Die Polizei hat am Samstag versucht, per Luftaufnahmen die genaue Teilnehmerzahl bei der Großdemo zu ermitteln. Die Aufnahmen stammen laut Polizei von 14.30 Uhr. Klicken Sie sich durch unsere Bildergalerie. Foto: Polizei Stuttgart

Die Polizei will mit Luftaufnahmen der richtigen Demonstrantenzahl auf die Spur kommen.

Stuttgart - Seit Monaten liegen Welten zwischen den Teilnehmerzahlen, die Polizei und Veranstalter für die Demonstrationen gegen Stuttgart 21 angeben. Die Polizei versucht jetzt, die Diskussion zu beenden. Luftbilder, auf denen nachgezählt wurde, sollen ihre Angaben beweisen.

Es ist allwöchentlich dasselbe. Wird gegen Stuttgart 21 demonstriert, geht es immer auch um Zahlenspiele. Polizei und Veranstalter widersprechen sich bei den Teilnehmerzahlen deutlich. Am vergangenen Samstag etwa versammelten sich laut Aktionsbündnis 39.000 Menschen auf dem Schlossplatz zur Kundgebung, die Polizei schätzte lediglich 15.000 Demonstranten.

Die Polizei will ihre Angaben jetzt beweisen. "Wir haben um 14.30 Uhr, zum Höhepunkt der Kundgebung, vom Hubschrauber aus Luftbilder gemacht", sagt Sprecher Stefan Keilbach. Man habe Ausdrucke der Fotos auf mehrere Meter vergrößert und von diversen Dienststellen unabhängig voneinander die Köpfe zählen lassen. Das Ergebnis sei eindeutig: "Wir sind auf maximal 13.628 Menschen gekommen", sagt Keilbach. Das seien also sogar einige weniger, als man ursprünglich geschätzt habe.

Zum Vergleich WM-Spiele ausgewertet

Zum Vergleich nennt der Polizeisprecher eine andere Zahl. Während der Fußball-WM 2006 war die Stadt davon ausgegangen, dass in den abgezäunten Fanbereich auf dem Schlossplatz 40.000 Besucher passen. Man habe im Zuge der aktuellen Diskussion jetzt auch Luftbilder von den WM-Spielen ausgewertet. "Das hat ergeben, dass damals der Innenbereich mit 20.000 Menschen bereits voll gewesen ist", so Keilbach.

Normalerweise betreibt die Polizei keinen derart großen Aufwand, um die genaue Teilnehmerzahl einer Veranstaltung zu ermitteln. Die ist aus deren Sicht auch nicht entscheidend. Vielmehr geht es um eine Größenordnung, um mögliche Konsequenzen für Sicherheit, Verkehrslage oder Fluchtwege absehen zu können. Deshalb schätzt die Polizei im Normalfall. Dafür wird die Fläche in Planquadrate unterteilt.

Dennoch "haben wir dieses eine Mal großen Aufwand betrieben", sagt Keilbach. Man wolle damit zeigen, dass die eigene Methode funktioniere. Das sei gerechtfertigt, denn seit Monaten werde man mit überzogenen Zahlen konfrontiert. "Nie zuvor ist eine solche Diskussion derart hochgekocht", so der Polizeisprecher. Man stelle die Bilder ins Internet, damit jeder sie herunterladen und nachzählen könne. Auch die Vorgehensweise werde dort erklärt. "Für uns ist dieses Thema damit abgeschlossen", so Keilbach.

Veranstalter zählen selbst

Das dürfte sich jedoch als Illusion erweisen, denn auch die Veranstalter bleiben bei ihren Angaben. "Wir haben zu Beginn des Demozuges im Bereich zwischen dem Alten und dem Neuen Schloss mit 14 Leuten gezählt", sagt Matthias Kästner. Man mache das wie gehabt mit so genannten Schusszählern. Zwei Leute hätten vom Kunstmuseum aus beobachtet, wie viele Menschen nach der Kundgebung gehen. "Wir haben 29.000 Teilnehmer gezählt", sagt Kästner. In Rücksprache mit einem erfahrenen Konzertveranstalter habe man diese Zahl mit dem Faktor 1,35 multipliziert, um alle Kundgebungsteilnehmer einzurechnen. So sei man auf 39.000 gekommen. "Ich habe mir danach noch stundenlang Videoaufnahmen angesehen, die vom Leitner-Steg aus gemacht worden sind", sagt Kästner. Auch dort habe man über 30.000 Menschen gezählt.

Auf eine zu heftige Diskussion will sich aber auch Kästner nicht mehr einlassen. Sein Fazit lautet schlicht: "Es ist beeindruckend, dass nach über einem Jahr immer noch so viele Leute auf die Straße gehen."

Hier geht es zu den Luftaufnahmen der Polizei
 

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