Die Tiefbauarbeiten für die neue ICE-Strecke nach Ulm bringen viel BaustellenDreck auf die Straßen Foto: Michele Danze

Dreck und Schlamm, der durch Arbeiten an der ICE-Neubaustrecke Stuttgart-Ulm entsteht, darf nicht die Straßen der umliegenden Orte verschmutzen. Vertreter von Bund, Bahn, Landkreis und Gemeinden sprachen nun über Ursachen und die Konsequenzen gegenüber den Arbeitsgemeinschaften an den Baustellen.

Merklingen - „So wird es nicht weitergehen, jetzt gibt es massiven Druck“, sagt Stefan Kielbassa, Teilprojektleiter bei der DB Projektbau. In einer „Elefantenrunde“ berieten unlängst Vertreter von Bund, Bahn und Landkreis mit den betroffenen Gemeinden Merklingen und Dornstadt über die Ursachen verdreckter Straßen und mögliche Konsequenzen. Insbesondere im Bereich Hohenstadt/Merklingen sowie in und um Dornstadt mit seinen Teilgemeinden sind die Zustände besonders schlimm.

Die Baustellenkontrollen zur Nutzung von Reifenreinigungsanlagen und Abrollanlagen für verdreckte Lastwagen sollen deshalb verschärft werden. Ob die Kontrollen flächendeckend eingeführt werden können, sei noch unklar. Kielbassa setzt deshalb auch auf Eigenkontrolle der Unternehmer: „Bisher wurden die Beschwerden auf den Baustellen nach dem Motto behandelt, dass man es eben laufen lässt, wenn keiner bremst. Jetzt haben die Unternehmer kapiert wo es lang geht, da bin ich sicher“, sagt Kielbassa. Bei Beschwerden gegenüber den Baufirmen wegen zu viel Dreck auf den Straßen sei es bisher auch für die Bahn schwer gewesen: „Keiner war’s“, kommentiert Kielbassa. Zukünftig werden alle Lkw mit einer Kennzeichnung an der Windschutzscheibe ausgestattet.

„Somit wissen wir, welches Fahrzeug für welches Unternehmen fährt. Ein total versauter Lkw ist damit zuzuordnen“, sagt Kielbassa und geht noch weiter: „Bürger, Gemeinden und Polizei können daran den Fahrer festmachen und melden. Am besten mit Uhrzeit, Kennzeichen und vielleicht sogar Handy-Foto.“ Dafür ist ab sofort eine Beschwerdestelle bei der zentralen Bauüberwachung in Merklingen eingerichtet.

Mit den von den Beschwerdeführern genannten Daten könne man der Ursache auf den Grund gehen. „Der Fahrer, der seinen Lkw nicht einer Reifenwäsche unterzieht oder die Abrollanlage meidet, fliegt. Ebenso der Subunternehmer“, verspricht Kielbassa. Auch die Arbeitsgemeinschaft habe gegebenenfalls mit personellen Konsequenzen zu rechnen. Vorsorglich habe man bereits die Arbeitsgemeinschaften für den Tunnel Albabstieg und den zweiten Streckenabschnitt Temmenhausen-Nellingen von den geplanten „erzieherischen Maßnahmen“ informiert. Die Umsetzung aller Maßnahmen müsse durch die Bauunternehmen sichergestellt werden. Dies sei umso bedeutsamer, als nun auch die Bauarbeiten auf dem Streckenabschnitt zwischen Temmenhausen und Nellingen sowohl bei der Bahn als auch bei der Autobahn starten würden.

Die Bahn baut südlich der heutigen A 8 die Trasse für die ICE-Gleise und die künftige sechsspurige A 8. Dafür müssen Millionen Tonnen Erde ausgebaggert und mit Lkw abtransportiert werden. Seit Herbst vergangenen Jahres hatte es immer wieder heftige Beschwerden von Autofahrern und Anwohnern der umliegenden Gemeinden über verschmutzte Durchgangsstraßen und dreckige Autos gegeben. Auch Hausfassaden wurden mit Dreck bespritzt. Zu allem Übel fiel damals die auf dem Baustellengelände installierte Reifenwaschanlage eine zeitlang aus. Projektleiter Kielbassa hatte deshalb Mitte November 2013 die Arbeiten auf der Baustelle sogar vorübergehend gestoppt.

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