Das Aktionsbündnis fordert nach dem Mängelgutachten einen BAustopp beim Bahnprojekt. Foto: dpa

Das Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 fordert einen Stopp der Arbeiten am künftigen Stuttgarter Bahnknoten. Die Mängel beim Brandschutz im Tiefbahnhof und im Tunnel zur unterirdischen Zugstation stellten „eine juristisch veränderte Lage“ dar.

Stuttgart - Das Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 fordert einen Stopp der Arbeiten am künftigen Stuttgarter Bahnknoten. Die Mängel beim Brandschutz im Tiefbahnhof und im Tunnel zur unterirdischen Zugstation stellten „eine juristisch veränderte Lage“ dar, so Eisenhart von Loeper. Der Jurist, gleichzeitig einer der Sprecher des Aktionsbündnisses, hält damit den sogenannten Planfeststellungsbeschluss 1.1, faktisch die Baugenehmigung für den Tiefbahnhof, für überholt, einen Weiterbau für rechtswidrig. „Das Projekt darf nicht fortgeführt werden.“ Die Schweizer Gutachterfirma Gruner AG hatte im Auftrag der Bahn das Brandschutzkonzept geprüft und erhebliche Lücken ausgemacht.

Massive Vorwürfe gegen die grün-rote Landesregierung erhebt in dem Zusammenhang Matthias von Herrmann, Sprecher der Initiative Parkschützer. Ministerpräsident Winfried Kretschmann wisse seit zwei Jahren, also seit der Schlichtung unter Heiner Geißler, von den Mängeln beim Brandschutz. „Kretschmann hätte nachfragen können.“ Dies sei aber unterblieben – ob absichtlich oder aus Untätigkeit, ließ von Herrmann offen. „Die Politik muss die Bahn in die Pflicht nehmen.“

Mehrere Experten sollten „ein Versagen der Bahn“ bei Gleisumbau und Brandschutz nachweisen

Das Aktionsbündnis hatte unter der Überschrift „Stuttgart 21 am Ende?“ ins Rathaus eingeladen. Mehrere Experten sollten „ein Versagen der Bahn“ bei Gleisumbau und Brandschutz nachweisen. Einer der Spezialisten, der Stuttgarter Ingenieur und Gutachter Hans-Joachim Keim, nannte die Planung der Bahn-Ingenieure „fahrlässig“ und „verbrecherisch“. Letzteres, weil wider besseren Wissens internationale Standards bei Fluchtzeiten und bei der Dimensionierung der Fluchtwege übergangen würden. So seien zwar – wie lange von der Stuttgarter Feuerwehr gefordert – in den Tunnels Fluchtstollen im Abstand von 500 Metern vorgesehen. International üblich seien 250 Meter. Auch die Evakuierungszeiten bei Stuttgart 21 von 23 bis über 30 Minuten entsprächen nicht internationalen Standards. „Die liegen bei drei bis acht Minuten.“ Dabei sei im Gruner-Gutachten noch nicht berücksichtigt, dass auch Kinder, Ältere und behinderte Menschen vor hochgiftigen Rauchgasen gerettet werden müssten. Das alles macht laut Keim eine komplette Neuplanung nötig – mit Zusatzkosten in Milliardenhöhe.

Keim befasst sich seit Jahren mit der Brandkatastrophe im österreichischen Skiort Kaprun. Dort waren im Tunnel einer Standseilbahn im Jahr 2000 155 Menschen getötet worden. Keim hatte zunächst nachgewiesen, dass damals das Produkt eines baden-württembergischen Herstellers für Heizlüfter nicht ursächlich zu dem Brand geführt hatte. Später hatte er der österreichischen Gerichtsbarkeit und den dortigen Gutachtern bei der Aufarbeitung des Unfalls Schlamperei und Vertuschung vorgeworfen und diese angezeigt.

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