Stuttgart 21 Schwertransport erreicht die Baustelle

Von Michael Isenberg 

Etwa 120 Demonstranten haben in der Nacht zum Freitag den Schwertransport der Tunnelbohrmaschine am Fasanenhof erwartet. Die Polizei räumte das Gelände. Gegen 2.45 Uhr traf die Maschine auf den Fildern ein.

Etwa 120 Demonstranten haben in der Nacht zum Freitag den Schwertransport der Tunnelbohrmaschine am Fasanenhof erwartet. Die Polizei räumte das Gelände. Gegen 2.45 Uhr traf die Maschine auf den Fildern ein.

Stuttgart - Der Schwertransport der S21-Tunnelbohrmaschine ist planmäßig in der Nacht zum Freitag gegen 2.45 Uhr in Stuttgart-Fasanenhof eingetroffen. Wie die Polizei berichtet, hatten etwa 120 Demonstranten den Schwertransport auf den Fildern erwartet. 88 Personen blockierten zunächst die Zufahrt, indem sie sich auf die Straße setzten. Doch ein Großteil der Demonstranten ließ sich ohne großen Widerstand von der Fahrbahn führen. Die Polizei erteilte elf Personen einen Platzverweis, einer der Demonstranten wurde in Gewahrsam genommen, weil er gegen den erteilten Platzverweis verstoßen hatte.

Am Donnerstagabend um 19 Uhr hatte sich der Koloss im Hafen in Bewegung gesetzt. 40 Meter lang war die Fuhre, 40 Achsen hat der Auflieger, auf dem das 170 Tonnen schwere Hauptlager der Tunnelbohrmaschine ruhte. Mehrere Stunden hatte die Polizei für den Schwerlasttransport von Hedelfingen auf die Fildern zur S-21-Tunnelbaustelle am Fasanenhof eingeplant. Trotzdem war die erste Minute, als der Konvoi die Otto-Hirsch-Brücke querte, wohl die kritischste Phase des Transports.

Als der Konvoi mit seinen zahlreichen Polizei- und Begleitfahrzeugen in Sichtweite kam, setzte ein schrilles Pfeifkonzert ein. 200 Demonstranten hatten sich an den Absperrgittern der Polizei versammelt. Als der Schwerlastzug um 19.05 Uhr auf derselben Höhe angekommen war, versuchten 20 Störer an drei Punkten die Gitter zu überwinden. Es kam kurz zu Rangeleien mit der Polizei. Ein 58-jähriger Mann schaffte es, die Sperre zu durchbrechen. Er wurde von den Beamten für kurze Zeit festgenommen.

Zwei Dutzend Journalisten, Fotografen, Kameramänner und Tontechniker waren für die Presse vor Ort. Das ist für Christoph Houtman, einen Pressesprecher der S-21-kritischen Parkschützer-Initiative, bereits ein Erfolg. „Wir können den Konvoi nicht stoppen, aber wir können als Projektgegner Flagge zeigen“, sagte Houtman. „Jeder Bürger kann sich anhand dieses Monstrums von Bohrmaschine vor Augen führen, welche Risiken der Bau von Stuttgart 21 mit sich bringt.“ Die Initiative wirft der Bahn vor, mit dem Bau des Fildertunnels „Fakten schaffen“ zu wollen. Dabei seien die planerischen Voraussetzungen für den Tunnelbau „nicht im Geringsten erfüllt“ und die Finanzierung von S 21 „völlig unklar“.

„Wir werden uns dem Transport entgegenstellen“, hatten Aktivisten Tags zuvor angekündigt. „Wir wollen der S-21-Mafia zeigen, dass wir ihre mit dem Projekt geplante Stadt- und Naturzerstörung weiterhin mit direkten Widerstandsaktionen beantworten werden“, hieß es in einer offiziellen Erklärung der Parkschützer-Initiative. Doch von diesen kämpferischen Tönen war – ebenso wie von einem martialischen Aufruf im Internet – am Donnerstagabend nicht mehr viel übrig. „Es wäre schön, wenn noch ein paar Leute kommen könnten“, hieß es kurz vor der Aktion im Internet.

Gegen 2.45 Uhr kam der Schwertransport an seinem Ziel an

Die Polizei sicherte den Transport aus dem Neckartal hinauf auf die Fildern mit drei Hundertschaften. Weitere Beamte waren in Reserve. Doch in den ersten Stunden des Großeinsatzes wurden die Uniformierten kaum gebraucht. Um 21.18 Uhr passierte der Konvoi einen Kreisverkehr in der Wohnsiedlung Scharnhauser Park. Zwanzig Minuten brauchte der Transport, um die enge Kurve zu nehmen. Demonstranten waren keine zu sehen; dafür Dutzende schaulustige Anwohner, die das tonnenschwere Spektakel mit ihren Smartphones dokumentierten.

Die Polizei war zunächst skeptisch, ob der Konvoi auch die zweite Hälfte des Weges ungestört fortsetzen kann. Doch es ging zügig vorwärts. Vor der Zufahrt zur Baustelle war eine Demonstration angemeldet. Etwa 120 S-21-Gegner sammelten sich am Ende des Industriegebiets Fasanenhof – die Polizei stellte bis 23.20 Uhr rundum Absperrgitter auf. Drei Polizeiketten riegelten die Zufahrten ab. Um 23.36 Uhr kündigte die Polizei erstmals an, den Weg zu räumen. Da war der Konvoi schon in Plieningen auf der Autobahn, wenige Kilometer Luftlinie entfernt. Nach Mitternacht kam es zum großen Finale.

88 Gegner setzten sich auf die Straße. „Der Tunnelbohrer und Stuttgart 21 sind eine Lebensgefahr für die ganze Stadt“, hieß es. Um 0.15 Uhr las die Polizei eine Verfügung der Stadt vor, dass die Versammlung aufgelöst sei. Um 0.31 Uhr begann die Räumung, die gegen 1 Uhr beendet war.

Gegen 2.45 Uhr war der Schwertransport schließlich an seinem Ziel angekommen.

Insgesamt war die Polizei mit dem Einsatz zufrieden. Auf der Strecke habe es keine Blockaden gegeben - lediglich am Start und am Ziel.

An der Baustelle setzt der 9,5 Kilometer lange Fildertunnel an, der die ICE-Neubaustrecke Stuttgart-Ulm und den künftigen Fernbahnhof beim Flughafen mit dem bereits im Bau befindlichen Tiefbahnhof im Stuttgarter Talkessel verbindet. Mitte 2014 soll der Bau der zwei parallelen Röhren des Fildertunnels beginnen. Bis dahin muss die 120 Meter lange und 2000 Tonnen schwere Maschine der Firma Herrenknecht vom Typ S-738 zusammengesetzt sein.

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