Den Altbau der IHK würde die Bahn lieber abreißen statt untergraben. Foto: Leif Piechowski

Die Bahn AG trifft bei ihrem Projekt Stuttgart 21 erneut auf Widerstand. Die Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer Region Stuttgart (IHK) hat am Dienstagabend einen Vertrag mit der Bahn zum Abriss des alten Kammergebäudes Jägerstraße 30 als nicht ausreichend abgelehnt.

Stuttgart - Die Bahn AG trifft bei ihrem Projekt Stuttgart 21 erneut auf Widerstand. Die Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer Region Stuttgart (IHK) hat am Dienstagabend einen Vertrag mit der Bahn zum Abriss des alten Kammergebäudes Jägerstraße 30 als nicht ausreichend abgelehnt. Die Bahn hatte sechs Millionen Euro angeboten. Im Januar waren es noch 3,8 Millionen gewesen.

Um den neuen Stuttgart-21-Tiefbahnhof an die Tunnelstrecken in Richtung Feuerbach und Bad Cannstatt anzuschließen, muss die Bahn den hinteren Teil des Bürohauses zum Kriegsberg hin unterqueren. Dazu müsste das 1956 gebaute Haus sehr aufwendig gesichert werden.

Die rund 60 Mitglieder debattierten am Dienstag mehr als zwei Stunden über das Abriss-Angebot der Bahn. Der Altbau steht ab Juli zunächst leer, weil die Mitarbeiter in den direkt daneben stehenden Neubau wechseln. Es soll danach aber an die Landeshauptstadt für deren Gesundheitsamt vermietet werden.

Der IHK bleiben, das erkannte die Vollversammlung, auch in den neuen Angeboten einseitig hohe Risiken. Das größte ist, dass es von der Stadt bisher keine Erlaubnis gibt, den Altstandort wieder zu bebauen. Damit würde nicht nur der Bilanzwert des Grundstücks (3,562 Millionen Euro), sondern auch langfristige Mieteinnahmen verloren gehen.

Dürfte neu gebaut werden, dann müsste wohl der Abstand zum jetzigen Neubau vergrößert werden. Das alte Bürogebäude würde dann durch ein kleineres ersetzt. Der Wertverlust ist für diesen Fall mit 3,08 Millionen Euro angegeben worden. Auch diese Zahl wurde von der Vollversammlung hinterfragt. Als Mieteinnahmen im Altbau werden 300 000 Euro pro Jahr erwartet. Die Verträge, sagen Mitglieder der Vollversammlung, seien insgesamt „sehr unbefriedigend“, die IHK habe nichts zu verschenken. Die Bahn erwartet, das Gelände bei einer Bauverzögerung ohne weiteren Ausgleich länger nutzen zu dürfen.

IHK-Hauptgeschäftsführer Andreas Richter lehnte am Mittwoch jede Stellungnahme ab. „Es wurde Stillschweigen vereinbart“, sagte er. Die IHK-Spitze hat den Auftrag, mit Bahn und Stadt zu verhandeln. Eine erneue Sondersitzung der Vollversammlung zu diesem Thema ist wahrscheinlich. Zur Bebauungsmöglichkeit wird die Stadtverwaltung keine verbindlichen Aussagen machen können. Bebauungspläne sind dem Gemeinderat vorbehalten. Die Bahn hat erklärt, die Tunnel auch ohne den Hausabriss graben zu können.

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