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Gauck forderte 2010 den Weiterbau von S21, respektierte aber auch die Haltung der Gegner.

Stuttgart - Der designierte Bundespräsident Joachim Gauck war mal als möglicher Stuttgart-21-Schlichter im Gespräch und fiel dabei durch seine Urteilsfreude auf. In der heißen Phase des Streits um das Bahnprojekt sorgte er im September 2010 mit einem Interview für Aufsehen, in dem er den Weiterbau des Tiefbahnhofs forderte: In jahrelangen Prozessen seien für das Projekt Entscheidungen gefallen. „Und diese Entscheidungen jetzt nicht zu vollziehen, das wäre ja fast eine Straftat“, sagte Gauck in der ARD-Sendung „Beckmann“.

Joachim Gauck forderte den Weiterbau des Tiefbahnhofs

„Die Politiker, die jetzt sagen, ich baue einfach nicht weiter, die dürfen das gar nicht tun, wenn sie sich selbst ernst nehmen“, sagte Gauck. Der ehemalige DDR-Bürgerrechtler äußerte aber auch seine Freude darüber, dass Menschen auf die Straße gehen und sich wiederentdeckten als Bürger: Er halte es für eine künftige Aufgabe der Politiker, die repräsentative Demokratie und den spontan artikulierten Bürgerwillen zusammenzubringen.

Kurz danach suchten Befürworter und Gegner von Stuttgart 21 nach einem Schlichter, der den Konflikt entschärfen sollte. Der damalige FDP-Chef Guido Westerwelle schlug Gauck vor. Nach Angaben seines Vereins „Gegen Vergessen - Für Demokratie“ lehnte er aber aus Zeitgründen ab. Die Wahl fiel dann auf den ehemaligen CDU-Generalsekretär Heiner Geißler.

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