Stuttgart 21: Fraktionschef Rülke bezeichnet Schlichter als "Jopi Heesters der Politik".

Stuttgart - Die Grünen im Landtag wollen den Kompromissvorschlag von Stuttgart-21-Schlichter Heiner Geißler zum umstrittenen Bahnprojekt ernsthaft geprüft haben. Es komme nicht darauf an, ob der Vorschlag einer Kombination aus Kopf- und Tiefbahnhof alt oder neu sei, erklärte die Fraktionsvorsitzende Edith Sitzmann am Montag. "Wer das ohne Prüfung einfach als nicht umsetzbar abtut, hat kein ernsthaftes Interesse an einem Kompromiss in der derzeit verfahrenen Situation", betonte sie.

Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) könnte sich mit dem Kompromissvorschlag nach einer ersten Prüfung anfreunden. "Der Vorschlag ist aus Sicht des Eisenbahnverkehrs um Klassen besser als Stuttgart 21", sagte er. Die Kompromissversion sei auch "sicher deutlich billiger".

Geißler hatte am Freitag eine Kombination aus einem um vier bis sechs Gleise reduzierten Kopfbahnhof und einem Tiefbahnhof mit vier statt der bisher von der Bahn geplanten acht Gleise vorgeschlagen. Entscheidend sei, ob ein solcher Bahnhof besser sei als ein reiner Tiefbahnhof. Der "Schwäbischen Zeitung" sagte Geißler, dass die Bahn am Wochenende Großaufträge für den Tunnelbau vergeben habe, sei keine Vorentscheidung über das Schicksal von S21. Besonders der Fildertunnel müsste auch für einen Kombibahnhof gebaut werden.

Von der Opposition im Landtag sprach sich nach Peter Hauk (CDU) am Montag auch die FDP gegen Geißlers Vorschlag aus. "Ich habe den Eindruck, dass es Geißler nicht um die Schlichtung geht, sondern darum, sich selbst zu profilieren, um der Jopi Heesters des Politikbetriebs zu werden und mit hundert noch in Talkshows zu sitzen", sagte Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke. Unterdessen hat das Staatsministerium eine "Vorprüfung" des Vorschlags eingeleitet.

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