Der Rückbau der oberirdischen Gleise in Stuttgart wird konkreter. Foto: Imago//Achim Zweygarth

Die Stadt Stuttgart wartet ungeduldig auf die Gleisflächen am Hauptbahnhof, auf denen nach Inbetriebnahme von Stuttgart 21 neue Viertel entstehen können. Nun hat die Öffentlichkeit bei neuen Plänen zum Rückbau der Bahnanlagen das Wort.

Nach der neuerlichen Verzögerung von Stuttgart 21 bleibt der Kopfbahnhof bis mindestens Ende 2026 in Betrieb – sehr zum Verdruss der Stadt Stuttgart. Die plant, auf den einmal frei werdenden Gleisflächen neue Stadtviertel zu bauen – und muss zur Kenntnis nehmen, dass sie in diesem Vorhaben ausgebremst wird. Man wolle „als Landeshauptstadt Stuttgart das Gleisvorfeld so schnell wie möglich mit dem Projekt Rosenstein aufsiedeln. Die nochmalige Verschiebung um ein Jahr ist deswegen ernüchternd und – ich gebe es offen zu – auch enttäuschend“, gab Oberbürgermeister Frank Nopper zuletzt zu Protokoll.

 

40 Hektar Bahnfläche in der Diskussion

Auch wenn der Zeitplan für die städtebauliche Entwicklung also mit einigen Unwägbarkeiten behaftet ist, laufen die Vorbereitungen für den Rückbau der Gleise weiter. Auch dafür braucht es eine Baugenehmigung in Form eines sogenannten Planfeststellungsbeschlusses. Nun ist das Verfahren für einen weiteren, knapp 40 Hektar großen Bereich soweit gediehen, dass die Pläne öffentlich gezeigt werden und Betroffene die Möglichkeit haben, ihre Einwände vorzubringen.

Den Abriss von Gleisen, Oberleitungen und Signalen haben die Projektbeteiligten von Stuttgart 21 in mehrere Abschnitte eingeteilt. So ist der Rückbau der Schienen im Bereich der heutigen Bahnsteige bereits genehmigt, gleiches gilt für die Strecke in Richtung Bad Cannstatt. Für den Bereich zwischen dem Bahnsteigende und den Eisenbahnbrücken über die Wolframstraße wurden die Pläne Ende vergangenen Jahres veröffentlicht. Man befinde sich weiter im Anhörungsverfahren erklärt eine Sprecherin des zuständigen Eisenbahn-Bundesamtes. Das heißt: die Bahn nimmt Stellung zu den Einwendungen, die gegen die vorgestellten Pläne vorgebracht wurden. Erst danach entscheidet die Behörde, ob es zur öffentlichen Diskussion, dem sogenannten Erörterungstermin, kommt.

Pläne liegen zur Einsichtnahme aus

Die nun veröffentlichten Pläne betreffen die Gleise und Anlagen der Fern- und Regionalbahn zwischen den Bahnbrücken über die Wolframstraße und der Löwentorbrücke. Sie können noch bis einschließlich 22. Juli im Stadtplanungsamt, Eberhardstraße 10, Zimmer 003, eingesehen werden. Die Öffnungszeiten sind montags bis mittwochs jeweils von 8.30 bis 12.30 Uhr und von 14 bis 15.30 Uhr. Donnerstags geht es am Nachmittag bis 17 Uhr und freitags sind die Pläne lediglich vormittags von 8.30 bis 12.30 Uhr einzusehen. Sie finden sich aber auch zur Einsichtnahme im Internet auf der Seite des Eisenbahn-Bundesamtes unter www.eba.bund.de/anhoerung .

Kritiker des Vorhabens warnen vor einer aus ihrer Sicht vorschnellen Aufgabe der oberirdischen Gleisanlagen. Erst wenn der Durchgangsbahnhof im Praxistest seine Leistungsfähigkeit unter Beweis gestellt habe, könnten die Anlangen an der Oberfläche entfernt werden.

Dem steht der erklärte Wille der Stadt entgehen, nach der langen Wartezeit möglichst rasch mit dem Rückbau beginnen zu können, der erst die Voraussetzung für eine spätere Stadtentwicklung schafft.