Von Dezember 2025 an sollen nach Voraussagen der Deutschen Bahn Züge durch den neueinhalb Kilometer langen Fildertunnel fahren. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Auf einer Strecke von fast zehn Kilometern verbindet der Fildertunnel die Innenstadt von Stuttgart mit dem Flughafen und der Messe. 2025 sollen dort Züge fahren. Noch ist Zeit für Besuche unter Tage.

Wenn die Deutsche Bahn Recht behält, donnern in gut 30 Monaten dort Züge mit 250 Kilometer in der Stunde durch, wo sich am Wochenende Leserinnen und Leser unserer Zeitung exklusive Einblicke in den Fildertunnel verschafft haben.

 

Wenige Minuten Fahrzeit

Von Mitte Dezember 2025 an – so der derzeit geltende Terminplan – sollen Züge die 150 Höhenmeter Unterschied zwischen der Stuttgarter Innenstadt und der Filderhochfläche in dem knapp neuneinhalb Kilometer langen Tunnel in wenigen Minuten überwinden. Noch ist das Zukunftsmusik – auch wenn schon Gleise in dem Tunnel liegen. Das seien allerdings Bauschienen, die später noch dem endgültigen Fahrweg weichen, wie Otto Krautwasser vom Infoturm Stuttgart (ITS) erläutert.

Die vom Bahnprojektverein Stuttgart-Ulm getragene Informationsplattform bietet Führungen zu verschiedenen Abschnitten des Projekts Stuttgart 21 an – nun auch eine Runde in den Fildertunnel. Den drittlängsten Tunnel Deutschlands betritt die Besuchergruppe am oberen Ende zwischen der Bundesautobahn 8 und dem Gewerbegebiet Fasanenhof. Dort hat sich vor mittlerweile neun Jahren eine 2000 Tonnen schwere Tunnelbohrmaschine daran gemacht, in Richtung Innenstadt zu bohren.

Gänge für den Notfall

Aus fast 60 000 Betonfertigteilen, den sogenannten Tübbinge, hat die Maschine zwischen Filder und Innenstadt die beiden parallel verlaufenden Tunnelröhren hergestellt. Alle 500 Meter sind die mit kurzen Tunneln verbunden, durch die im Notfall Fahrgäste in die benachbarte Röhre gelangen. Durch eines dieser Verbindungsbauwerke führt Otto Krautwasser die Gruppe von Leserinnen und Lesern unserer Zeitung. Bettina Rocker-Mandt gehört dazu. Als Plieningerin war sie über Jahre hinweg Nachbarin der Großbaustelle. „Wie sich das hier alles über die Jahre hinweg verändert hat, ließ sich gut vom Fahrrad oder Auto aus beobachten“, sagt sie. Es sei sehr spannend, zu Fuß in den Tunnel und damit an einen Ort zu kommen, den man bald nicht mehr betreten könne.

Diskussionen in der Nachbarschaft

Natürlich habe es in Plieningen viele Diskussionen insbesondere über den Verlust an landwirtschaftlichen Flächen gegeben, der mit dem Bau der Schnellfahrstrecke Richtung Ulm einhergegangen ist. Und auch über die neuerlichen Belastungen, die der Bau eines weiteren Tunnels für die Gäubahn zum Flughafen mit sich brächte, werde gesprochen. „Aber insgesamt ist es ruhiger geworden“, findet Bettina Rocker-Mandt.

Verspätung am Flughafen

Kritische Nachfragen, warum die Gäubahnführung am Flughafen nach wie vor in der Schwebe ist und der Bahnhof unter Messe und Airport frühestens 2027 vollständig in Betrieb gehen könne, kontert David Bösinger, Sprecher des Bahnprojektvereins Stuttgart-Ulm mit dem Hinweis auf lange Gerichtsverfahren aber auch die politische Facette des Projekts, bei dem viele verschiedene Ziele unter einen Hut gebracht werden müssten.

Das Interesse an Stuttgart 21 scheint auch 13 Jahre nach Baubeginn ungebrochen. Der Bahnprojektverein hat in dieser Zeit fast 20 000 Führungen veranstaltet, zu den Tagen der offenen Baustelle strömen die Massen. Und auch die gut 300 Plätze für die Führungen für unsere Leserinnen und Leser waren binnen weniger Stunden vergriffen.

Angebot
 Nach dem Auftakt mit unseren Leserinnen und Lesern bietet der Bahnprojektverein Stuttgart-Ulm weitere Führungen in den Fildertunnel an. Die nächste Gelegenheit dazu bietet sich am 18. Juni. Die Teilnahme kostet 25, ermäßigt 20 Euro. Die Führung dauert rund drei Stunden. Das Mindestteilnahmealter beträgt 14 Jahre.

Anmeldung
 Die Anmeldung zu den Führungen ist hier möglich.