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Unmittelbar vor der Volksabstimmung meldet die Lokführergewerkschaft Bedenken an.

Stuttgart/Frankfurt - Unmittelbar vor der Abstimmung zu Stuttgart 21 hat die Lokführergewerkschaft GDL Sicherheitsbedenken gegen den Betrieb des neuen Bahnhofs angemeldet. Man prüfe eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof, weil die Lokführer einem wesentlich höheren Haftungsrisiko ausgesetzt seien, erklärte die Gewerkschaft am Freitag in Frankfurt.

Höhenunterschied berge Risiko

Anlass sei der geplante Höhenunterschied in dem unterirdischen Durchgangsbahnhof, der zu einer Gleisneigung von 15 Promille führe. Erst im Stresstest für Stuttgart 21 habe sich herausgestellt, dass Züge auch auf bereits von einem anderen Zug belegten Gleisen einfahren müssten, um die angestrebte Kapazität zu erreichen. „Das birgt stets ein gewisses Risiko“, erklärte GDL-Chef Claus Weselsky.

Mit der GDL als zuständigem Berufsverband sei bislang kein abgestimmtes Sicherheitskonzept zur Einfahrt in den neuen geplanten Stuttgarter Tiefbahnhof erarbeitet worden, erklärte Weselsky. „Auch eventuell notwendige zusätzliche technische Ausrüstungen der Züge, die ein außerplanmäßiges Wegrollen der Züge sicher verhindern, sind uns bisher nicht bekannt. Damit wird die Verantwortung alleine auf die Lokomotivführer verlagert, was völlig unzulässig ist.“

Lokführer kritisieren die Bahn

Das vorgesehene Gefälle liege weit oberhalb der 2,5 Promille, die von nationalen und europäischen Vorschriften an Fahrgastbahnsteigen gefordert sei, kritisierte die GDL weiter. Zur Umgehung der Norm werde Stuttgart 21 als Umbau deklariert, vermutete Weselsky. „Der Bahnhof ließe sich wohl auch in den zulässigen Grenzwerten realisieren, allerdings zu wesentlich höheren Kosten.“

Bei der Volksabstimmung soll an diesem Sonntag über einen Ausstieg des Landes Baden-Württemberg aus dem Projekt abgestimmt werden, das an der Finanzierung einen Anteil von 824 Millionen Euro hat.

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