Noch in diesem Jahr soll mit dem Ausbau des Vaihinger Bahnhofs zum Regionalbahnhalt begonnen werden. Foto: Alexandra Kratz

Die Diskussion darüber, ob im Zuge von S 21 ein Zwangsumstieg in Vaihingen notwendig ist, hat den Bahnhof auf den Fildern wieder in den Fokus gerückt. Doch wie weit sind eigentlich die Planungen für den Ausbau zum Regionalbahnhalt?

Vaihingen - Vergleichsweise spontan hat der Landtagsabgeordnete und Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) zu einem Vor-Ort-Termin am Vaihinger Bahnhof eingeladen. Trotz Kälte und einer für Berufstätige ungünstigen Uhrzeit kamen am Montagnachmittag um die 60 Personen. Darunter waren freilich etliche eingefleischte Stuttgart-21-Gegner, denen es weniger um die konkrete Situation auf den Fildern, sondern viel mehr um das ungeliebte Milliardenprojekt insgesamt ging. Große Proteststürme blieben aber aus, wohl auch weil der Ausbau des Vaihinger Bahnhofs zum Regionalbahnhalt überwiegend positiv gesehen wird.

Wie kam es zum Regionalbahnhalt?

Jahrelang hatte das Bündnis Filderbahnhof für einen Regionalbahnhalt in Vaihingen gekämpft. Doch jahrelang schien dieses Ziel wegen der politischen Mehrheiten unerreichbar. Denn ursprünglich war man in den S-21-Planungen davon ausgegangenen, dass man die Panoramastrecke, also den Abschnitt der Gäubahn von Vaihingen über Heslach zum Hauptbahnhof, nach Fertigstellung des Großprojekts nicht mehr braucht. Die Gäubahn sollte direkt an den Flughafen angeschlossen werden. Die Züge sollten durch den neuen Tunnel fahren. Ein Regionalbahnhalt in Vaihingen würde diese S-21-Pläne konterkarieren, so die Befürchtung.

Doch dann zeichnete sich ab, dass der neue Stuttgarter Hauptbahnhof deutlich früher fertig sein wird als der neue Bahnhof am Flughafen. Das bedeutet, dass Reisende aus Richtung Singen und Freudenstadt den neuen Hauptbahnhof über mehrere Jahre nicht mehr direkt erreichen können. Denn sechs Monate vor Inbetriebnahme von S 21 müssen die Gäubahngleise in der City gekappt werden, um die S-Bahn im Talkessel an die neue S-21-Infrastruktur anzupassen. So sieht es zumindest die Deutsche Bahn AG und brachte darum als Zwischenlösung den vorübergehenden Erhalt der Gäubahnstrecke und einen provisorischen Halt in Vaihingen ins Spiel. Dort sollen die Fahrgäste an einem neuen Bahnsteig auf die S-Bahn in Richtung City umsteigen. Zu rechnen ist mit mindestens 8000 Menschen täglich, in der Mehrzahl wohl Pendler, und zwar für mehrere Jahre.

Daraufhin entschied das Land Baden-Württemberg, dass wenn in Vaihingen sowieso ein provisorischer Halt für Fernzüge gebaut werden muss, der viel geforderte Regionalbahnhalt realisiert werden sollte – nicht als Provisorium, sondern als Dauerlösung, um das ÖPNV-Angebot in und um Stuttgart zu verbessern.

Was genau ist geplant?

Der sogenannte Hausbahnsteig am Gleis 1 soll um etwa 30 Meter in Richtung Böblingen verlängert werden. Da diese Verlängerung für den Fernverkehr ist und damit nur übergangsweise gebraucht wird, entsteht voraussichtlich nur ein Provisorium. Zum anderen soll im Bereich des Gleises 5 ein für Regional- und Fernverkehrszüge aus Richtung Böblingen nutzbarer Mittelbahnsteig gebaut werden. Dieser hat in jedem Fall eine 210 Meter lange Bahnsteigkante hin zu Gleis 4. Außerdem gibt es die Option, zusätzlich eine 160 Meter lange Bahnsteigkante hin zu Gleis 6 zu bauen. Der neue Bahnsteig wird durch einen Aufzug barrierefrei erreichbar und an die bestehende südliche Fußgängerunterführung angeschlossen.

Wie ist der Zeitplan?

Im Januar 2017 haben die Deutsche Bahn, das Verkehrsministerium und die Stadt Stuttgart die Vaihinger zu einer Infoveranstaltung eingeladen. Damals war vorgesehen, dass der Ausbau des Vaihinger Bahnhofs 2019 beginnen könnte. Ende 2020 hätten dann die ersten Regionalzüge dort halten können. Doch daraus wurde nichts. Denn auf die Ausschreibung des Projekts habe sich keine Firma gemeldet, sagte Hermann bei dem Termin am Montag. Er nannte 2021 als neuen Termin für die Fertigstellung des Regionalbahnhalts.

Was kostet der Umbau des Bahnhofs?

Die Deutsche Bahn plant das Projekt. Zuletzt nannten die Projektpartner Kosten in Höhe von 7,25 Millionen Euro. Darin enthalten sind die provisorische Verlängerung des Bahnsteigs 1 und der komplette Bahnsteig zwischen den Gleisen 4 und 6. Finanziert wird das Projekt zu 100 Prozent vom Land.

Was bringt er den Vaihingern?

Bei dem Vor-Ort-Termin am Montagnachmittag hatten die Bürger viele Fragen. Manche stellten freilich die Sinnhaftigkeit von Stuttgart 21 insgesamt in Frage. Auch die aktuelle Diskussion darüber, ob die Kappung der Gäubahngleise in der Stuttgarter Innenstadt überhaupt notwendig ist, wurde aufgegriffen. Für die Menschen vor Ort war aber vor allem interessant, wie ihr Bahnhof und die Gegend drumherum künftig aussehen werden. „Wann ist Vaihingen 21 fertig?“, fragte ein Bürger. Hermann antwortete: „Das Bahnhofsumfeld muss aufgewertet werden.“ Das Land stelle Fördermittel für den Bau zusätzlicher Fahrradabstellplätze zur Verfügung. Ansonsten seien städtebauliche Verbesserungen aber Aufgabe der Stadt.

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