Die Bauern auf den Fildern fürchten wieder um ihre Ernte Foto: dpa

Die Filder-Bauern sehen sich im Abseits, weil sie für Stuttgart 21 und die notwendigen Umweltmaßnahmen auf Ackerland verzichten sollen.

Stuttgart - Ein von Schnecken zerfressener Krautkopf sagt manchmal mehr aus als Pläne und Schriftsätze. Das hatte Landwirt Martin Krämer wohl im Sinn, als er das Gemüse am vierten Tag der Anhörung zum Flughafenbahnhof den Vertretern der Bahn und des Regierungspräsidiums vorführte. Seine Botschaft: Zu viele Naturschutzauflagen schaden der Landwirtschaft.

Mehrere Landwirte aus Stuttgart-Plieningen und Leinfelden-Echterdingen fanden am Donnerstag dazu deutliche Worte. Er habe durch die Flughafenerweiterung und den Bau der Landesmesse 20 Prozent seiner Bewirtschaftungsfläche verloren, rechnete Krämer vor. Nun sei er zum dritten Mal betroffen, das sei „existenzgefährdend“.

„Es ist eine Sünde ersten Ranges, wie man mit den ertragreichen Böden auf den Fildern umgeht“, sagte Helmut Schumacher, Landwirt und gleichzeitig Stadtrat in Filderstadt. Gemeint war damit nicht nur, dass nach den vielen Infrastrukturbauten auf den Fildern jetzt weiteres Ackerland einer Bahntrasse weichen soll. Um alle Umweltauflagen erfüllen zu können, benötigt die Bahn zudem Flächen etwa für Biotope, die teilweise ebenfalls Landwirte abtreten sollen. Die Folge beschreibt Gemüsebauer Michael Gehrung aus Plieningen: „Von den ganzen Ausgleichsflächen kommt das Ungeziefer, und das schädigt die Ernte.“ Dies würden er und seine Kollegen nicht mehr akzeptieren.

„Landwirte und Naturschützer müssen am selben Strang ziehen“, beschwor daraufhin Steffen Siegel von der Schutzgemeinschaft das Plenum im Saal, nachdem Stefan Marzelli, Bahn-Ingenieur für Landschaftspflege, auf immer strengere Naturschutzauflagen verwiesen hatte. Bahn-Anwalt Josef-Walter Kirchberg bot den Landwirten Gespräche an, auch über eine Flurbereinigung. Ebenso Projektleiter Christophe Jacobi: „Auf mich können Sie zählen.“

Immerhin nehme die bestehende Bebauung – Messe und Autobahn – keinen Schaden durch die Arbeiten, erklärte am Nachmittag der Bodenexperte der Bahn, Professor Walter Wittke. Die Absenkung des Grundwassers um bis zu 23 Meter hat laut Wittke Senkungen des Geländes um höchstens drei Zentimeter zur Folge.

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