Stuttgart-Album Als Pferdekutschen Stuttgarts Taxis waren

Von Uwe Bogen 

Das Stuttgart-Album lädt zur Zeitreise in die jüngere Vergangenheit der Stadt ein. Leserin Marlis Hoffmann hat Postkarten aus dem Nachlass ihrer Schwiegermutter geschickt – Fotos vom Anfang des vorigen Jahrhunderts.

Stuttgart - Das prachtvolle Gebäude am Ende der heutigen Bolzstraße, die Anfang des vorigen Jahrhunderts noch Schlossstraße hieß, war Stuttgarts Heimat der Illusionen. Der Brauereimeister Ernst Immanuel Wulle, dessen Biermarke heute wieder Erfolge feiert, hatte im Jahr 1900 den Friedrichsbau von seiner „Immobilienverein-Aktiengesellschaft“ errichten lassen.

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Zwei Jahre bis zu seinem Tod im Jahr 1902 konnte Wulle noch erleben, wie ein neues kulturelles Zentrum in Stuttgart entstand. Im Erdgeschoss des Friedrichsbaus befanden sich ein Friseur und ein Tabakladen. Über den ersten Stock erstreckte sich der Theatersaal mit 800 Sitzen, die mit rotem Samt bezogen waren. Hier traten internationale Stars wie Grock, Josephine Baker, Charlie Rivel und Karl Valentin auf. Hier wurde die große Stuttgarter Varieté-Tradition begründet. Der neue Friedrichsbau, der sich an der historisch fast selben Stelle in der Rotunde der L-Bank befindet, muss Ende 2013 schließen – die Banker haben den Künstlern gekündigt. Möglicherweise geht es in einem Zelt auf dem Pragsattel weiter.

Auf dem alten Foto, das uns Leserin Marlis Hoffmann aus dem Nachlass ihrer Schwiegermutter vermacht hat, sieht man auf der Schlossstraße vor der Hauptpost Pferdekutschen – die damaligen Taxis.

Im Krieg war der Friedrichsbau ausgebrannt. Neu errichtet wurde er nicht – das Gebäude musste für die Erweiterung der Theodor-Heuss-Straße weichen. In der Schlossstraße befand sich Anfang des vorigen Jahrhunderts der Bahnhof – zu erkennen an den markanten Säulen, die heute noch das Metropol-Kino schmücken.

Es muss ein gewaltiges Fauchen und Qualmen gewesen sein, wenn sich die Dampfloks der heutigen Bolzstraße näherten. Die Gleise führten mitten ins Zentrum. Nur wenige Schritte vom Königsbau entfernt endete die Bahnstrecke. Eine hölzerne Halle umspannte vier Gleise. Wenn die Loks auf zwei Drehscheiben zurück in die Fahrtrichtung manövriert wurden, bildeten sich Trauben von Schaulustigen. Rasch erwies sich der 1846 erbaute Bahnhof als zu klein. 1910 gewann Paul Bonatz den Architektenwettbewerb für den heutigen Kopfbahnhof, der 1922 mit den ersten Gleisen in Betrieb ging.

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