Stuttgart 21 Flughafen-Bahnhof erst 2022 fertig

Von Konstantin Schwarz 

Die neue Lösung am Flughafen mit dem Fernbahnhof soll von der sonstigen S-21-Streckenplanung abgekoppelt werden. Foto: Stadtmessungsamt Stuttgart/StN-Bearbeitung: Lange/Quelle: Deutsche Bahn AG
Die neue Lösung am Flughafen mit dem Fernbahnhof soll von der sonstigen S-21-Streckenplanung abgekoppelt werden. Foto: Stadtmessungsamt Stuttgart/StN-Bearbeitung: Lange/Quelle: Deutsche Bahn AG

Die Bahn will die Strecke zuerst planen und Züge zunächst am Flughafen vorbeifahren lassen.

Stuttgart - Ende 2020 sollen Stuttgart 21 und die 60 Kilometer lange Neubaustrecke nach Ulm fertig sein. Dann sollen alle Züge im achtgleisigen Durchgangsbahnhof Station machen und der komplett neue Schienenweg die Reisezeit zum höchsten Kirchturm der Welt von 54 auf 28 Minuten kürzen.

Damit dieses Ziel erreichbar bleibt, müsste die Bahn im kommenden Jahr auch am Flughafen die Bagger auffahren. Daran aber ist nach dem Filder-Dialog nicht zu denken. Bei den Gesprächen in der Stadthalle von Leinfelden-Echterdingen und der Landesmesse wurde ein gegenüber den bisherigen Bahn-Plänen verbesserter Anschluss des Flughafens gesucht – und gefunden.

Alle Projektpartner wollen bis Ende September die neue Variante eines Fernbahnhofs unter der Flughafenstraße auf ihre technische Machbarkeit und Finanzierung hin prüfen. In diesen Bahnhof würden Züge aus Ulm, Stuttgart, aber auch von der Gäubahn (Singen/Freudenstadt) einfahren. Der heutige S-Bahn-Halt bliebe unverändert. Bisher plante die Bahn, diesen aufwendig umzubauen. Bahn, Land, Stadt und Region Stuttgart sowie der Flughafen sprechen von einer „wesentlichen Verbesserung“ bisheriger Pläne. Sie letztlich doch nicht umzusetzen, käme für die Regierung, aber auch die Bahn einem Offenbarungseid gleich.

Jede Verzögerung treibt die Kosten

Mit dem Neustart der Pläne am Flughafen aber wird der bereits sehr enge Zeitplan für das Gesamtprojekt gefährdet. Erst im März 2012 musste Bahn-Chef Rüdiger Grube einräumen, dass Stuttgart 21 nicht Ende 2019, sondern erst Ende 2020 in Betrieb gehen können. Jede Verzögerung treibt die Kosten.

Bahn-Vorstand Volker Kefer sprach beim letzten Filder-Dialog zu vorgerückter Stunde von „gewaltigem Terminverzug“ für die Pläne am Flughafen und davon, dass „die ganze Geschichte terminlich einigermaßen im Griff behalten“ werden müsse. Die Verzögerung träfe sonst das gesamte Projekt.

Kefers Lösung: Die Baugenehmigung für den Abschnitt am Flughafen, der die Nummer 1.3 trägt, soll in zwei Teile gepalten werden. Das Eisenbahn-Bundesamt soll das Streckenstück zwischen Echterdinger Ei und Ostfildern (1.3a) rasch genehmigen. Diese Schnellfahrstrecke führt am Flughafen vorbei. Sie liefe planerisch „unabhängig weiter“, sei dann „nicht beeinflusst“ vom Zeitverzug der Neubaupläne am Airport, sagt Kefer. Der dortige unterirdische Ringverkehr samt Fernbahnhof, Abschnitt 1.3b, käme später. Baugenehmigung, Ausschreibung, Vergaben und der eigentliche Bau summieren sich am Flughafen laut früherer Pläne auf zwölf Jahre. Die Bahn spürte Anfang dieses Jahres für den Roh- und Ausbau „Optimierungspotenziale“ auf. Die Genehmigungsphase aber kann sie nicht beeinflussen. Der neue Halt für die Fern- und Regionalzüge auf den Fildern könnte demnach bestenfalls Ende 2022 in Betrieb gehen.

Landesregierung drängt auf bessere Lösung

Die Landesregierung drängt auf die bessere Lösung am Flughafen. Die Überlegungen der Deutschen Bahn, den Abschnitt zu teilen, sei „kurz vor Abschluss des Filder-Dialogs mitgeteilt worden“, hießt es im Verkehrsministerium. Die DB werde „im Zuge der weiteren Untersuchungen aller Voraussicht nach auch eine Begründung zur Aufteilung des Abschnitts 1.3 Teile vorlegen“, so die offizielle Stellungnahme des Ministeriums von Winfried Hermann (Grüne). Der Minister vermeidet jedes kritische Wort. Die Landesregierung lege aber „großen Wert darauf, dass alle Teile von Stuttgart 21 und der Neubaustrecke Wendlingen-Ulm zeitgleich in Betrieb gehen, damit ein insgesamt funktionsfähiger Bahnknoten entsteht“, sagt Hermanns Sprecher Edgar Neumann.

So viel kühle Zurückhaltung hat Hermanns Haus bei dem bis 4,5 Milliarden Euro finanzierten Projekt lange nicht geübt. Dafür könnte es Gründe geben. Wird die Variante von Kefer umgesetzt, dann kommt die Bahn an der Forderung des Ministers nach einem Fern- und Regionalzughalt in Vaihingen kaum mehr vorbei. Denn wenn Stuttgart 21 in Betrieb geht, kann die Gäubahn den Tiefbahnhof nicht mehr erreichen. Ihre Gleise in der Stadtmitte werden für eine neue S-Bahn-Trasse gekappt. Die Bahn plant deshalb, Reisende aus Singen und Freudenstadt für kurze Zeit an einem provisorischen Bahnsteig in Vaihingen umsteigen zu lassen. Von dort ginge es für sechs Monate per S-Bahn in die Stadt und zum Flughafen.

Hermann will diesen Halt in Vaihingen nicht als Provisorium und nicht erst in der letzten Bauphase von Stuttgart 21. Er will ihn früher und dauerhaft. Eine entsprechende Prüfung hat die Bahn im Filder-Dialog zugesagt.

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