken.“

Das Foto vom alten Strampe-Knopf hat bei unserem Geschichtsprojekt Stuttgart-Album für Klickrekorde gesorgt. Der legendäre Knopf gehörte zum gelben Gelenktriebwagen 4, kurz GT 4, der im Jahr 1959 zum ersten Mal durch Stuttgart gerumpelt ist und bis 2007 für die SSB im Einsatz war.

An den Endhaltestellen gab es noch Schleifen zum Umdrehen. Anja Abel hat bis heute das Geräusch in den Ohren, wenn die Türen aufgingen. Nathalie Bour erinnert an die „roten Plastiksitze, auf denen man im Sommer kleben blieb“. Ein Kommentator gesteht: „En de Mitsechzger habet mir dia Lichtschranke mit em Bebberle zuabeppt. Ond des am Schlossplatz mit em 5er oder 6er. Hend dia Schaffner emmr gfluacht!“

Der Klappsitz lud zum Experimentieren ein

Strambe oder Strampe? Wie schreibt man sie richtig? Eigentlich müsste es ein b sein, weil die Abkürzung für Straßenbahn und Trambahn steht. Durchgesetzt hat sich jedoch die „Strampe“ mit p – auch in den Publikationen der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB), die noch das Wort Straßenbahnen im Namen führt, obwohl längst nur noch Stadtbahnen viel ruhiger fahren.

Im April 2018 will die SSB ihren 150. Geburtstag groß feiern. 500 Gäste sollen zum Festakt geladen werden, für den die Vorbereitungen auf Hochtouren laufen. Zu den Überlegungen zählt, ob man VIPs in einer Sonderlinie zum Feiern bringt. Wie wär’s mit der Strampe auf der Oldtimerstrecke?

Die Strampe weckt Kindheitserinnerungen. „Das freihändige Stehen auf dem beweglichen Mittelteil fand ich immer aufregend“, lässt Carmen Lindner auf unserer Facebook-Seite wissen. Es gab dort einen Klappsitz, der zum Experimentieren einlud. Jugend forscht. Wolfgang Müller beschreibt, was damals los war: „Beim Aufstehen schnappte der Sitz an die Wand – und es tat dabei einen Wahnsinnsschlag. Auf kleine Kinder musste man aufpassen, damit die nicht vom Sitz hochgerissen wurden.“

Speziell für Stuttgart ist der GT 4 Ende der 1950er Jahre entwickelt worden – mit vier Achsen, was die Zahl 4 nach den Buchstaben G und T erklärt. Zwischen 1959 und 1965 verließen 350 Bahnen die legendäre Maschinenfabrik Esslingen. Die erste Fahrt war am 10. August 1959, die letzte als Fünfzehner am 8. Dezember 2007.

Mi der Pferdebahn fing alles an

Die Konkurrenz kam 1985: Ihre Jungfernfahrt feierte die Stadtbahn, deren Schienen breiter sind, von Vaihingen über Möhringen nach Plieningen. Die Umstellung dauerte lang, weshalb die SSB weiterhin einen robusten Bestand an Meterspurwagen brauchte, ohne bereits neue Fahrzeuge kaufen zu müssen. Andernfalls wäre der GT 4 viel früher ausgemustert worden.

Die Geschichte der SSB geht auf das Jahr 1868 zurück. Mit der Pferdebahn hat alles angefangen. Die SSB entstand durch die Fusion von zwei Pferdebahn-Gesellschaften. Bereits 1895 hat man die Rösser ausgespannt und die erste elektrische Strecke von Berg zum Charlottenplatz eröffnet.

Hier noch die Strampe-Daten fürs Straßenbahn-Quartett: Der GT 4, der heute im Museum steht oder in Rumänien fährt, ist 19 Meter lang und 2,20 Meter breit, wiegt 19 Tonnen und hat 48 Sitzplätze. Seine Höchstgeschwindigkeit ist 60 Stundenkilometer.

Oft gab es Probleme mit den Weichen

Mitunter war die Strampe etwas bockig – bei starkem Schneefall kam sie kaum die Hänge hoch. Oft gab es Probleme mit den Weichen. Die Stadtbahn ist nicht nur schneller, sondern auch zum Einsteigen bequemer. Aber es rumpelt halt nicht mehr so – dafür rumpelt es in den Erinnerungen umso schöner. Denn die Liebe zur Strampe hält ewig.

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