Mithilfe des Fildertunnels soll die Fahrt zwischen Flughafen und Hauptbahnhof statt 28 Minuten künftig nur noch acht Minuten dauern. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Der Tunnel zwischen Hauptbahnhof und Filderebene ist der drittlängste in Deutschland. Bis zum Sommer 2020 müssen Bewohner von Stuttgart-Degerloch mit den Auswirkungen der Bauarbeiten rechnen. Ob noch einmal gesprengt wird, ist aktuell unklar.

Degerloch/Filder - Im vergangenen Herbst konnte das Bahnprojekt Stuttgart-Ulm einen Erfolg vermelden: Die im Volksmund „Suse“ genannte Vortriebsmaschine hatte ihre Arbeit getan, der maschinelle Vortrieb am Fildertunnel war beendet. Von Vortrieb, auch Auffahrung genannt, spricht man im Bergbau, wenn man einen Tunnel bohrt. Der Abschluss dieser Etappe stellte einen Meilenstein dar.

 

Vor Kurzem wurden Anwohner informiert

Der 9,5 Kilometer lange Fildertunnel – der auch Degerloch unterquert – ist der drittlängste Tunnel Deutschlands und ein entscheidender Bestandteil des Projekts. Er soll künftig den Tiefbahnhof mit dem Flughafen verbinden, dabei 153 Höhenmeter überwinden und den Fahrgästen eine erhebliche Zeitersparnis bringen: Statt 28 soll die Fahrt künftig nur noch acht Minuten dauern.

Am 10. Januar flatterte eine Anwohnerinformation der Deutschen Bahn in die Briefkästen einiger Degerlocher Haushalte. „Im Bereich des Mittleren und Unteren Fildertunnels beginnt die Deutsche Bahn nun mit dem Bau der Verbindungsbauwerke zwischen den beiden Tunnelröhren“, heißt es darin. Die Verbindungen dienen im Notfall als Fluchtwege. Laut Infoblatt sollten die Arbeiten bereits am 14. Januar beginnen und an sieben Tagen rund um die Uhr stattfinden. „Beim Bau der Verbindungsbauwerke sind aufgrund der dortigen Geologie Sprengungen nötig. Diese dienen dazu, das feste Gestein zu lockern“, informiert das Schreiben weiter. Die Sprengungen könnten in Form eines „dumpfen Grollens“ wahrnehmbar sein. Allerdings hat sich der Beginn der Sprengungen laut Auskunft einer Mitarbeiterin der Bauinfo des Bahnprojekts Stuttgart-Ulm verzögert. Es sei darüber hinaus nicht abschließend geklärt, ob die Sprengungen überhaupt noch nötig seien, sagt die Mitarbeiterin.

Die Störungen würden so gering wie möglich gehalten

Ob Sprengungen oder nicht: Bis Sommer 2020 werden es die Degerlocher immer wieder mit Auswirkungen der Baumaßnahmen zu tun bekommen. Auch dies geht aus dem Schreiben hervor. Die Betroffenen würden jeweils durch gesonderte Anschreiben informiert. „Die Auftragnehmer der Deutschen Bahn sind bemüht, die von den Bauarbeiten ausgehenden Störungen insbesondere von Lärm so gering wie möglich zu halten. Dennoch lassen sich Beeinträchtigungen nicht gänzlich ausschließen. Dafür bitten wir um Ihr Verständnis“, so die Information.

Ein Sprecher des Bahnprojekts Stuttgart-Ulm erklärt auf Anfrage, was im laufenden Jahr konkret ansteht: „2020 finden unter Degerlocher Gemarkung im Wesentlichen die Innenschalenarbeiten im konventionell aufgefahrenen Mittleren Fildertunnel statt“, erläutert der Sprecher. Die Innenschale dient der dauerhaften Sicherung des Tunnels. „Darüber hinaus müssen ebenfalls zum Teil unterhalb Degerlocher Gemarkung noch die Verbindungsbauwerke im unteren Fildertunnel aufgefahren werden“, bestätigt der Sprecher des Projekts.

Im nächsten Jahr, 2021 also, würden dann die bahntechnischen Einbauten beginnen. Diese beinhalten die Komponenten, die direkt mit dem Zugverkehr in Zusammenhang stehen, wie zum Beispiel Schienen, Fahrdraht, Stromversorgung und Signaltechnik.

Vom Untergrund geht ein Risiko aus

Ein wiederkehrendes Thema in der Diskussion um die Tunnelsysteme des Bauprojekts Stuttgart 21 ist die Frage nach der Gefahr des Aufquellens des Gipskeupers. Einige der Tunnelabschnitte, unter anderem jener unter dem Fernsehturm, verlaufen durch die anhydrithaltige Gesteinsschicht, die bei Kontakt mit Wasser aufquellen kann. Vier von 9,5 Kilometern des Fildertunnels führen durch diese Schicht.

Immer wieder kursierten auch in Bezug auf den Fildertunnel Gerüchte über Wassereintritte. Die Bahn verweist in diesem Zusammenhang gewöhnlich auf ein mehrstufiges Sicherheitskonzept. In der konkreten Frage gibt das Bahnprojekt Stuttgart-Ulm Entwarnung: „Die anhydritführenden Bereiche des Fildertunnels wurden erfolgreich ohne Wasserzutritte aufgefahren“, so der Sprecher.