Ingo Mörl kritisierte die gestiegenen Kosten von Stuttgart 21. Foto: Amadeus Banerjee

Auf dem Neuen Markt in Leinfelden kommen regelmäßig die Gegner des Bahnprojekts Stuttgart 21 zusammen und demonstrieren lautstark ihre Meinung. Beim 400. Treffen herrschen jedoch Ernüchterung und Sorge vor.

Leinfelden - „Kein IC durch LE!“ und „Oben bleiben!“ schallte es am vergangenen Donnerstag pünktlich um 19 Uhr vom Neuen Markt in Leinfelden. Ein knappes Dutzend Teilnehmer waren zum 400. Schwabenstreich gekommen. Die Redner an diesem Abend: Der Regionalrat Ingo Mörl (Filderpiraten) und Claudia Moosmann, die für die Filderpiraten im Gemeinderat von Leinfelden-Echterdingen sitzt.

Mörl, der die Eröffnungsrede hielt, kritisierte zunächst den Umgang mit den Kosten des Bahnprojektes Stuttgart 21: „Ursprünglich war einmal von drei Milliarden Euro die Rede. Die später festgelegte Obergrenze von rund vier Milliarden Euro ist mehr als überschritten.“ Die Gesamtkosten in Höhe von acht Milliarden Euro seien reiner Irrsinn. Auch der geplante Filderbahnhof sprenge mit Kosten von einer Milliarde Euro jeglichen Rahmen. „Die Bahn hat weder ein Notfallkonzept noch eines zur Finanzierung“, sagte Mörl. Stuttgart 21 bringe viel zu viele Probleme mit sich, als dass sich ein Weiterbau lohnen würde. „Die Bahn hat gar kein Interesse daran, einen funktionierenden Bahnhof zu bauen. Die streichen Steuergelder für den Bau ein, und was für Probleme der Bahnhof am Ende mit sich bringt, ist denen doch egal.“

Kein Anlass, den Schwabenstreich zu beenden

Der Regionalrat könne sich Schöneres vorstellen, als abends beim Schwabenstreich mitzuwirken. „Solange die Bahn aber keine konkreten Konzepte vorlegt, die unsere Fragen beantworten, werden wir hier weiterhin stehen.“ Es solle niemand behaupten können, dass vor den Folgen des unterirdischen Bahnhofs nicht gewarnt worden wäre.

Auch Stadträtin Claudia Moosmann sieht noch keinen Anlass, den Schwabenstreich zu beenden. „Es gibt mit Umstieg 21 eine gute Alternative zu Stuttgart 21. Wir hoffen, dass sich die Verantwortlichen irgendwann ernsthaft mit den Alternativen befassen und damit endlich zur Besinnung kommen.“ Eine mittlerweile 30 Jahre alte Planung könne der heutigen Situation nicht mehr gerecht werden.

In einem offenen Brief forderte Moosmann den Bundesverkehrsminister Scheuer deshalb nun auf, über alternative Pläne nachzudenken. „Wenn der neue Verkehrsminister das Thema ernst nimmt und nicht nur ein Mitläufer ist, könnte sich vielleicht tatsächlich noch etwas tun.“

Verbittert wirkte die Stadträtin am Donnerstagabend nicht. Vielmehr waren ihr Verzweiflung und Sorge anzumerken. „Ich hoffe es nicht, aber falls es nötig ist, werden wir auch noch zum 800. Schwabenstreich hier in Leinfelden-Echterdingen zusammenkommen“, sagte Moosmann.

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