Will das Projekt Stuttgart 21 vermitteln: Georg Brunnhuber Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Der neue Botschafter für das Projekt Stuttgart 21 und die Strecke nach Ulm, Georg Brunnhuber, ist am Freitag mit deutlichen Aussagen zum geplanten Flughafenbahnhof erstmals an die Öffentlichkeit getreten.

Stuttgart - Der neue Botschafter für das Projekt Stuttgart 21 und die Strecke nach Ulm, Georg Brunnhuber, ist am Freitag mit deutlichen Aussagen zum geplanten Flughafenbahnhof erstmals an die Öffentlichkeit getreten. Die Projektpartner Bahn, Land, Stadt und Region Stuttgart ringen um eine Variante, die die bestehende S-Bahn-Verbindung zum Airport weniger tangieren soll, als bisher von der Bahn geplant.

Die technisch einfachste und mit geschätzt 80 Millionen Euro günstigste Lösung wäre ein Zusatzgleis für den Halt der Nah- und Fernverkehrszüge aus Singen parallel zu S-Bahn-Station Flughafen. Diese müsste dann nicht aufwendig umgebaut, die Engstelle könnte entschärft werden.

„Der Hauptverantwortliche für eine Lösung am Flughafen ist Bahn-Infrastrukturvorstand Volker Kefer. Wenn es ihm gelänge, im Bahn-Aufsichtsrat darzustellen, dass es für den erhöhten Aufwand am Flughafen anderswo einen Ausgleich gibt, der die Zusatzkosten verkraftbar macht, wird vieles leichter“, sagte Brunnhuber bei einer Pressekonferenz im Bahnhofsturm. Er freue sich, dass die Projektpartner „sich ernsthaft über die Optimierung unterhalten“.

Stadt und Land haben erklärt, keine Zusatzkosten für Stuttgart 21 zu übernehmen. Dazu gibt es einen Kabinettsbeschluss, und der Gemeinderat hat entschieden, Mehrkosten einem Bürgerentscheid zu unterwerfen.

Kefer hatte vor zwei Monaten dargestellt, dass die Bahn beim neuen Abstellbahnhof eine dreistellige Millionensumme einsparen könnte. Mit Geldforderungen kann er sich im Bahn-Aufsichtsrat nicht blicken lassen. Die Kontrolleure hatten 2013 einen Nachschlag von zwei auf 6,5 Milliarden Euro genehmigen müssen, um das Projekt zu retten.

Brunnhuber folgt als S-21-Botschafter auf den Projektsprecher Wolfgang Dietrich, gibt allerdings die Vermittlung der aktuellen Planungs- und Baustände an den Bau-Projektchef Manfred Leger ab. „Herr Leger muss jetzt selbst an die Öffentlichkeit treten, er hat die Kommunikationsverantwortung für den Bau“, so Brunnhuber.

Er selbst agiere als Vorsitzender des Bahnprojekts Stuttgart–Ulm e. V. der Projektpartner, bei dem das Land seine Mitgliedschaft wieder aufnimmt. Er wolle die Vorteile der neuen Infrastruktur darstellen. Mit 230 000 Besuchern der Ausstellung im Bahnhofstrum 2014 stoße das Projekt weiterhin auf großes Interesse. Brunnhuber, der bis 2009 für die CDU im Bundestag und von 2006 bis 2009 Aufsichtsrat der Bahn AG war, hat in den letzten vier Jahren für die Bahn als Cheflobbyist gearbeitet. Für den Verein ist er ehrenamtlich tätig. Weil er im Vorstand einen Sitz für die Bahn einnimmt, wird er von ihr bezahlt. „Ich bin nach wie vor deren Mitarbeiter“, so Brunnhuber. Im Verein werde es aber keine Dominanz des Konzerns mehr geben. Mit Winfried Hermann (Grüne), dem projektkritisch eingestellten Verkehrsminister, verbinde ihn trotz sachlicher Differenzen aus der gemeinsamen Zeit im Bundestag persönliche Freundschaft. „Die Realität des Baus hinterlässt auch beim Minister Spuren“, so Brunnhuber.

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