Die S-21-Macher mit Bahnchef Richard Lutz (4. v.li.) vor dem Schlussstein des Fildertunnels. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Die beiden Röhren des Tunnels auf die Fildern sind gegraben, bis Ende 2023 läuft der Innenausbau.

Stuttgart - 25 Jahren nach der Projektidee sei mit dem Durchstich des 9,5 Kilometer langen Fildertunnels bei Stuttgart 21 der Endspurt eingeläutet, sagte Bahnchef Richard Lutz am Montag auf der Baustelle beim Gewerbegebiet Fasanenhof-Ost. Die Mineure hätten Millimeterarbeit geleistet, der Tunnel sei ein Mammutwerk und die Strecke Stuttgart-Ulm ein wichtiger Beitrag für die umweltfreundliche Schiene. „Ohne Verkehrsverlagerung sind die Klimaziele nicht erreichbar“, so Lutz.

Das sehen auch Landesverkehrsminister Winfried Hermann und OB Fritz Kuhn (beide Grüne) so. Er sei kein glühender Anhänger von Stuttgart 21, so Hermann. Sein Ziel sei, das Projekt zu verbessern. An einigen Stellen habe man das gemeinsam mit der Bahn geschafft. Bis zum Jahresende soll eine Arbeitsgruppe, in der auch Stadt und Region Stuttgart vertreten sind, mögliche Knackpunkte finden. Als Achillesferse gilt der Zulauf in den Tiefbahnhof aus Richtung Feuerbach, wo zwei Zusatzgleise helfen könnten, und die Verknüpfung mit der S-Bahn. „Der Nordzulauf ist die zentrale Frage“, sagte Kuhn. „Engpässe müssen wir bearbeiten“, so der OB. Priorität hat für ihn aber auch der Wohnungsbau auf der frei werdenden Bahnfläche. „Ich will dort 7500 Wohneinheiten unterbringen“, so Kuhn.

Protest an der Baustelle

Mit diesen Plänen sind nicht alle einverstanden. Die Feier wurde begleitet vom Protest der S-21-Gegner an der Baustelle, die mit grünen und schwarzen Plastikflaschen einen Flaschenhals symbolisierten. Stuttgart 21 stellt für die Gegner eine Engstelle in der Bahninfrastruktur dar, abschließend genehmigt – Stichwort Brandschutz – sei das Vorhaben nicht, daher sei auch unklar, ob es je in Betrieb gehen könne, so das Aktionsbündnis der Gegner.

Herald Ruijters, der in Vertretung der EU-Verkehrskommissarin Violeta Bulc sprach, betonte die grenzüberschreitende Funktion der großen Eisenbahnmagistralen. Nicht nur die Verbindung Stuttgart-Ulm, auch die nach Wien werde beschleunigt. 1,7 Milliarden Euro gibt die EU von 2014 bis 2020 für Schienenprojekte in Deutschland. „Dieser Tunnel ist genauso wichtig wie der Brenner-Basistunnel“, so Ruijters.

Bohrmaschine wird wiederverwendet

Der Fildertunnel und die Röhren vom Tiefbahnhof nach Unter- und Obertürkheim waren von der Bahn AG 2014 für 720 Millionen Euro an ein Baukonsortium vergeben worden. 700 000 Kubikmeter Beton und 55 000 Tonnen Stahl habe man für den längsten Doppelröhren-Eisenbahntunnel Deutschlands verarbeitet, so Karl-Heinz Strauss. „Wir haben das Können, die Kompetenz und auch Glück gehabt“, so der Vorstandschef der Porr AG. Tunnelpatin Tülay Schmid, die Frau des früheren Landes-Finanzministers, sprach von einem Vorzeigeprojekt. Sie sei stolz auf die Arbeit der Mineure, und sehr froh darüber, das sich in fünf Jahren kein tödlicher Unfall ereignet habe.

Der Fildertunnel wurde zu großen Teilen mit einer Bohrmaschine ausgebrochenen und mit Fertigteilen aufgebaut. Eine Strecke wurde bergmännisch bewältigt, hier wird die Tunnelschale noch betoniert werden. Bis zu drei Monate dauert es laut Abschnittsleiter Günter Osthoff, die Maschine zu demontieren und abzutransportieren. Der Hersteller Herrenknecht (Schwanau) nimmt sie zurück. „Werthaltige Bauteile werden professionell wiederaufbereitet und können bei künftigen Maschinen verwendet werden“, so eine Sprecherin von Herrenknecht.

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