Ein neuer Abwasserkanal soll vom Schlossgarten aus in Richtung Königin-Katharina-Schule (im Hintergrund) gegraben werden Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Die Bahn hat am Montag offiziell eines der technisch schwierigsten Teilstücke für den neuen Stuttgart-21-Bahnknoten begonnen. Gebaut wird der 206 Meter langen Nesenbach-Abwasserkanals. Er wird im Schlossgarten unter Wasser betoniert werden.

Stuttgart - Die Bahn hat am Montag offiziell eines der technisch schwierigsten Teilstücke für den neuen Stuttgart-21-Bahnknoten begonnen. Der Bau des 206 Meter langen Nesenbach-Abwasserkanals war vom Schienenkonzern bereits im Februar 2010 europaweit ausgeschrieben worden und sollte bis August 2013 erledigt sein. Doch es gab keine Angebote. Im November 2014 wurde das geänderte Bauverfahren genehmigt. Jetzt wird im Schlossgarten unter Wasser betoniert werden.

20 Meter müssen die Baumaschinen in die Tiefe graben, damit der neue Abwasserkanal mit einem Querschnitt von sieben auf dreieinhalb Meter unter die Gleise des späteren Tiefbahnhofs passt. Die schmale Baugrube für den Kanal zwischen Schillerstraße und Planetarium wird von betonierten Grubenwänden aus Bohrpfählen geschützt. Sie müssen wasserdicht sein und werden später, wenn der Kanal Mitte 2018 fertig ist, zugeschüttet. Der neue Kanal (genau genommen sind es drei Röhren), ersetzt den alten, höher liegenden. Der Neubau kommt Gesteinsschichten nahe, die das Mineralwasser von den Grundwasser führenden Schichten trennen. Die Bohrpfähle ragen in diese schützende Grundgipsschicht hinein.

Um den Druck auf die Dichtschicht zu erhalten, muss in Abschnitten gearbeitet und die Baugrube geflutet werden. Unter Wasser wird dann eine zweieinhalb Meter dicker Betonboden gegossen. Auf ihm liegt der Kanal, darüber der 80 Meter breite Bahnhofstrog mit den acht Durchgangsleisen.

Das Aktionsbündnis der Stuttgart-21-Gegner hat den Bau des so genannten Nesenbachdükers (er taucht unter dem Tiefbahnhof ab und steigt vor dem Planetarium wieder an) am Montag bei seiner Demonstration thematisiert. Der Bau sei gefährlich, das Abwasser werde künftig schlechter abfließen als heute, auf die Gebührenzahler kämen jährlich Folgekosten von 500 000 Euro für Betrieb und Wartung zu, sagt der Ingenieur Hans Heydemann. Auch ein Aufstauen des Abwassers bei sehr schweren Unwettern sei vorhersehbar. Das Tiefbauamt hat den Bedenken widersprochen.

Vom Kanalbau betroffen sind zuerst das Königin-Katharina-Stift und später die Autofahrer auf der Schillerstraße. „Wir haben heute erstmals die Ersatzfläche beim Schauspielhaus als Pausenhof genutzt“, sagt Schulleiter Franz Baur. Vor den Pfingstferien wurde er schon für den Sportunterricht genutzt. Den Pausenhof der Schule belegt die Bahn. Zwar reicht der Düker vom Planetarium aus nur bis zur Mitte der Schillerstraße, aber ein kleinerer Kanal muss vom Pausenhof aus auf den Düker zugeführt werden. „Wir hoffen jetzt auf eine zügige Bauphase“, sagt Baur. Er habe inzwischen die Verantwortlichen kennengelernt und Vertrauen gefasst: „Da arbeiten vernünftige Menschen.“ Die Schule hatte bereits 2012 Schallschutzfenster erhalten, damit auch während der Bauzeit weiter unterrichtet werden kann.

Fahrspuren auf der Schillerstraße, teilt das S-21-Kommunikationsbüro mit, werde während des Kanalbaus verschwenkt. Es blieben aber alle Fahrspuren erhalten.

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