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Gutachterbüro SMA zweifelt daran, dass S21 den Stresstest besteht. Bahn bleibt gelasssen.

Stuttgart - Die Verwirrung um den Stresstest zu Stuttgart 21 hält an. Nach Informationen des Südwestrundfunks hat das von der Bahn beauftragte Gutachterbüro SMA Zweifel daran, dass das Bauprojekt den Test in allen Punkten besteht.

Das Züricher Planungsbüro habe bislang nur wenige Vorgaben der Deutschen Bahn zur Bewertung der Leistungsfähigkeit des geplanten Tiefbahnhofs vorbehaltlos akzeptiert, berichtete der SWR am Donnerstag. Das gehe aus einem Papier von sma hervor, mit dem der Lenkungskreis von Stuttgart 21 am 16. Juni über den Sachstand informiert wurde. Bislang hatte die Bahn keinen Zweifel daran gelassen, dass der Tiefbahnhof die angestrebte Leistungsfähigkeit von 49 Zügen in der Spitzenstunde erbringen werde.

Öffentliche Veranstaltung am 14. Juli

Dem Bericht des SWR zufolge hatten die Prüfer bis zum 16. Juni nur zwei allgemeine Vorgaben der Bahn vorbehaltlos gebilligt: die Methode für die Computersimulation und die Größe des untersuchten Verkehrsnetzes. Vorbehalte sollen die Prüfer bei der Frage haben, ob mit dem simulierten Fahrplan Verspätungen aufgefangen werden können. SMA schlage in dem Papier vor, von vornherein längere Mindesthaltezeiten auf wichtigen Regionalbahnhöfen zu berechnen. Solche Vorgaben gelten als entscheidend für die Gesamtberechnung, weil längere Haltezeiten den Umfang des Fahrplans verringern könnten.

Offiziell sollen die Ergebnisse des von sma testierten Stresstests am 11. Juli an die Landesregierung übermittelt werden. Am 14. Juli sollen sie in einer öffentlichen Veranstaltung unter Moderation von Stuttgart-21-Schlichter Heiner Geißler vorgestellt werden. Das Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 möchte nicht mehr teilnehmen, weil kein Konsens über die Bedingungen des Stresstests bestehe.

Reaktion der Deutschen Bahn

Die Deutsche Bahn sieht unterdessen die Kritik des Gutachters sma am Stresstest für Stuttgart 21 gelassen. „Das ändert nichts an der Sicht der Bahn, dass sie den Test bestanden hat“, sagte Projektsprecher Wolfgang Dietrich. Es handele sich bei den Kritikpunkten um einen veralteten Arbeitsstand, der mittlerweile aufgearbeitet worden sei, erläuterte Dietrich.

Die Grünen im Landtag sehen in den vorab bekanntgewordenen Kritikpunkten der sma den Nachweis, dass die von der Bahn in Umlauf gebrachte Einschätzung, der Bahnhof habe den Stresstest bestanden, voreilig und bei weitem nicht aussagekräftig ist. Nach wie vor gelte es Fragen zu klären: etwa zu Notfallkonzepten, ausreichendem Brandschutz oder zu ausreichend lange Halte- und Wartezeiten.

Dietrich sagte es, es sei noch unklar, ob die geforderten Notfallkonzepte bei der Präsentation der dann von der sma überprüften Stresstestergebnisse am 14. Juli diskutiert würden. Er äußerte auch Zweifel, dass in der vierstündigen Veranstaltung alle komplexen Themen abgehandelt werden könnten.

Bahn-Projektsprecher Dietrich warf Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) vor, sich dem Dialog zu verschließen. Eine mehrfache Anfrage für ein Gespräch mit ihm habe der Minister bislang nicht beantwortet, sagte Dietrich. Auch Fragen von Bürgern an das Verkehrsministerium über ein von der Bahn initiiertes Internetforum seien ignoriert worden. „Es ist schon verwunderlich, dass man auf der einen Seite Offenheit fordert, und andererseits den Dialog verweigert.“

Anfang nächster Woche will die Bahn ihre Bauarbeiten am Grundwassermanagement fortsetzen. Nach Auseinandersetzungen an der Baustelle waren sie unterbrochen worden.

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