Stuttgart 21 Sprecher Dietrich gerät unter Druck

Von Michael Isenberg 

Dicke Luft zwischen Verkehrsminister Winfried Hermann   (links) und Wolfgang Dietrich: Der Grünen-Politiker würde den S-21-Projektsprecher am liebsten ablösen. Foto: Leif Piechowski
Dicke Luft zwischen Verkehrsminister Winfried Hermann (links) und Wolfgang Dietrich: Der Grünen-Politiker würde den S-21-Projektsprecher am liebsten ablösen. Foto: Leif Piechowski

Angeblich wünscht Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) seine Ablösung.

Stuttgart - Der Mann sprach Rüdiger Grube bei einem öffentlichen Termin des Bahn-Chefs an. Er habe neue Ideen für das Stuttgart-21-Kommunikationsbüro, außerdem wolle er den Job des bisherigen S-21-Sprechers Wolfgang Dietrich übernehmen, erklärte der Bewerber. Seitdem hat Grube, den seit Jahren ein vertrautes, freundschaftliches Verhältnis mit Dietrich verbindet, ein Problem mehr.

Mit einer kategorischen Absage hätte Gru­be die Personaldiskussion im Ansatz ersticken können. Doch zu der Zeit, als der Bewerber auftauchte, war sich Dietrich selbst noch unsicher, wie lange er den aufreibenden Job noch macht. Der Bewerber kam in die Warteschleife, durfte sich aber immerhin auf Vorstandsebene präsentieren.

Auf Anfrage unserer Zeitung sagt der Bewerber: „Kein Kommentar.“ Indirekt bestätigt der Medienexperte den Sachverhalt aber. Sein Interesse an einem neuen Arbeitsplatz ist legitim. Trotzdem wird daraus ein Politikum. Die Grünen in der Landesregierung machen nämlich kein Hehl mehr daraus, dass sie mit der Person Dietrich ein Problem haben – während der Koalitionspartner SPD im Schulterschluss mit Stuttgarter CDU-Politikern sowie der Bahn zu Dietrich steht.

Setzt sich Hermann durch?

Nachdem S 21 in der Volksabstimmung im November 2011 bestätigt worden ist, habe das Kommunikationsbüro „aus Sicht des Landes eine neue Aufgabe“, sagt Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) unserer Zeitung. „Es geht nicht mehr darum, in der Auseinandersetzung einseitig Position zu beziehen, sondern für möglichst viel Transparenz, Information und kritische Begleitung im Interesse der Bürger zu sorgen.“ Die Kritik an Dietrich ist unüberhörbar.

„Der Minister wünscht eine andere Lösung an der Spitze des S-21-Büros, das weiß ich von ihm aus erster Hand“, bestätigt ein einflussreicher Landespolitiker. Noch ist unklar, ob sich Hermann durchsetzt. Im Augenblick sieht es nämlich so aus, als gehe der jetzige S-21-Sprecher als Sieger vom Platz. „Herr Dietrich war, ist und bleibt Sprecher des Bahnprojekts Stuttgart–Ulm“, erfährt man am Donnerstag aus der Führungsspitze der Deutschen Bahn AG. „Ich werde die Aufgabe als Sprecher selbstverständlich weiter ausüben“, bekräftigt Dietrich. Über die Bewerbung sei er informiert, mehr nicht.

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