Wie gefährdet ist der S-Bahn-Verkehr durch die S-21-Pläne? Die Erörterung soll helfen die Frage zu klären Foto: Leif Piechowski

Am Montag beginnt um 9 Uhr im Kongresszentrum der Landesmesse die Erörterung der Bahnpläne zum Flughafenanschluss. Gegner des Projekts Stuttgart 21 fordern den Planungsstopp. Das Regierungspräsidium Stuttgart bereitet sich auf eine elftägige Mammutsitzung vor.

Am Montag beginnt um 9 Uhr im Kongresszentrum der Landesmesse die Erörterung der Bahnpläne zum Flughafenanschluss. Gegner des Projekts Stuttgart 21 fordern den Planungsstopp. Das Regierungspräsidium Stuttgart bereitet sich auf eine elftägige Mammutsitzung vor.

Stuttgart - Der Anschuss des Flughafens an die neue ICE-Stecke Stuttgart–Ulm und an die aus Singen kommende Gäubahn ist der letzte große Planungsabschnitt im Projekt Stuttgart 21. Entsprechend gerüstet und angespannt ziehen Bahn-Verantwortliche und Projektgegner am Montag in die letzte große Schlacht.

Im Messe-Kongresszentrum werden die Pläne von 9 Uhr an erläutert und können Betroffene ihre Einwände vortragen. Das bindet im Regierungspräsidium (RP) seit Monaten Kräfte. Spätestens am 7. Oktober soll die Erörterung, dann in der Filderhalle in Leinfelden, abgeschlossen sein. Die hochgeschraubten Erwartungen werden bis dahin nicht erfüllt werden, denn das RP wird keine Entscheidung fällen. Die Behörde, die im Auftrag des letztlich entscheidenden Eisenbahn-Bundesamts (Eba) handelt, trägt zusammen und sichtet – und wird allenfalls eine Empfehlung aussprechen.

Die Projektgegner, zum Beispiel aus dem Aktionsbündnis Kopfbahnhof 21 oder der Schutzgemeinschaft Filder, wollen ihre Chance nutzen. Das von der direkt betroffenen Kommune Leinfelden-Echterdingen in Auftrag gegebene Gutachten zu den Wirkungen der Pläne auf die heutigen S-Bahn-Verbindungen und den Nahverkehr liefert aus ihrer Sicht gute Argumente gegen die Bahn-Pläne. Der Gutachter sieht erhebliche Verspätungen für die S-Bahn und den Nahverkehr. Das Stuttgart-21-Projektbüro will sich die Expertise der Universität Dresden sehr genau ansehen. Der Gutachter sei seriös, man nehme das Papier ernst, heißt es.

Die jetzt beantragte Schienenanbindung stelle aber „die für die Bahn eindeutig vorzugswürdige Variante dar“, sagte Projektsprecher Wolfgang Dietrich am Freitag. Der Bahn sei bewusst, „dass es aber auch zu neuen Erkenntnissen kommen kann, die auch zu einer Planänderung führen könnten. Die Bahn hat dann die Aufgabe, mit den dabei entstehenden Zeitverlusten umzugehen“, so Dietrich. Er meint damit kleinere Änderungen am Bahn-Konzept, nicht das Umschwenken auf die im Filderdialog vor zwei Jahren als bessere Lösung erkannte Variante eines Flughafenbahnhofs, in dem der gesamte Fern- und Regionalverkehr konzen­triert wird. Der S-Bahn-Halt unter den Terminals bleibe dann unangetastet und müsste nicht auch die Fern- und Regionalzüge aus Singen aufnehmen. Für die Variante, von der Bahn Ende 2012 um 224 Millionen Euro teurer bewertet, wollte die Landesregierung kein zusätzliches Geld einsetzen. „Sie wurde vom grünen Teil der Landesregierung verhindert“, sagt Thomas Leipnitz, Sprecher der SPD-Regionalfraktion. Wegen des Gutachtens der Technischen Universität Dresden müsse der Verband Region Stuttgart neu über die Variante nachdenken. Das Gutachten müsse „eingehend bewertet werden“.

Die Bewertung haben die Grünen für sich schon vorgenommen. Die Simulation der Uni zeige, dass Verspätungen der S-Bahn „dauerhaft zur Regel werden dürften“, so der Stuttgarter Grünen-Fraktionschef Peter Pätzold. Die Interessen der Stadt seien „fundamental tangiert“, wenn das gesamte Nahverkehrsnetz aufs dem Takt geraten könne. Die Bahn müsse eine bessere Lösung bieten. Die sieht für die Grünen auch im Regionalparlament so aus, dass die heutige Gäubahn über Vaihingen und durch den Stuttgarter Westen erhalten und die Gleise über einen Tunnel an den neuen Tiefbahnhof geknüpft würden. Eine solche Variante ist aber durch den S-21-Finanzierungsvertrag nicht gedeckt.

Die Erörterung der Bahn-Pläne für den Flughafen beginnt am Montag um 9.30 Uhr und soll bis 19.30 Uhr dauern. Das Regierungspräsidium will dabei das Verfahren erläutern. Die Bahn soll laut Tagesordnung ihre Antragsplanung vorstellen.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: