Von der Baustelle an der A 8 bei Kirchheim/Teck aus werden die beiden Tunnelröhren vorangetrieben. Foto: Deutsche Bahn /Arnim Kilgus

Auf der Alb gehen die Arbeiten ohne größere Probleme voran, ein Vertrag für die große Wendlinger Kurve fehlt aber noch.

Stuttgart - Die Deutsche Bahn steht beim Neubau der 3,7 Milliarden Euro teuren Hochgeschwindigkeitsstrecke von Wendlingen nach Ulm vor dem Abschluss der Arbeiten für den Albvorlandtunnel und damit für das letzte große Tunnelbauwerk. Die beiden jeweils 8,1 Kilometer langen Röhren, die mit zwei Tunnelbohrmaschinen von Kirchheim nach Wendlingen gegraben werden, sollen im Sommer 2019 im Rohbau fertiggestellt sein.

Der Abschnitt gilt als zeitkritisch, eine Verzögerung kann den Fertigstellungstermin für die gesamte, 60 Kilometer lange Strecke, gefährden. Gegenüber den zuletzt kommunizierten Termineinschätzungen würden sich „keine Veränderungen“ ergeben, so ein Sprecher der DB-Projektbau: Die auf 250 Kilometer pro Stunde ausgelegte Strecke soll damit Ende 2022 „kommerziell“ in Betrieb genommen werden. Das wäre mindestens drei Jahre vor der Inbetriebnahme des Infrastrukturprojekts Stuttgart 21. Allerdings müssen im Bahnhof in Ulm dann bis 2025 noch mehrere Umbauten zur Optimierung der Gleiswege vorgenommen werden.

In Stuttgart fehlen noch 14 Kilometer

Während bei Stuttgart 21 noch rund 14 Kilometer Tunnel gegraben werden müssen und am Hauptbahnhof erst drei von insgesamt 28 Dachstützen stehen, müssen im Albvorlandtunnel mit den Bohrmaschinen nur noch 1600 und 1100 Meter bewältigt werden. Die Röhren werden mit Fertigteilen zusammengefügt.

Die Hälfte der Strecke über die Alb führt durch Tunnel. Der Boßlertunnel (auch mit Bohrmaschine) von Aichelberg bis Mühlhausen, der Steinbühltunnel und der Alb­abstiegstunnel sind ausgebrochen, die Innenschalen betoniert, auf der Hochfläche werden streckenweise schon Schienen verlegt. Problematisch und mit Zeitverzug gestaltete sich zuletzt der Bau der Filstalbrücke zwischen Mühlhausen im Täle und Wiesensteig.

Am 3. Mai informiert die Bahn

Am Freitag, 3. Mai, will Bahn-Vorstand Ronald Pofalla die Projektpartner beim Treffen des Lenkungskreises zu Stuttgart 21 und der Strecke auf den neuesten Stand bringen. Ob bis dahin Einigkeit über die Kostenverteilung bei der großen Wendlinger Kurve erzielt werden kann, ist aber fraglich. Diese Verbindung zwischen der Neubaustrecke und den bestehenden Gleisen nach Tübingen soll für eine größere Betriebssicherheit zwei- statt eingleisig werden, die Zusatzkosten waren mit rund 100 Millionen Euro taxiert worden, für die auch die Landkreise Reutlingen, Tübingen und Zollernalb in ihre Kassen greifen sollen.

Die große Wendlinger Kurve ist nicht notwendig, um die Neubaustrecke von Stuttgart aus über das Neckartal zu erreichen. Das geschieht über die neue Güterzuganbindung bei Wendlingen. Der Bau der sogenannten kleinen Wendlinger Kurve (nur ein Gleis) läuft bereits. Ihre Erweiterung gliedert sich in zwei Abschnitte. Der erste soll rechtzeitig vor der Inbetriebnahme der Strecke nach Ulm fertig werden.

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