OB Schuster wendet sich in einem offenen Brief an "alle Bürgerinnen und Bürger Stuttgarts". Foto: dpa

Anonyme Schreiben ziehen Anzeigen nach sich - Schusters Rede bei Demo noch ungewiss.

Stuttgart - Der Stuttgarter Bahnhofstreit geht immer tiefer. OB Wolfgang Schuster fühlt sich inzwischen massiv von fehlgeleiteten Stuttgart-21-Gegnern bedroht. Und weil er befürchten muss, dass seine Worte untergehen würden, ist auch ein Auftritt bei einer Montagsdemonstration noch nicht absehbar. Vor den Resten des Bahnhofsnordflügels sind die Demonstranten und die Polizeibeamten am gestrigen Montagabend deshalb unter sich geblieben. Schuster, der entschieden für den Bau des umstrittenen Tiefbahnhofs eintritt, begab sich (noch) nicht in die Höhle des Löwen - obwohl er am Freitag eine Rede bei einer Montagsdemonstration angekündigt hatte - sofern garantiert sei, dass er mit ein paar zusammenhängenden Sätzen zu Wort kommt.

Am Montag telefonierte Schuster deswegen mit Gangolf Stocker vom Aktionsbündnis gegen Stuttgart21. "Das Ergebnis war, dass es noch keine Garantie gibt", sagte ein Sprecher der Stadt. Deswegen werde der OB frühestens kommende Woche reden. Stocker machte auf Anfrage unserer Zeitung allerdings keine Hoffnung, dass die Bedingung des Oberbürgermeisters zu erfüllen ist: "Ich kann nicht versprechen, dass die Demonstranten Ruhe geben."

Nach Stockers Eindruck mag Schuster in dieser Lage nicht mit leeren Händen kommen. Der OB wolle zuerst einen Vorschlag formulieren. Dabei werde es wohl um eine Veranstaltungsreihe zu strittigen Fragen wie den geologischen Verhältnissen und Sicherheitsrisiken beim Bau des Tiefbahnhofs gehen. Schuster selbst bestätigte dies auf Anfrage. Er wolle eine passende Form des dauerhaften Dialogs entwickeln. Darüber hinaus würde er bei der Demonstration dafür werben, bei allem Streit nicht den sozialen Frieden in der Stadt infrage zu stellen.

Der OB selbst sieht sich massiv bedroht und auch seine Familie in einer schwierigen Situation. Bei ihm ist ein anonymes Schreiben eingegangen, in dem ihm angekündigt wird, man werde ihm "das Fell über die Ohren ziehen". Der Polizei lag es am Montag noch nicht vor. Man kümmere sich aber darum, sagte ein Sprecher. Nach Schusters Worten gibt es auch noch andere und drastischere Schreiben, die wie Morddrohungen daherkommen. Naturgemäß sei schwer einzuschätzen, wie viel kriminelle Energie dahinterstecke. Er gehe gern durch die Stadt. Dabei müsse er jetzt aufpassen. Die Polizei habe ein wachsames Auge auf ihn. Dass er und auch Mitarbeiter beleidigt, angegangen und zur Vorsicht gezwungen würden, steigere nicht das Lebensgefühl. Seine Arbeit und die Bemühung um Ausgleich gingen aber weiter.

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