Branddirektor Frank Knödler hat „kardinale Forderungen an die Bahn“. Foto: dpa

Der Brandschutz im geplanten Stuttgarter Tiefbahnhof und die Rettungsmöglichkeiten für Reisende haben den Technischen Ausschuss des Gemeinderates beschäftigt. Die Bahn lieferte einen Zwischenstand.

Stuttgart - Der Brandschutz im geplanten Stuttgarter Tiefbahnhof und die Rettungsmöglichkeiten für Reisende haben den Technischen Ausschuss des Gemeinderates beschäftigt. Die Bahn lieferte einen Zwischenstand, muss aber mit weiteren Gutachten klären, ob die Evakuierungszeit von bis zu 23 Minuten haltbar ist und ob das Bahnhofsdach als Rettungsfläche frei von giftigem Rauch bleibt.

Angenommen wird, dass sich in der riesigen, von acht Gleisen durchzogenen Halle, bis zu 16 164 Menschen aufhalten können und sich bei der Flucht vor Rauch nicht mehr als vier auf einem Quadratmeter drängen. „Wir sind noch nicht am Ende der Besprechungen“, sagte Klaus-Jürgen Bieger, der für die Bahn AG den Brandschutz verantwortet. Gegenüber der genehmigten Ursprungsplanung habe man erheblich nachgebessert, vor allem mit acht neuen Fluchttreppenhäusern auf den vier Bahnsteigen. Die Bahn musste ihr Konzept anpassen, weil gesetzliche Vorgaben beim Brandschutz massiv verschärft worden sind. Nun sollen weitere Gutachter eingesetzt werden.

Im Brandfall muss die Stuttgarter Feuerwehr in das Gebäude und das umfangreiche Tunnelsystem vordringen. 31 Forderungen hatte sie der Bahn gestellt, etliche sind laut Branddirektor Frank Knödler inzwischen erfüllt worden, doch die Zahl allein sage wenig aus. „Wir haben noch kardinale Forderungen an die Bahn, das betrifft den Rauch, die Selbst- und Fremdrettung und die Zusammenführung der Tunnelröhren an zwei Stellen“, so Knödler. Bei Stuttgart 21 sind ansonsten in jede Richtung eingleisige Röhren vorgesehen, in die parallele zweite sollen sich Reisende bei Unglücksfällen über Schleusen retten können. Im Tiefbahnhof wird die Feuerwehr laut Knödler ausreichend Wasser zur Verfügung haben, im mehr als neun Kilometer langen Fildertunnel aber nicht. Knödler: „Wir müssen in vertretbaren Zeiten Wasser am Rohr haben, 45 Minuten sind nicht vertretbar.“

„Wir müssen uns auf das eba verlassen“

Das Thema Stuttgart 21 zog etliche Projektgegner ins Rathaus. Für den Ansturm erwies sich der Sitzungssaal als zu klein. Das führte zu massiver und lautstarker Verärgerung des Publikums. Einzelne Protestler überschritten dabei Grenzen. Sie verteilten im Erdgeschoss ausliegendes Werbematerial für das Projekt weitläufig auf der Rathaustreppe zum Marktplatz hin. Ordnungsbürgermeister Martin Schairer (CDU) ließ die Debatte schließlich auf die Flure übertragen. Den Vortrag von Bieger will das S-21-Kommunikationsbüro ins Internet stellen.

Bei den Stadträten stießen die Informationen auf unterschiedliche Resonanz. Er könne nicht bewerten, ob der Brandschutz ausreichend sei, sagte CDU-Fraktionschef Alexander Kotz. Das sei Aufgabe des Eisenbahn-Bundesamts (eba) als Genehmigungsbehörde. „Wir müssen uns auf das eba verlassen“, sagte Michael Conz (FDP). Sie freue sich über die Verbesserungen, sagte Roswitha Blind (SPD).

Kritischer äußerten sich die Gegner aus den Reihen der Grünen und von SÖS/Linke. „Wir erleben seit Jahren, dass unsere Rettungskräfte bei der Bahn auf Granit beißen“, sagte Jochen Stopper (Grüne). Der Schweizer Gutachter Gruner habe das Konzept „in der Luft zerrissen“. Die neuen Treppenhäuser bildeten Engstellen, sagte Gangolf Stocker (SÖS/Linke), die Frage sei, welche Beweglichkeit man den Menschenströme in den Rechenmodellen zur Rettung vorgebe, wie schnell man sie also laufen lasse. Die Bahn will bis April 2014 alle Fragen geklärt haben. Bis Juli 2014 erwartete sie die Baugenehmigung des eba.

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