Er befürwortet Stuttgart 21, lehnt aber die Anbindung des Flughafens in der geplanten Form ab: OB Roland Klenk Foto: Max Kovalenko

Die Stadt Leinfelden-Echterdingen erwägt eine Klage für den Fall, dass der Flughafenanschluss beim Projekt Stuttgart 21 wie von der Bahn geplant gebaut werden sollte. Die umstrittenen Pläne sind im Genehmigungsverfahren.

Stuttgart - Die Stadt Leinfelden-Echterdingen erwägt eine Klage für den Fall, dass der Flughafenanschluss beim Projekt Stuttgart 21 wie von der Bahn geplant gebaut werden sollte. Die umstrittenen Pläne sind im Genehmigungsverfahren.

Die Kommune befürchtet erhebliche Nachteile für den S-Bahn-Verkehr und damit den direkten Bahnanschluss ihrer Stadtteile. Die Linien S  2 und S 3 zum Flughafen müssten sich bei Stuttgart 21 den Fern- und Regionalzügen aus Singen unterordnen, der S-Bahn-Takt könnte im Extremfall langfristig ausgedünnt werden.

„Ich will nicht ausschließen, dass wir gegen die Antragstrasse der Bahn Klage erheben werden, wenn sie genehmigt werden sollte. Wir müssen unsere Interessen vertreten“, sagte Leinfelden-Echterdingens OB Roland Klenk (CDU) am Montag auf Anfrage. Die Stadt befürwortet Stuttgart 21zwar grundsätzlich. Zwei Gutachten der Technischen Uni Dresden in ihrem Auftrag weisen aber nach, dass es zu Konflikten kommt, wenn die schnellen Fernzüge zwischen den S-Bahnen fahren sollen. Das lasse Reserven schrumpfen und Verspätungen entstehen, die sich ins Netz übertrügen, hieß es in der ersten Expertise. Der Gutachter empfiehlt die Infrastruktur nicht. Die Bahn nennt die Pläne „wirtschaftlich optimal“.

Klenk appelliert an die Bahn, an Land, Stadt und Region Stuttgart, sich beim Spitzengespräch an diesem Freitag anderen Lösungen zuzuwenden. „Bevor eine untaugliche Infrastruktur gebaut wird, die über Jahrzehnte bestand hätte, sollten sich die Projektpartner Alternativen überlegen“, fordert Klenk eine Entscheidung.

Über zwei Alternativen wollen Bahn-Infrastrukturvorstand Volker Kefer, Regionalpräsident Thomas Bopp (CDU), Landesverkehrsminister Winfried Hermann und Stuttgarts OB Fritz Kuhn (beide Grüne) am Freitag ab 12 Uhr im Berliner Bahn-Tower sprechen: Erstens über den laut Bahn mindestens 228 Millionen Euro teuren „Filderbahnhof plus“, bei dem der Fernverkehr aus der Gäubahn am Flughafen in den dort neuen Fernbahnhof gelenkt würde. Zweitens über ein drittes Gleis am Airport allein für die Gäubahn. Es läge parallel zur heutigen S-Bahn-Station. In beiden Fällen müsste die S-Bahn-Station nicht umgebaut werden. Ob die Änderungen für einen stabilen Betrieb ausreichen würden sie zu prüfen, fordert Klenk: „Wenn es am Freitag eine Einigung auf eine Variante geben sollte, müsste diese vertieft untersucht werden.“

Das neue Gutachten im Auftrag der Stadt ging an den für die S-Bahn zuständigen Regionalverband (VRS) und das Regierungspräsidium (RP). Es leitet das Genehmigungsverfahren. „Uns fehlen zur Bewertung Teile eines Lärmgutachtens der Bahn sowie Teile von deren Betriebssimulation“, sagte ein RP-Sprecher. Auch könne man nicht sagen, ob es eine zweite öffentliche Erörterung der Pläne geben werde. Die erste war im September 2014.

In Leinfelden-Echterdingen soll das neue Gutachten am 24. März im Gemeinderat vorgestellt werden, der VRS bespricht es am 15. April. Einblick fordert auch das Land, und zwar vor Freitag dieser Woche. „Wir sind hoch Interessiert, alle sollten auf dem gleichen Sachstand diskutieren“, so ein Sprecher des Verkehrsministeriums.

Für die S-Bahn sind weitere Gutachten angekündigt. Der Verband werde bald verschiedene Szenarien betrachten lassen, um das System zu optimieren, sagte VRS-Infrastruktur-Direktor Jürgen Wurmthaler. Die Betriebssimulation der S-Bahn solle ohne und mit Stuttgart 21 laufen.

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