Sara Sireni ist eine der ersten Schülerinnen an der neuen Akademie für Tätowierkünste in Stuttgart. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

In unserem Stuttgart-Adventskalender öffnen wir jeden Tag ein spannendes Türchen für Sie. Am 13. Dezember werfen wir einen Blick in Stuttgarts neue Tattoo-Akademie.

Stuttgart - Deutschlands erste Tattoo-Akademie eröffnet zu haben, damit werben die Macher des Tätowierstudios Mommy I’m Sorry in Stuttgart-Süd. Damit stehen sie zwar nicht ganz alleine da – so will zum Beispiel auch ein Studio in Berlin die erste professionelle Ausbildung in Sachen Tätowierkunst an den Start gebracht haben – doch Alexander Supper und Dennis-Silas Becks haben sich eine professionelle Ausbildung angehender Tätowierer auf die Fahnen geschrieben und dazu guten Grund: „Es gibt zu viele schwarze Schafe in der Branche und es eröffnen zu viele Studios, in denen die Tätowierer keine Ahnung haben. Es gibt keine staatliche Ausbildung, auch keine allgemeinen Regelungen, was die Ausbildung von Tätowierern angeht. Im Grunde kann jeder zum Gewerbeamt gehen und sagen, ich bin jetzt Tätowierer. Das wollen wir ändern,“ so Supper.

Gemeinsam mit Becks betreibt er seit zehn Jahren das Tattoo-Studio Mommy I’m Sorry in Stuttgart. Neben den Räumlichkeiten in der Tübinger Straße lehren die beiden und weitere Experten seit Oktober 2016 in ihrer Akademie das Tätowierhandwerk. Damit haben sie in ihrer Privatschule, das umgesetzt, was der Bundesverband Tattoo mit Sitz in Berlin seit geraumer Zeit seine Ziele nennt, bislang aber nicht in die Praxis umsetzen konnte. Auch der Bundesverband bemüht sich um eine geregelte Ausbildung sowie um Zugangsregelungen für Neutätowierer. Die Begründung: „Ein Befähigungsnachweis ist der wichtigste Baustein, um als seriöser Tätowierer wahrgenommen zu werden und Tattoofans vor Hobby- und Wohnzimmertätowierern zu schützen. Die Erteilung eines Gewerbescheins für einen Tätowierer sollte nach unserem Verständnis nur erfolgen, wenn ein hinreichender Nachweis über spezifische Kenntnisse unter anderem in folgenden Bereichen erbracht wurde: Technisches Handwerk, Hygiene, Dermatologie, rechtliche Grundlagen“, ist auf der Homepage des Bundesverbands zu lesen.

Staatliche Ausbildung in weiter Ferne

Doch Supper und Becks wollten nicht warten, bis dies allgemeingültig umgesetzt wird, und haben einen eigenen Nachweis über die genannten Fähigkeiten entworfen. Auch die Chancen, dass der Beruf des Tätowierers ein staatlicher Ausbildungsberuf wird, schätzen die beiden nicht so hoch ein. „Mit dreijähriger Ausbildungsdauer inklusive Bezahlung und so? Nein, das wird die Branche nicht mitmachen“, meint Supper.

In seiner privaten Akademie dauert die Ausbildung sechs Monate: „Unser Lehrplan umfasst verschiedene Blöcke und Bereiche. Zeichnen, Betriebswirtschaftslehre, Dermatologisches, Juristisches und natürlich das Tätowieren selbst – 60 Prozent Praxis, 40 Prozent Theorie. Danach hat jeder, der bei uns war, die Grundlagen erworben, in einem Studio als Tätowierer anzufangen oder sich selbständig zu machen,“ so Supper. Kostenpunkt für die Ausbildung: 15.000 Euro.

Erste Schüler sind zufrieden

Sara Sireni ist eine der Schülerinnen, die vor ein paar Wochen in der Akademie für Tätowierkunst in Stuttgart ihre Ausbildung begonnen hat. Die 21-Jährige aus Graz war lange auf der Suche nach einer professionellen Ausbildung als Tätowiererin und ist schließlich in Stuttgart fündig geworden. „In Österreich sind vier staatliche Prüfungen Pflicht, um Tätowierer zu werden. Stattdessen mache ich lieber die Ausbildung hier“, sagt die ehemalige Grafikerin. „Ich bin künstlerisch und handwerklich sehr begabt. Im Tätowieren sehe ich den einzigen Weg, meine künstlerischen Fähigkeiten fortzuführen und damit Geld zu verdienen“, meint Sireni. Ihr Eindruck nach den ersten Wochen an der Akademie ist positiv: „Die beiden sind Profis, die wissen, was sie tun. Alle von uns haben nach so einer Ausbildung gesucht und wir sind alle froh, sie hier gefunden zu haben“, sagt die junge Frau.

Dass sich Supper und Becks mit ihrer Akademie in der Branche nicht nur Freunde machen, haben sie bereits gemerkt. „Die meisten haben Angst vor Konkurrenz und befürchten, dass wir mit der Akademie zu viel Aufmerksamkeit bekommen. Dass wir Standards setzen wollen, findet nicht in jedem Studio Zuspruch“, sagt Supper.

Bundesverband Tattoo äußert Skepsis

Das Zertifikat, das die Schüler nach den sechs Monaten von der Akademie bekämen, sei bislang zwar nur ein Stück Papier, sagen die beiden. Für sie und ihre Schüler sei es jedoch ein Gütesiegel. „Wir können uns sicher sein, dass die Personen, die bei uns auf der Akadmie waren, gute Künstler sind,“ meint Supper.

Beim Bundesverband Tattoo sieht man das allerdings anders. Auch dem Sprießen von privaten Schulen in Sachen Tätowierkunst steht man skeptisch gegenüber: „Wir haben einen grunsätzlichen Vorbehalt gegen private Ausbildungen in diesem Bereich, weil wir befürchten, dass sie am Markt vorbeigehen. Wir glauben, dass in privaten Akademien Personen vorgegaukelt wird, dass sie in wenigen Monaten gut ausgebildet werden. Aus meiner Sicht, wird damit ausschließlich versucht, Geld zu verdienen,“ sagt Vorstandsmitglied Urban Slamal vom Verband.

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