Menschen bilden am Samstag eine Kette um den Stuttgarter Hauptbahnhof. Foto: dpa

Die Hängepartie um Stuttgart 21 geht zu Ende: Kommenden Donnerstag stellt Bahnchef Grube in Stuttgart den neuesten Kostenstand des Milliardenprojekts vor.

Stuttgart - Die Hängepartie um Stuttgart 21 geht zu Ende: Kommenden Donnerstag stellt Bahnchef Rüdiger Grube in Stuttgart den neuesten Kostenstand des Milliardenprojekts vor. Falls Ministerpräsident Günther Oettinger und OB Wolfgang Schuster zustimmen, kann die Bahn nicht mehr aus dem Projekt aussteigen.

Spitzentreffen zu Stuttgart 21 hat es seit der ersten Präsentation 1994 viele gegeben. Mal traf man sich in der Villa Reitzenstein, mal in der Konzernzentrale der Deutschen Bahn, mal im Bundesverkehrsministerium. Nun soll es nach Informationen aus Berliner Politikzirkeln am 10. Dezember in Stuttgart das letzte Spitzengespräch stattfinden. "Wenn alles glatt läuft, ist Stuttgart21 unumkehrbar", heißt es in Berlin.

An dem Treffen am kommenden Donnerstagvormittag werden Ministerpräsident Günther Oettinger, OB Wolfgang Schuster, Regionaldirektorin Jeannette Wopperer, Staatsekretär Enak Ferlemann (alle CDU) aus dem Bundesverkehrsministerium sowie Bahnchef Rüdiger Grube und Bahn-Finanzvorstand Diethelm Sack teilnehmen. Auf die vorbereitende Sitzung der Arbeitsebene hat das höchste Beschlussgremium für Stuttgart 21 verzichtet. Man traut sich Sachverstand genug zu. Bevor Grube nach Stuttgart reist, wird er am 9. Dezember noch seinen Aufsichtsrat informieren. Das Gremium verlangt Klarheit: Was kostet Stuttgart 21?

Die Pressestellen der Landesregierung weisen am gestrigen Donnerstag alle Fragen zu Stuttgart 21 mit einem harschen "kein Kommentar"zurück. Die nichtoffiziellen Informationswege rings um das Milliardenprojekt sind aber nach wie vor passierbar: Was Staatsekretär Ferlemann bereits am Mittwoch dieser Zeitung gesagt hat - dass die Mehrkosten von Stuttgart 21 nicht über der Grenze von 1,45 Milliarden liegen (siehe Hintergrund) - wird anderntags von dritter Seite bestätigt: "Selbst wenn Stuttgart21 mehr kostet als die im Finanzierungsvertrag genannten 3,1 Milliarden Euro gibt es trotzdem Spielraum." Wie es hießt, versucht die Bahn einen Betrag von 3,9 Milliarden Euro (ohne Risiko) zu erreichen.

Falls die genannten Summen zutreffen und der Lenkungskreis am 10. Dezember die Sparvorschläge billigt, die Stuttgart-21-Projektleiter Hany Azer ausgetüftelt hat und die Grube vorstellen wird, ist das Milliardenprojekt unter regulären Bedingungen nicht mehr zu stoppen: Weder Bahn, Land oder Stadt können dann noch aussteigen. Wolfgang Drexler, Sprecher für das Bahnprojekt Stuttgart-Ulm, hat unlängst schon den Februar 2010 als offiziellen Baustart in Aussicht gestellt. Bleibt es beim jetzigen Terminplan, soll der neue Stuttgarter Tiefbahnhof samt Tunnelring und Flughafenbahnhof sowie die ICE-Neubaustrecke Wendlingen-Ulm im Jahr 2019 in Betrieb gehen.

Die Gegner von Stuttgart 21 haben zuletzt gefordert, den Lenkungskreis so lange zu vertagen, bis sämtliche Kostenrisiken geklärt seien, auch bei der ICE-Trasse. Diesem Wunsch sind Bahn und Land nicht nachgekommen. Einen anderen Wunsch hat Grube aber erfüllt: Auf Einladung der Bahn hatten Vertreter der Stuttgart-21-Kritiker am Mittwoch Gelegenheit, Grube ihr Alternativkonzept Kopfbahnhof 21 (K21) im Frankfurter Vorstandsbüro zu erläutern. Dass die Bahn für Stuttgart 21 weitgehend Baurecht hat, ficht die Kritiker nicht an. "Herr Grube hat Fragen zu K21 bis ins Detail gestellt", freut sich am Tag danach Klaus Arnoldi vom Verkehrsclub Deutschland (VCD). "Es war ein nettes, informatives und freundliches Gespräch", lobt Drexler, der bei dem eineinhalbstündigen Treffen dabei war.

Mit K21 lassen sich größere Parkflächen für die Innenstadt gewinnen als mit Stuttgart 21, sagt der Architekt Roland Ostertag am Donnerstag: Sein städtebauliches Alternativkonzept für den Bereich Nordbahnhof/Rosensteinpark lehnt sich eng an die Bahnlinie nach Feuerbach an und ermöglicht eine weitere Öffnung des Talkessels zum Neckar. "Die Entscheidung für Stuttgart 21 ist nicht gefallen", meint Arnoldi. Doch da ist der 10. Dezember 2009 schon im Terminplan von Stuttgart 21 notiert.