Die Grünen bezweifeln, dass die acht Durchgangsgleise des neuen Tiefbahnhofs für die nächsten Jahrzehnte ausreichen. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Die Kreismitgliederversammlung der Partei hat eine Resolution beschlossen. Es werden Berechnungen und Nachweise von der Bahn gefordert.

Stuttgart - Die Stuttgarter Grünen halten die Leistungsfähigkeit der Stuttgart-21-Bahninfrastruktur für zu gering, um den nötigen und auch von der Bundesregierung angestrebten Zuwachs im Bahnverkehr bewältigen zu können. Auf ihrer Kreismitgliederversammlung beschloss die Öko-Partei am Donnerstag eine Resolution, in der gefordert wird, dass die Bahn Simulationsergebnisse für den S-21-Betrieb anhand des künftigen Zielfahrplans des Landes noch in diesem Jahr vorlegen soll.

Im Kulturzentrum Merlin gab es nur noch ganz vereinzelte „oben bleiben“ Stimmen. Man akzeptiere den Bau von Stuttgart 21, „ein Um- oder Ausstieg scheint uns nicht mehr möglich“, so die Stadträtin Clarissa Seitz, die zusammen mit Thomas Baur die Resolution angestoßen hatte.

Erster Entwurf wurde entschärft

Seitz und Baur hatten ihren ersten Entwurf am Donnerstag im Gespräch mit der Gemeinderatsfraktion entschärft. Darin war gefordert worden, auch nach Inbetriebnahme von Tiefbahnhof und Tunneln einen Teil der Gäubahnzüge über die alte Panoramastrecke im Stuttgarter Westen in den Hauptbahnhof zu fahren. Während der S-21-Bauarbeiten wird die Zufahrt der Gäubahn in den Kopfbahnhof gekappt. Sie endet dann in Vaihingen. Diese Unterbrechung wurde in der Ursprungsversion abgelehnt. Nun heißt es, man wolle eine Prüfung aller Alternativen zur Unterbrechung.

Ohne Gäubahngleise gebe es kein Notfallkonzept für die S-Bahn. Deren Züge könnten die unterirdische Stammstrecke bei einer Sperrung nicht mehr umfahren, sagte Baur. Er habe die Kombi-Lösung (Tiefbahnhof und einige oberirdische Gleise) im Kopf.

Einzelne Redner fanden, die Resolution werde mit den Änderungen verwässert. „Es müssen Gleise oben bleiben“, sagte Rudolf Pfleiderer. Die Verwässerung räumte Seitz ein. Nötig sei aber ein „konstruktiver Dialog mit den Befürwortern von Stuttgart 21“. „Wir brauchen die Befürworter“, so Seitz. Es müssten Fragen geklärt und Mängel an der neuen Infrastruktur beseitigt werden. Sie sei in den 90er Jahren „unter ganz anderen Bedingungen“ geplant worden.

Hermann betont Dringlichkeit

Verkehrsminister Winfried Hermann betonte die Dringlichkeit des Themas. Stuttgart 21 soll zwar erst Ende 2025 in Betrieb gehen, „spätestens nach der Kommunalwahl“ (26. Mai) müssten aber Entscheidungen getroffen werden, so Hermann. Beschlossen sei, dass man das automatische System zur Zugbeeinflussung ETCS einführen wolle, um die Fahrplanstabilität der S-Bahn zu verbessern. Hermann lege eine „gewissen Konflikt“ mit der Stadt und OB Fritz Kuhn offen, die das Gelände der alten Gleise schnellstmöglich überbauen wollten. Also müsse man „nicht über oberirdische, sondern auch über unterirdische Lösungen“, also Gleise unter dem neuen Stadtviertel sprechen. Man habe dazu Überlegungen. Verbesserungen bei Stuttgart 21 könnten nur erreicht werden „wenn alle dafür“ sind, erinnerte er an die durch den Finanzierungsvertrag komplizierte Gemengelage. Die geänderte Resolution wurde mit drei Gegenstimmen bei vier Enthaltungen angenommen.

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