Die Ausfahrt zur Baustraße an der Echterdinger Straße gibt es bereits. Der Radweg kann derzeit nicht genutzt werden. Foto: Jacqueline Fritsch

Das Großprojekt rückt an die Filder heran – und damit auch an Stuttgart-Plieningen. Dort sorgen sich die Lokalpolitiker wegen des drohenden Lastwagenverkehrs. Aber nicht nur deswegen.

Plieningen - An der Echterdinger Straße soll es zwischen der Fahrbahn und der dort eingerichteten Baustraße einen neuen Radweg geben. Damit sich die Radfahrer und die Baustellenfahrzeuge von Stuttgart 21 nicht in die Quere kommen, soll es eine Ampel an der Einmündung zur Baustraße geben. Diese Lösung, die den Radverkehr über die Autobahnbrücke zwischen Plieningen und Echterdingen wieder ermöglichen würde, prüft die Deutsche Bahn derzeit.

Die kurzfristige Kappung der Route hat viele verärgert – weil die Umleitungen recht umständlich sind. Im Sommer könnte es den neuen Radweg geben. „Bis zum 30. Juni bleibt die aktuelle Führung für Radfahrer so, wie sie jetzt ist“, sagt Robert Berghorn, der technische Projektleiter für den Bauabschnitt „Filderbereich und Flughafenanbindung“ von S 21.

Robert Berghorn ist an diesem Tag nicht allein in Plieningen zu Gast, um über die anstehenden Arbeiten für das Großprojekt Stuttgart 21 zu berichten – fünf Kollegen von der Deutschen Bahn, dem Tiefbauamt und dem Regierungspräsidium hat er dabei. Damit alle Fragen der Bürger und der Bezirksbeiräte, die die Verantwortlichen in ihre Sitzung eingeladen hatten, beantwortet werden können.

Die Umleitungen seien eine Übergangslösung

Die Echterdinger Straße ist den Lokalpolitikern mit das wichtigste Anliegen. „Wir wollen aber nicht, dass der neue Radweg jetzt geprüft wird und es dann heißt, dass das doch nicht geht“, sagt Ulrich Berger (SPD). Die Umleitungsstrecken für Radfahrer führen derzeit über den Fasanenhof und die Flughafenstraße – diese Routen gelten als gefährlich und umständlich. Zumal an der Flughafenstraße derzeit für die Stadtbahnlinie U6 gebaut wird und der Radweg dort seit etwa zwei Jahren gesperrt ist. „Wir sind mit dem Flughafen in Verbindung, damit wir dort auch einen guten Radweg gewährleisten können“, sagt Robert Berghorn. Er betont, dass die Umleitungen für die Deutsche Bahn eine Übergangslösung seien und auf einen neuen Radweg entlang der Echterdinger Straße hingearbeitet werde. Dieser würde dann bis zum Ende der Bauarbeiten bestehen.

Seit vergangener Woche gibt es laut der Bahn die erste Reifenwaschanlage im Bereich der Baustelle, die sich von der Echterdinger Straße über die L 1192 bis zur Mittleren Filderstraße erstreckt. Die soll dazu beitragen, dass die öffentlichen Straßen von den Baustellenfahrzeugen nicht verschmutzt werden. Bisher reinige ein Besenwagen die Straßen. „Der fährt zwar gefühlt alle zehn Minuten, die Straßen sind aber trotzdem verschmutzt“, sagt Berger und fragt, warum die Reifenwaschanlagen nicht früher installiert werden. Dafür fehlten laut Bahn bisher schlichtweg Wasser- und Stromanschlüsse.

600 000 Kubikmeter erde müssen bewegt werden

Wenn die Arbeiten für S 21 auf den Fildern losgehen, befürchten die Plieninger viel Lastwagen-Verkehr im Ort. Berghorn berichtet, dass in Hochzeiten bis zu 40 Lkw pro Stunde im Baustellenbereich hin- und herfahren. Die transportieren unter anderem die insgesamt 600 000 Kubikmeter Erde, die für das Projekt bewegt werden müssen. Berghorn will nicht versprechen, dass die Straßen im Ort davon ganz verschont bleiben: „Grundsätzlich sind es öffentliche Straßen, auf denen die Durchfahrt nicht verboten ist“, sagt er, „aber wir bemühen uns, die Lkw auf kürzestem Weg auf die Autobahn zu leiten“.

Die Autobahn selbst wird für mehr als ein Jahr südlich von Plieningen etwas anders verlaufen. „An einem Wochenende im Mai, das noch festgelegt werden muss, verschwenken wir die Fahrstreifen“, sagt Berghorn. Zahl und Breite der Fahrspuren sollen dabei erhalten bleiben. Das Tempolimit wird voraussichtlich von 120 auf 100 Kilometer pro Stunde herabgesetzt. Bis die Autobahn im Sommer 2021 wieder zurückgeschwenkt wird, arbeitet die Bahn in offener Bauweise an einem Tunnel, der später unter der A 8 durchführt. Mit einer Einschränkung für den Verkehr rechnen die Verantwortlichen nur an den beiden Wochenenden, an denen auf die alternative und die normale Streckenführung umgestellt wird.

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