Stuttgart 21 Eine Verletzung, zwei Geschichten

Von Von Wolf-Dieter Obst und Roland Böhm 

Die Bahn widerspricht der Darstellung eines an den Augen verletzten Stuttgart-21-Gegners.

Stuttgart - Sein Foto ging durch die Medien: Dietrich Wagner, der Demonstrant aus dem Schlossgarten mit den blutigen Augenverletzungen. Der 66-Jährige, getroffen von einem Strahl eines Polizei-Wasserwerfers, müsse erneut an den Augen operiert werden, sagte eine Sprecherin des Katharinenhospitals am Mittwoch. Auch ein zweiter Demonstrant, der beim Polizeieinsatz am 30. September an einem Auge schwer verletzt wurde, müsse erneut behandelt werden. Über bleibende Schäden könnten die Ärzte keine Angaben machen.

Dem Magazin "Stern" schilderte Wagner, Ingenieur im Ruhestand, wie es zu seinen Verletzungen kam: Er habe versucht, Jugendlichen zu helfen, die vom Strahl des Wasserwerfers weggefegt worden seien. Deshalb habe er die Arme hochgerissen und den Polizisten gewunken, um sie zum Aufhören zu bewegen. Dann habe ihn selbst der Wasserstrahl direkt ins Gesicht getroffen - so massiv, dass er ohnmächtig geworden sei. "Es fühlte sich an wie der Schlag von einem Riesenboxer", sagte der 66-Jährige.

"Er ist immer wieder zurückgelaufen"

Die Polizei widerspricht seiner Darstellung. "Wir haben den Mann hinter den Barrikaden immer wieder beiseite genommen", sagte Polizeipräsident Siegfried Stumpf bei seiner Pressekonferenz am Dienstag, "doch er ist immer wieder zurückgelaufen. Er selbst hat sich direkt in den Strahl gestellt." Ein Foto zeigt ihn in Siegerpose allein auf weiter Flur.

Chefarzt Egon Georg Weidle diagnostizierte bei Wagner "schwerste Augenverletzungen". Am schlimmsten seien "beidseitig schwere Prellungsverletzungen", zitiert ihn der "Stern". Die Lider seien zerrissen, der Augenboden eines Auges gebrochen, die Netzhaut vermutlich eingerissen, die Linsen müssten durch Kunstlinsen ersetzt werden. Der Patient sei "im Moment erblindet". Auch in der Charlottenklinik wird noch ein 22-Jähriger mit einem Augen-Trauma behandelt. Voraussichtlich blieben Folgeschäden, sagte Augenarzt Gangolf Sauder.

 

 


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