Die Auffahrt auf die Autobahn bei Plieningen muss umgebaut werden. Grund sind eine neue Straße und die Bahntrasse. Foto: Thomas Krämer

Laut Experten belasten aktuell Tausende Fahrzeuge am Tag den Osten von Stuttgart-Plieningen auf ihrem Weg zur Autobahn. Sobald die Südumfahrung fertig ist, soll sich dies drastisch verändern. Wir geben einen Überblick dazu, was ansteht

Plieningen - Zwischen der Autobahn und Plieningen wird sich in den nächsten Jahren einiges ändern. Das Land Baden-Württemberg lässt eine Umfahrung für Plieningen bauen. Es handelt sich dabei nur um ein kleines Stück Straße, allerdings mit mutmaßlich großer Wirkung für die Menschen, die im Osten Plieningens leben. Alles steht in den Startlöchern. Wir geben einen Überblick, was genau geplant ist und wann es losgehen könnte.

Warum ist die Umfahrung nötig?

Viele, die von Ostfildern zur A 8 möchten, wählen bisher den Weg über eine Straße in Plieningen. Zu den bevorzugten Pendlerstrecken gehören die Scharnhauser Straße und die äußere Neuhauser Straße. Der Verkehr zur A 8 streift also Plieningen im Osten – und zwar massiv. Experten gehen von 20 000 Fahrzeugen am Tag aus. Sie sollen mit der neuen Straße aus dem Stadtbezirk Plieningen verbannt werden. Für die Umfahrung haben vor allem Anwohner des äußeren Zipfels der Neuhauser Straße seit Jahren gekämpft, immer wieder wurden sie allerdings vertröstet.

Wie wird die Straße verlaufen?

Bei der neuen Umfahrung im Süden Plieningens handelt es sich laut dem leitenden Planer beim Regierungspräsidium, Jürgen Holzwarth, um einen Lückenschluss. Wenn man auf die Karte schaue, steche sofort ins Auge, dass eben jene anderthalb Kilometer Straße entlang der A 8 noch fehlen. Die neue Straße wird am heutigen Abzweig der Landesstraße 1204 in die äußere Neuhauser Straße beginnen und am Autobahn-Knotenpunkt in die Landesstraße 1192 münden.

Die dann mehr oder weniger gerade Verbindung zwischen Esslingen und Echterdingen wird vom Regierungspräsidium allerdings nicht als Durchfahrtsstrecke eingestuft, sondern als „Verteilerschiene für die Autobahn“, wie Holzwarth erklärt. „Sie ist der schnelle Weg zur Autobahn.“ Übrigens: Wegen der neuen Bahntrasse, die direkt an der A 8 entlangführen soll, muss die heutige Landesstraße 1204 ein Stück in Richtung Norden verlegt werden.

Was ändert sich abgesehen von der neuen Straße für Plieningen?

Damit Pendler, die zwischen Ostfildern und der Autobahn unterwegs sind, Plieningen wirklich links liegen lassen, sind zwei flankierende Maßnahmen geplant: Zum einen soll der äußere Zipfel der Neuhauser Straße zwischen der Landesstraße 1204 und der Mittleren Filderstraße gesperrt und sogar zu einem Feldweg umgebaut werden. Zudem ist geplant, den Autoverkehr von der Scharnhauser Straßezwischen dem Ortsschild und dem Abzweig nach Kemnat zu verbannen. Die Idee ist, dass dort künftig nur noch Busse, Radler und Fußgänger unterwegs sind.

Was ändert sich an der A 8-Auffahrt?

Die Anschlussstelle Plieningen zur Autobahn muss umgebaut werden. Das ist aus zwei Gründen nötig: Zum einen wegen des neuen Straßenstücks, das über Brücken über den Autobahnzubringer führen wird. Zum anderen aber auch wegen der Bahntrasse, die dort künftig zwischen Autobahn und Landesstraße verlaufen wird. Autofahrer werden in Zukunft durch einen sogenannten Trog auf die Autobahn gelangen, wie Holzwarth erklärt. Für die neue Straße und die Bahntrasse braucht es Brücken.

Mit welchen Behinderungen ist beim Bau zu rechnen?

Zunächst wird nach Auskunft der Bahn das Straßenstück zwischen Neuhauser Straße und Knotenpunkt gebaut, dies bringt keinerlei Beeinträchtigungen mit sich. Anderes gilt für den Bau der Brücken und Tröge am Knotenpunkt bei der A 8. Doch auch hier werden sich die Behinderungen laut Holzwarth in Grenzen halten. Sperrungen auf der Umfahrung und der Neuhauser Straße gebe es wohl nur kurzzeitig, nämlich dann, wenn die neue an die alte Infrastruktur angeschlossen werde.

Wann geht es los?

Laut Holzwarth ist der Baustart für die Straße unklar. „Es hieß, 2025 fahren die Züge.“ Aktuell liegt der Planfeststellungsbeschluss beim Bundesverwaltungsgericht. Der Hintergrund: Nach Klagen hatten die Richter des Verwaltungsgerichtshof das Projekt gestoppt. Der Bauträger habe nicht detailliert aufzeigt, warum sich die Südumfahrung lohnt. Dies sei nun ausführlich geschehen, so Holzwarth. „Das ist eigentlich völlig atypisch für so ein kleines Projekt.“ Der bittere Beigeschmack für die Stuttgart-21-Planer: Die angemahnten Argumentationslücken für die Südumfahrung haben das Bahnprojekt gebremst, obwohl die Richter daran nichts auszusetzen hatten. Doch die zwei Projekte sind eng verwoben. Diese Verquickung war auch der Grund, weshalb die Plieninger so lang auf die Umfahrung warten mussten. „Wir wollten den Lückenschluss schon viel früher bauen“, sagt Holzwarth. Man habe die komplizierte Planung aber nur gemeinsam mit der Bahn machen können.

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