Bahn-Chef Rüdiger Grube sieht in Stuttgart 21 den "modernsten Bahnhof der Welt". Foto: dpa

Bahn-Chef Rüdiger Grube steht wegen Drohungen rund um die Uhr unter Polizeischutz.

Stuttgart - Trotz des umstrittenen Polizeieinsatzes gegen Stuttgart-21-Gegner am vergangenen Donnerstag und der Großdemonstration von Zehntausenden Menschen gegen das Milliardenprojekt am Freitag hat die Bahn am Wochenende ihren Willen bekräftigt, den Bahnhof unter die Erde zu verlegen. "Ich bin sicher, dass der Bahnhof kommt", sagte Bahn-Chef Rüdiger Grube. Zuvor hatte bereits Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) in der Koalitionsrunde von CDU und FDP seinen Willen erneuert, das Projekt zu verwirklichen. Innenminister Heribert Rech dementierte zugleich Gerüchte, er denke wegen der Kritik an den Polizeieinsätzen über einen Rücktritt nach.

Doch die Projektbefürworter werden zunehmend angefeindet. Nach Recherchen unserer Zeitung steht Bahn-Chef Grube seit kurzem rund um die Uhr unter Polizeischutz, da es Morddrohungen gegen ihn gegeben hat. Die Polizei in Berlin sowie das Landeskriminalamt in Stuttgart sind eingeschaltet. Der Hauptsitz der Bahn in Berlin wird genauso bewacht wie Grubes Wohnhaus in Gechingen (Kreis Calw).

Dort hatten Unbekannte zuletzt mit Kameras die Familie beobachtet und Szenen ins Internet gestellt. Die Ehefrau sowie die beiden Kinder Grubes wurden von der Polizei zeitweise an einen geheim gehaltenen Ort gebracht. Darüber hinaus soll Grube mehrfach Drohbriefe erhalten haben, unter anderem mit einem weißen Pulver, das an die Milzbrand-Erreger erinnert, wie sie bei Anschlägen in den USA verwendet wurden. Untersuchungen ergaben, dass es sich in diesem Fall um ein harmloses Pulver gehandelt hat. Bahnkreise bestätigten am Sonntag die Bedrohung Grubes, ein Sprecher wollte sich dazu aber nicht äußern. Auch Mitglieder der Landesregierung erhalten seit Tagen wiederholt Drohbriefe.

FDP-Landeschefin Birgit Homburger hat derweil ein neues Gespräch zwischen Befürwortern und Gegnern von Stuttgart 21 gefordert. "Ich schlage vor, dass es ein Mediationsverfahren gibt und man einen professionellen Streitschlichter sucht, der die Gespräche zum Laufen bringt", sagte sie im Interview mit unserer Zeitung.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: