Bald dürfen hier Fußgänger vom Bahnhof zur Königstraße gehen Foto: Leif Piechowski

Bahnreisende müssen auf dem Weg zur Stadt nicht mehr in den Untergrund abtauchen. Noch im Dezember soll eine Fußgängerfurt fertig sein, die ebenerdig vom Hauptportal über die Schillerstraße auf die Königstraße führt.

Stuttgart - Noch im Dezember 2014 soll man zwischen Einkaufsmeile Königstraße und Hauptbahnhof ebenerdig über die Schillerstraße gehen können – und nicht mehr gezwungen sein, nach unten und durch die Arnulf-Klett-Passage zu schreiten. Dieses Ziel hatten die Gemeinderatsfraktionen zwar bereits bei den städtischen Haushaltsberatungen im Dezember des vergangenen Jahres angepeilt, doch die zeitliche Umsetzung war damals noch nicht absehbar.

Jetzt ließen Technikbürgermeister Dirk Thürnau (SPD) und das Tiefbauamt die Stadträte wissen, dass der Bau der Ampelanlage für die geplante Fußgängerfurt und die anderen Tiefbauarbeiten Ende September in Angriff genommen werden. Sie dauern dann rund zwei Monate.

Danach soll es eine Furt geben, an der Passanten die Schillerstraße bei grünem Signal in einem Zug überqueren können, ohne dass sie auf der Mittelinsel der Straße anhalten müssen. Die Ampel wird mit der Signalanlage der bestehenden Fußgängerfurt in Höhe der Lautenschlagerstraße gekoppelt. Der Überweg werde acht Meter breit und nicht wie bisher geplant sechs Meter, berichtete die Stadtverwaltung. Die Aufstellfläche auf der Mittelinsel der Straße soll jetzt ebenfalls etwas großzügiger ausfallen: bis zu drei Meter breit statt 2,70 Meter.

Ändern wird sich auch im Umfeld des Hauptbahnhofs einiges. Die bisherige Taxivorfahrt soll in Gehwegfläche umgewandelt werden. Sie werde im Moment sowieso gern von anderen Autofahrern, von Lieferanten und von Handwerkern angesteuert und als Stoppstelle zum Aus- und Einsteigen genutzt. Dadurch komme es zu Behinderungen und gefährlichen Situationen auf der Busspur. Auf der anderen Seite der Schillerstraße, vor dem Hindenburgbau, soll bei dieser Gelegenheit die Busspur saniert werden.

Die Stadtverwaltung äußerte auch Zuversicht, dass die früher veranschlagten Baukosten von 584 000 Euro realistisch sind und keine Mehrkosten entstehen werden.

Die Bauzeit von zwei Monaten mag auf den ersten Blick recht lang erscheinen. Angesichts der Begleitumstände sei sie aber keineswegs zu lang bemessen, sagte Jochen Hutt vom Tiefbauamt unserer Zeitung. Der Bau der Ampelanlage sei nicht ganz einfach, weil die Fußgängerfurt über der Arnulf-Klett-Passage entstehe. Deswegen müsse man auch Sonderanfertigungen von Ampelmasten verwenden, die keiner tiefen Gründung im Boden bedürften. Außerdem müsse man sorgfältig darauf achten, dass die Abdichtung der Arnulf-Klett-Passage gegen Nässe von oben gewährleistet bleibe. „Das alles findet auch noch unter Verkehr statt, weshalb es immer wieder Fahrbahnverschwenkungen geben muss“, sagte Hutt.

Das Tiefbauamt hat seine Pläne ungeachtet der Tatsache geschmiedet, dass die Schillerstraße mittelfristig voraussichtlich einen anderen Charakter erhält als heute. Im Moment ist sie Teil des Cityrings und als solcher von größter Bedeutung für Autofahrer, Busfahrer und Taxifahrer. Wenn sie blockiert ist, droht Stuttgart ein Verkehrskollaps, und der Einzelhandel bangt um die Erreichbarkeit der Läden. Das zeigte sich nicht zuletzt in der Zeit, als dort die Montagsdemonstrationen gegen Stuttgart 21 stattfanden.

Nach der Fertigstellung des Tiefbahnhofs soll jedoch die nördlich der Hauptbahnhofsanlage verlaufende Wolframstraße dem Cityring zugeschlagen werden. Die Schillerstraße bekommt dann eine andere Funktion und kann anders gestaltet werden. Beim Tiefbauamt wage man in dieser Hinsicht keine Prognose, sagte Hutt. Die neue Gestalt der Schillerstraße sein ein Thema des Jahres „2000 und x“. Möglicherweise würden die Fahrbahnen schmäler. Welchen Verkehr man dann dort noch wolle, sei bisher nicht entschieden – genauso wenig, was an den Rändern geschehe, die man der Verkehrsfläche abringen könne. Im Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung gebe es dazu erste Überlegungen.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: