So könnte die große Kopfbahnsteighalle künftig aussehen Foto: Visualisierung: Aldinger & Wolf

Die Pläne für den Umbau im Inneren des historischen Bonatzbaus nehmen Gestalt an. Wenn der neue Tiefbahnhof fertig wird, soll das bisherige Bahnhofsgebäude seiner geänderten Funktion angepasst sein. Der Aufwand beläuft sich auf „einen dreistelligen Millionenbetrag“. Die Stadt spielt dabei mit.

Stuttgart - Im Zuge des Bahnprojekts Stuttgart 21 soll das Innere des bisherigen Bahnhofsgebäudes neu geordnet werden und künftig deutlich mehr Hotelzimmer haben. Bisher bringt es das Intercity-Hotel, das von der Steigenberger-Gruppe geführt wird, auf 71 Zimmer und fünf Suiten. Künftig soll es in dem historischen, vom Architekten Paul Bonatz entworfenen Gebäude 150 Hotelzimmer und einige kleinere Kongress- und Tagungsräume geben. Teilnehmer einer nicht-öffentlichen Präsentation der Pläne im Rathaus sagten unserer Zeitung, diese Räume sollen 80 bis 100 Tagungsteilnehmern Platz bieten. Der größte Raum habe eine Grundfläche von 300 Quadratmetern. Die Steigenberger-Gruppe dürfte der erste Anwärter auch auf das vergrößerte Hotel im Bonatzbau sein. Ihr Vorstandschef und der Direktor ihres Hotels Graf Zeppelin haben erst vor einigen Wochen signalisiert, dass sie gern ein weitere Intercity-Hotel in Stuttgart betreiben möchten – neben dem bestehenden IC-Hotel, neben dem Graf Zeppelin und neben dem geplanten Hotel im Wohnhochhaus im Europaviertel.

Arbeiten sollen 2018 beginnen

Noch behandelt die Deutsche Bahn AG das Vorhaben als streng geheim. Ein Sprecher in Stuttgart bestätigte aber, dass man den Aufwand mittlerweile als „dreistelligen Millionenbetrag“ einschätze. Die Arbeiten sollen im Jahr 2018 beginnen und 2021 beendet werden. Das ist abgestimmt auf die erhoffte Fertigstellung des unterirdischen Tiefbahnhofs, die von der Bahn immer noch für Dezember 2021 eingeplant ist, obwohl bei der Schaffung des neuen Bahnknotens Stuttgart im Bereich Flughafen der Zeitplan nicht mehr einzuhalten ist.

Im Moment würden die Pläne mit den Partnern wie der Stadt und dem Denkmalschutz eng abgestimmt, sagte der Bahn-Sprecher. Man wolle das stadtbildprägende Gebäude modernisieren und zu einem grünen Gebäude machen, in dem auch Fotovoltaik und Geothermie, also die Nutzung von Erdwärme, ihren Platz haben. Die Finanzierung des drei Jahre währenden Umbaus sei gesichert.

Platz für Handel

Bei der Stadt Stuttgart rennt die Bahn mit den Plänen, wie sich im nicht-öffentlich tagenden Unterausschuss Stuttgart 21 des Gemeinderats zeigte, im Grundsatz offene Türen ein. Das Thema Fotovoltaik allerdings scheint noch nicht abgehakt zu sein. So eine Anlage auf dem Dach des Bonatzbaus, das von den Hängen des Talkessels einsehbar ist, können sich nicht alle Stadträte vorstellen. Die Frage, wie das Dach verändert werden darf, spielte aber auch aus anderen Gründen eine Rolle. Dabei geht es um den inneren Bereich des Bonatzbaus zwischen dem Arkadenabschnitt an der Schillerstraße und der großen Kopfbahnsteighalle mit dem Nordausgang des Bonatzbaus, wo unter anderem Schließfächer sowie Versorgungs- und Entsorgungseinrichtungen angesiedelt sind. Hier will die Bahn Platz schaffen für Handel und ein großes Intercity-Hotel, indem sie die bisherigen Nutzungen auslagert in ein unterirdisches Servicegebäude zwischen dem Nordausgang und der Schillerstraße.

Neue Aufzüge und Aufwertung des Vorplatzes

Das Dach in diesem Bereich soll angehoben werden dürfen. Mitarbeiter des Stadtplanungsamts beteuerten im Unterausschuss allerdings, das Dach werde für Passanten in der unteren Königstraße hinter dem Arkadenteil des Bonatzbaus nicht zu sehen sein. Der Denkmalschutz – gemeint sind die Untere Denkmalbehörde bei der Stadt Stuttgart und das frühere Landesdenkmalamt im Regierungspräsidium Stuttgart – sei einverstanden, soll Städtebaubürgermeister Matthias Hahn (SPD) im Unterausschuss gesagt haben. Von ihm selbst war dazu bis Mittwochabend keine Stellungnahme zu erhalten.

Teil des Vorhabens sind auch neue Wegebeziehungen für Reisende und Besucher im Bonatzbau. Die Kopfbahnsteighalle sowie die große Schalterhalle werden mit Ab- und Durchgängen mit dem neuen Tiefbahnhof verbunden. Im Bonatzbau wird es neue Aufzüge geben, die eine oder andere Rolltreppe wird entfallen. Der Bahnhofsvorplatz an der Schillerstraße soll aufgewertet werden.

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