Der BUND will gegen die erhöhte Grundwasserentnahme im Schlossgarten für den Tiefbahnhof nicht klagen Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

An diesem Montag trifft sich der Lenkungskreis für das Bahnprojekt Stuttgart 21. OB Fritz Kuhn (Grüne) hat eine Initiative für politische Gespräche angekündigt. Er will die festgefahrenen Fronten um den Bahnanschluss des Flughafens aufweichen. Bahn und Land haben ihre Positionen am Wochenende allerdings zementiert.

Stuttgart - An diesem Montag trifft sich der Lenkungskreis für das Bahnprojekt Stuttgart 21. OB Fritz Kuhn (Grüne) hat eine Initiative für politische Gespräche angekündigt. Er will die festgefahrenen Fronten um den Bahnanschluss des Flughafens aufweichen. Bahn und Land haben ihre Positionen am Wochenende allerdings zementiert.

Am Flughafen sollen die Gäubahnzüge aus Richtung Singen in den heutigen S-Bahn-Halt einfahren und zum Airport auch deren Gleise nutzen. Der Mischverkehr würde Schnell- und Fernbahn aus dem Takt werfen, sagt ein Gutachter der Technischen Universität Dresden. Gefertigt wurde die Arbeit im Auftrag von Leinfelden-Echterdingen.

Ein verbesserter Anschluss wäre möglich, wenn der S-Bahn-Halt bleibt und die Gäubahnzüge in den auch vorgesehenen neuen Fernbahnhof am Airport fahren. Doch davon ist weder auf Bahn- noch auf Landesseite die Rede, denn Mehrkosten von laut Bahn 224 Millionen Euro will keiner tragen.

Die von Kuhn beabsichtigten politischen Gespräche seien in der Regierung „kein Thema“, sagte Arne Braun, der stellvertretende Sprecher der Landesregierung, unserer Zeitung kurz vor der Lenkungskreissitzung. Und weiter: „Es gibt keine Kursänderung, so ist das mit dem Koalitionspartner abgesprochen.“ Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) zeigt an dem 716 Millionen Euro teuren S-21-Detail offenbar kein Interesse mehr. Der Flughafenanschluss sei beim jüngsten Treffen mit Bahn-Chef Rüdiger Grube nicht besprochen worden, so Braun: „Das stand nicht auf der Tagesordnung.“

Bei der Bahn heißt es, Grube habe „mehrfach versucht, bei Herrn Kretschmann etwas zu bewegen“. Nun wolle man das neue Gutachten der TU Dresden abwarten. Je nach Testat müsse die Bahn dann entscheiden, ob sie bei ihrer Antragstrasse bleibe. Eine erneute Untersuchung ist nötig geworden, weil die Bahn den Experten falsche Fahrplandaten geliefert hatte. Das war erst bei der öffentlichen Erörterung der Pläne vor zwei Wochen bekannt geworden.

Freie Bahn hat der Schienenkonzern im Schlossgarten. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) hat am Samstag auf der Klausursitzung des Landesvorstands entschieden, nicht gegen die erweiterte Grundwasserentnahme für den Tiefbahnhof zu klagen. Der BUND hatte erwogen, eine neue Umweltverträglichkeitsprüfung einzuklagen. Selbst wenn man die neue Prüfung durchsetzen könne, „werden wir vermutlich nicht mehr für den Natur- und Umweltschutz erreichen, weil die Genehmigungsbehörde Eisenbahn-Bundesamt wohl keine erweiterten Auflagen erlassen wird“. Das sagt Sylvia Pilarsky-Grosch, die BUND-Landesgeschäftsführerin. Zwei Stunden lang habe der 18-köpfige Vorstand über S 21 diskutiert und dann nicht einstimmig entschieden. „Es ist uns nicht leichtgefallen“, sagt Pilarsky-Grosch, aber man werde keine Klage erheben. Kosten hätten bei der Entscheidung keine Rolle gespielt.

Beim Thema Grundwasser bleiben BUND und die Gruppe Ingenieure 22 dennoch am Ball. Den Rücklauf des Wassers durch verrostete Eisenrohre ins Erdreich wollen sie stoppen. Sie fordern den Tausch der Rohre. Neue Untersuchungen zur Wasserqualität sind noch nicht abgeschlossen.

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