Peter Jahn darf seine Drohne nicht über der Baugrube kreisen lassen. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Um das Projekt Stuttgart 21 zukünftig besser zu dokumentieren, will ein Stuttgarter jetzt Drohnen über der Baustelle einsetzen. Dafür hat er jetzt allerdings eine Absage bekommen.

Stuttgart - Peter Jahn steht mit einer Drohne am Bauzaun und guckt nach oben. Das Wetter würde heute mitspielen, sie steigen zu lassen. Aber Jahn darf nicht. Seiner Idee, das vor allem im Frühjahr mit Pannen gespickte Bauprojekt Stuttgart 21 durch die Vermessung mit Drohnen zu dokumentieren und damit transparenter zu machen, hat die Bahn eine Absage erteilt: zu gefährlich für die Bauarbeiter.

Jahn verwendet in seinem Start-up-Unternehmen Industrial Drone Solutions nur Drohnen mit mindestens acht Rotoren. „Selbst, wenn da mehrere ausfallen sollten, kann man die Drohne noch problemlos notlanden“, sagt der 48-Jährige. Außerdem würde auf der Baustelle ja mit tonnenschweren Stahlträgern hantiert – was seien da schon die läppischen vier Kilo Drohne?

Dennoch wäre es ganz so einfach nicht für die Bahn, sich auf solche Vorschläge einzulassen. Denn auch Jahn hat seit seiner Unternehmensgründung vor gut einem Jahr erfahren müssen, dass Deutschland im europäischen Vergleich bei der Gesetzgebung in Sachen Drohnen ganz schön hinterherhinkt. Nicht mal bundesweit gelten dieselben ­Gesetze, da der rechtliche Rahmen für den neuen Technologiezweig Ländersache ist.

1000 gewerbliche Drohnenpiloten

Auch wenn das Regierungspräsidium Stuttgart die Regelungen, Drohnen fliegen lassen zu dürfen, gelockert hat – über der ­S-21-Baustelle gibt’s wohl trotzdem keine Erlaubnis. „Wegen der Oberleitungen ist das Drohnenfliegen in der Nähe von Bahnhöfen prinzipiell untersagt“, so ein Sprecher.

Dennoch braucht es selbst bei den Industriedrohnen, die bei Jahn im Einsatz sind und pro Stück 12 000 Euro aufwärts kosten, ­keinen Pilotenschein, um die unbemannten Flugobjekte per Fernbedienung steuern zu dürfen. Auch ein allgemein anerkanntes Zertifikat gibt es nicht. Hobbydrohnenflieger können ihre Freizeitbeschäftigung also zum Beruf machen, sowie sie ein Gewerbe anmelden. „Das ist nicht gut für die Branche, da müssen Regeln her“, fordert Jahn.

In Deutschland gibt es etwa 1000 Drohnenpiloten, die gewerblich fliegen. Jahn beschäftigt nur solche, die Zertifikate in der Tasche haben, welche den Standards im Ausland genügen. „In den Niederlanden und in England ist das üblich, wenn man damit Geld verdienen will“, sagt er. Jahn will mit seinem Drohnengeschwader Erfolg haben.

Klärwerk Mühlhausen vermessen

Neben den Kerngeschäften der nichtmilitärischen Drohnenindustrie – dem Vermessen von Brücken oder der Erstellung von Luftaufnahmen zu Werbezwecken – interessieren den Diplomkaufmann, der neben der Geschäftsleitung seiner Firma am Marienplatz als Unternehmensberater im IT-Bereich arbeitet, vor allem unkonventionelle Anwendungsgebiete als lukrativer Markt. „Mit hochauflösenden Spezialkameras kann ich bis auf zwei Zentimeter maßstabsgetreue Landschaftsaufnahmen und sogar 3-D-Modelle anfertigen, die zum Beispiel für die Planung von Bauprojekten nützlich sein können“, sagt Jahn.

Und das aus etwa 100 Meter Höhe deutlich schneller, als es klassische Vermessungstechniken mit Gerätschaften auf dem Boden vermögen. Für die komplette Anlage des Klärwerks Mühlhausens etwa, das sich über 1,5 Kilometer erstreckt, hat Jahn gerade mal zwei Tage gebraucht. So stellt er sich vor, auch die Baugrube von Stuttgart 21 haarklein unter die Lupe zu nehmen.

Doch Jahns Visionen gehen noch weiter. „Es gibt Techniken, mit denen man in der Agrarwirtschaft das Pflanzenwachstum überwachen kann“, sagt er. Er fertigt bereits jetzt Landschaftsaufnahmen für weiterentwickelte Versionen von Google Maps an, die er dem Internetgiganten in naher Zukunft anbieten will. Jahn hofft, dass der Konzern aus den USA offenere Ohren für seine Visionen hat als die Deutsche Bahn.

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