Bei Wendlingen soll die Bahnstrecke aus Richtung Tübingen über den Neckar mit der Neubaustrecke zum Flughafen verbunden werden. In der Bildmitte oben liegen die Portale des Albvorlandtunnels. Foto: DB AG

Bei Wendlingen wird ein zweites Gleis für den Abzweig von der ICE-Stecke ins Neckartal gebaut. Das soll den Betrieb von Stuttgart 21 verbessern.

Stuttgart - Bald neun Jahre nach dem Schlichterspruch von Heiner Geißler haben sich die Partner des Bahnprojekts Stuttgart 21 am Freitag auf den Bau eines Zusatzgleises bei Wendlingen geeinigt. Geißler hatte die Verbesserung als „unabdingbar“ bezeichnet. Die zusätzliche, nun kreuzungsfreie Infrastruktur durch das zweite Gleis zählt nicht zum Projekt Stuttgart 21, sondern zur hauptsächlich vom Bund und vom Land mit 950 Millionen Euro finanzierten Strecke Wendlingen-Ulm (3,7 Milliarden Euro Baukosten), soll sich aber unmittelbar auf die Betriebsqualität des neuen Hauptbahnhofs auswirken.

Der bisher eingleisige Abzweig zur Neckartalbahn war als Engstelle erkannt worden, die Verspätungen im Regionalverkehr von und nach Tübingen begünstigen könnte. Mit dem Ausbau werde die Kapazität ausgeweitet und für die S-Bahn die Möglichkeit einer Weiterführung vom Flughafen in Richtung Kirchheim „baulich offengehalten“.

Der Bund zahlt 55 Millionen Euro

Landes-Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) rechnet mit rund 100, maximal 110 Millionen Euro Baukosten (vor zwei Jahren waren 75 im Gespräch), von denen der Bund über die Indexierung von Fördermitteln aus dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz 55 Millionen Euro trage. Das Land steuert 22,5 bei und trägt das Risiko steigender Baukosten, Verband Region Stuttgart und Regionalverband Neckar-Alb sollen je 11,25 Millionen Euro beitragen. „Das war eine meiner besten Unterschriften“, sagte Hermann nach der Unterzeichnung des Finanzierungsvertrags mit Bahn-Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla im Rathaus. Alle Beteiligten seien „überzeugt davon, dass wir einen zukunftsfähigen Nahverkehr brauchen.“ Dem schlossen sich OB Fritz Kuhn (Grüne) und Regionaldirektorin Nicola Schelling an.

Pofalla hob bei der Pressekonferenz die Entscheidung zur Digitalisierung der Bahntechnik bei S 21 hervor. Er zeigte sich überzeugt davon, dass der Bund die Finanzierung bis 2025 sicherstellen werde. Knackpunkt ist für Hermann die Förderung des Einbaus der digitalen Überwachung und Steuerung in die vorhandenen Züge durch den Bund.

Mehrere Problemstellen bei S 21

Hermann sprach Schwierigkeiten bei Stuttgart 21 an. Die Bahn habe dem Lenkungskreis über Wassereintritt in einem im Anhydrit liegenden Tunnel berichtet. Das werde „beobachtet“. Anhydrit quillt bei Wasserzutritt stark. Für den Weiterbau der Röhren nach Obertürkheim, wo Grundwasser eindringt, würden zwei Verfahren erprobt. Und am Flughafen, wo nach einem Urteil des Verwaltungsgerichtshofs zu einem Straßenbau bei Plieningen in Verbindung mit S 21 eine Zwangspause herrscht, werde „nachgearbeitet“. „Uns ist von der Bahn dargestellt worden, dass es insgesamt keinen Bauverzug gibt“, sagte Hermann. S 21 soll Ende 2025 in Betrieb gehen. Pofalla verwies darauf, dass von 120 Kilometern Tunnel inzwischen 103 ausgebrochen seien.

Im Bauabschnitt für den Landesflughafen erwartet die Bahn zwar bald eine Nachbesserung des Regierungspräsidiums zum Plieninger Straßenbau und die erneute Genehmigung des Eisenbahn-Bundesamtes (Eba). Der sogenannte Sofortvollzug des Eba kann aber vom Naturschutzbund und der Schutzgemeinschaft Filder erneut beklagt werden. Letztlich kann sich das Verfahren bis zur Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts hinziehen. Einen Verhandlungstermin gibt es noch nicht. Die Bahn will am Flughafen im Herbst 2019 den Rohbau starten.

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