Die Bahn will ihre Kapazitäten auch in Stuttgart im Fernverkehr bis 2030 auf die doppelte Fahrgastzahl und einen verlässlichen Halbstundentakt ausweiten. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Ein schöner Plan: Von 2030 an sollen im Tiefbahnhof zur vollen und halben Stunde Züge nach Mannheim und München einfahren. Doch die Fernverbindungen von und nach Stuttgart passen nicht ins Raster.

Stuttgart - Die Deutschen Bahn AG will von 2030 an halbstündlich Fernverbindungen zwischen Großstädten anbieten und damit den so genannten Deutschlandtakt schaffen. Er ist ein Mittel, um die Kapazität für die Fahrgäste über den ganzen Tag gesehen zu verdoppeln.

Der Deutschlandtakt soll auch zwischen Mannheim, Stuttgart, Ulm und München gefahren werden. Durch den Bau der ICE-Strecke Stuttgart-Ulm, die Ende 2023 in Betrieb gehen soll, und mit dem neuen Bahnknoten Stuttgart 21, würde die Reisezeit auf dieser Verbindung laut dem Gutachterentwurf der Bahn (Stand Mai 2019) auf 31 Minuten (heute 56) sinken. Probleme bereitet die Verbindung Mannheim-Stuttgart. Zwar wird diese Schnellfahrstrecke 2020 für voraussichtlich 183 Millionen Euro saniert, sie wird aber laut dem DB Fahrplan- und Betriebsleiter Rüdiger Weiß nicht schneller. Die kürzeste Fahrzeit liegt heute bei 36, der Durchschnitt bei 39 Minuten. 34 Minuten hält Weiß durch Anpassungen in Mannheim für erreichbar. Das 30-Minuten-Ziel liege „in der Zukunft“.

Weitere Optimierungen nötig

Der Bahn-Konzernbevollmächtigte Thorsten Krenz hatte am Dienstag vor dem Gemeinderat eine Mitteilung verlesen, in der er sagte, dass mit weiteren Optimierungen ein 30-Minuten-Knoten zwischen Mannheim, Stuttgart und München zu realisieren sei. Die Fahrzeit von Ulm nach München beträgt zurzeit minimal 71 Minuten, sie passt damit nicht in das Halbstundenkonzept.

Die Fraktion SÖS/Linke-plus begrüßte am Donnerstag, dass Landes-Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) die Kapazität von S 21 diskutiere. Der Deutschlandtakt sei mit S 21 „nachgewiesen unmöglich“, so Fraktionssprecher Hannes Rockenbauch. Hermann plädiert für den Nahverkehr und die S-Bahn für zwei zusätzliche unterirdische Gleise in Richtung Tiefbahnhof und einen viergleisigen Halt dort. Rockenbauch dagegen fordert den Erhalt des Kopfbahnhofs. Der „neue Stil der Bahn ist es offenbar, sich nicht der Diskussion zu stellen, sondern vorgefertigte Pressemitteilungen zu verlesen“, so Rockenbauchs Co-Sprecher Thomas Adler.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: