Über die Straße Am Schlossgarten läuft die Zufahrt zur Stuttgart-21-Baustelle. Privatfahrzeuge dürfen dort deshalb nicht mehr hineinfahren und parken Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

In der Straße Am Schlossgarten darf wegen der Baustelle für das Bahnprojekt Stuttgart 21 seit vergangenem Jahr nicht mehr geparkt werden. Manche Autofahrer interessiert das nicht. Einer setzt sich sogar heftig gegen die Regelung zur Wehr.

Stuttgart - Die Straße Am Schlossgarten ist seit 2012 für den Autoverkehr Geschichte. Allerdings nicht so richtig. Zwar ist die frühere Strecke südlich entlang des Hauptbahnhofs schon seit damals wegen der Bauarbeiten fürs Bahnprojekt Stuttgart 21 gesperrt, doch bis zum vergangenen Sommer konnte man von der Cannstatter Straße her noch ein Stück weit hineinfahren und parken. Doch dann hat die Stadt ein Halte- und Durchfahrtsverbot erlassen.

Sehr zum Ärger mancher Autofahrer. Denn die wollen die zentral gelegene Parkmöglichkeit nicht so ohne Weiteres aufgeben. Zumal es direkt an der Kreuzung keine Schranke gibt, sondern nur ein Schild. „Im vergangenen Jahr, als wir die Regelung getroffen haben, hat die Verkehrsüberwachung dort 183 Parkverstöße festgestellt“, sagt Peter Koch vom Ordnungsamt.

Einige Betroffene ärgert das maßlos. Zum Beispiel einen Autofahrer, der dort nach wie vor sein Fahrzeug abstellt und sowohl im November als auch im Januar einen saftigen Strafzettel dafür bekommen hat. Er spricht von „Autofahrerabzocke“.

Die Begründung der Stadt ihm gegenüber, der massive Baustellenverkehr in der Straße lasse keine andere Regelung zu, will er nicht gelten lassen: „Selbst bei extrem wohlwollender Betrachtung kann ich das nicht nachvollziehen.“ Unter „massivem Baustellenverkehr“ verstehe er etwas völlig anderes, etwa Lastwagen im Minutentakt. Stattdessen stelle er besonders abends und am Wochenende dort wenig bis gar keine Aktivitäten fest. Seine Folgerung: „Anstatt ein Verbot rund um die Uhr auszusprechen, müsste die Stadt es den tatsächlichen Begebenheiten anpassen und begrenzen.“ Dies liege seiner Meinung nach im „öffentlichen Interesse“.

Zweifel am „massiven Baustellenverkehr“

Um diese Auffassung der Stadt gegenüber zu bekräftigen, hat der Autofahrer mehrere Videos gedreht und ins Internet gestellt. Damit will er dokumentieren, wie wenig sich auf der Zufahrt außerhalb der Hauptarbeitszeiten tut. Eines stammt von Ende Februar und zeigt die Stelle eine halbe Stunde lang am Abend. Das andere ist im April entstanden und hält den Verkehr am Spätnachmittag fest. Sein Fazit: „Weder gibt es massiven Baustellenverkehr, noch wäre eine Gefährdung von aussteigenden Autofahrern durch Lkw vorhanden.“

Bei der Stadt weist man diesen Eindruck zurück. „Das war früher eine wichtige Achse. Aber in der Planfeststellung für Stuttgart 21 ist geregelt, dass die Straße wegfällt. Zur Durchfahrt ist ja schon länger keine Möglichkeit mehr gegeben“, sagt Koch. Dass man dort jetzt auch nicht mehr parken dürfe, sei „absolut sinnvoll“. An dieser Stelle komme man auf das Baustraßensystem der Bahn. „Dort herrscht Tag und Nacht Betrieb. Wenn die Betonlaster anrücken, ist richtig was los.“ Weil es bei der Einfahrt zum Park ein Stück weiter hinten Zugangskontrollen gibt, brauche man auch davor Abstellflächen für wartende Lastwagen. Nur die Zufahrt zum Café Nil und zu den Anlagen der Wilhelmagärtner sei noch frei. Außerdem gehe es um Haftungsgründe: „Dort darf niemand zu Schaden kommen, weder Menschen noch Autos“, sagt Koch, „wenn wir dort freies Parken hätten, gäbe es ein massives Problem.“

Aktionen wie die Videos und absichtliche Verstöße gegen das Verbot kommen bei der Stadt nicht gut an: „Die Regelung ist eindeutig. Wer in diesem Wissen dort parkt, handelt vorsätzlich“, kritisiert Koch. Immerhin: So langsam scheint bei manchen Autofahrern Einsicht einzukehren. In den vergangenen Monaten ist die Zahl der Verstöße deutlich zurückgegangen.