So üppig war der Baumwuchs einstmals auf dem Schlossplatz. Foto: Sammlung Wibke Wieczorek

Bäume sind sehr wichtig für das Stadtklima. Eifrig wird gerade über Neupflanzungen auf dem Marktplatz diskutiert. Unser Stuttgart-Album blickt auf den Baumbestand von früher. Auf dem Schlossplatz gab’s mal fast einen Wald.

Stuttgart - Der Baumbestand vor dem Neuen Schloss war üppig und fast so dicht wie in einem Wald. Die Hügel wiesen unbebaute Flächen auf und dienten der Landwirtschaft. Wie grün Stuttgart einmal war, zeigt sich auf alten Baumfotos, die im Internetforum unseres Stuttgart-Albums für sehr viele Kommentare sorgen. „Ich kann mich noch an die Kastanien am Schlossplatz erinnern“, schreibt Eva Holloway. „Gerade der Stuttgarter Kessel ist zwingend auf viel innerstädtisches Grün angewiesen“, findet Susanne Jakobi, „weshalb man gleich auch noch an Fassadenbegrünung denken sollte – nebenbei ließen sich damit auch diverse Bausünden elegant verbergen.“

Wie lässt sich urbanes Leben mit Natur verbinden? Diese Frage treibt viele um, wie die aktuelle Debatte über Bäume auf dem Marktplatz jetzt wieder zeigt. Christel Bischoff träumt von der Zukunft: „Schatten spendende Bäume mit Sitzgelegenheiten, die trotzdem Platz für Wochen- und Weihnachtsmarkt bieten, das wäre meine Vorstellung von einem klima- und menschenfreundlichen Marktplatz. Ist zwar etwas blauäugig, aber herrlich.“

In der Königstraße wurden 130 Platanen gepflanzt

Eine weitere Kommentatorin mit dem Facebook-Namen Pj Stotz klagt: „Die wunderschönen Bäume zwischen Linden-Museum und Katharinenhospital hat man für eine breitere Straße geopfert. Kaum zu glauben dass unsere grüne Landesregierung und der grüne OB so etwas zulassen.“ Helmut Barth gibt zu bedenken: „Die Hälfte derer, die heute ,Mehr Bäume’ sagen, jammern dann im Herbst, wenn mehr Laub herumliegt und die Stadtreinigung lautstark mit dem Laubbläser auftaucht.“

Für Bäume auf dem Marktplatz plädiert Dirk Wein, warnt jedoch vor rosaroten Rückblicken in die Vergangenheit: „Die Aussage, dass es früher mehr Bäume in der City gab, ist allerdings falsch. Lediglich auf dem Schlossplatz gab es mehr Bäume, ansonsten gibt es heute wesentlich mehr Bäume in der Innenstadt. Allein in der Königsstraße wurden in den 1970er und 1980er Jahren 130 Platanen gepflanzt, die es früher nie gab. Dazu kommen die Platanen in der Kronprinzenstraße und die ganzen Bäume in den anderen Straßen, die seit den 1970ern und 1980ern neu angepflanzt wurden.“

Bäume sind wichtig, damit die Stadt Luft holen kann

Allerdings sind für Stuttgart 21 große, alte Bäume aus dem Schlossgarten verschwunden, worauf Beate Maier hinweist: „Hätte man die gelassen, wäre es mit dem Stadtklima gleich viel besser.“ Und Willi Berghoff ergänzt: „Die meisten Bäume in der Innenstand sind dem S- und U-Bahn-Bau und für S 21 zum Opfer gefallen, etliche absurderweise auch wegen der Bundesgartenschau 1976. Es sind kaum wieder Bäume gepflanzt worden – der Schlossplatz ist da ein deutliches Beispiel für nicht erfolgte Zusagen.“

Auf einer Karte von 1913 sieht man üppigen Baumbestand auf beiden Seiten der Planie. Rainer Müller schreibt dazu: „Das Wilhelms-, sprich heutige Stadtpalais am Ende der Sichtachse ist leider nicht auszumachen, dafür ein alter Straßenbahn-Waggon noch mit blau-elfenbeinfarbenem Anstrich.“

Die Diskussion in unserem Internetforum zeigt: Bäume spielen eine besondere Rolle. Sie zeugen von vergangenen Zeiten, werden für ihre Schönheit bewundert und sind wichtig, damit die Stadt Luft holen kann.

Diskutieren Sie mit unter www.facebook.com/Album.Stuttgart. Zu unserer Serie sind drei Bücher erschienen, zuletzt „Das Beste aus dem Stuttgart-Album“ im Sutton-Verlag.

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