Auf dem Abstellbahnhof soll ein neuer Stadtteil entstehen Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Die Stuttgarter sollen von Herbst 2015 an über die Gestaltung des Rosensteinviertels debattieren. Die 242 000 Euro teure Bürgerbeteiligung für 85 Hektar frei werdende Bahnfläche wird unverbindlich sein.

Stuttgart - Die Stuttgarter sollen von Herbst 2015 an über die Gestaltung des Rosensteinviertels debattieren. Die 242 000 Euro teure Bürgerbeteiligung für 85 Hektar frei werdende Bahnfläche wird unverbindlich sein. Ihre Vorbereitung läuft im Gemeinderat zum Ärger mancher Stadträte nicht öffentlich. Und der Zeitplan für die Arbeiten in Neubaugebiet wackelt.

Das heutige Gleisgelände zwischen Pragfriedhof, Schlossgarten und Rosensteinpark wird frei, sobald beim Bahnprojekt Stuttgart 21 alle Züge in den neuen Tiefbahnhof fahren können. Laut OB Fritz Kuhn (Grüne) werden die Flächen „ab 2021 zur Verfügung stehen“. Das scheint verfrüht, denn erst im Dezember 2021 wird der neue Durchgangsbahnhof laut Infrastruktur-Vorstand Volker Kefer in Betrieb gehen.

Allerdings fehlen dann noch die Züge der Gäubahn, die erst Ende 2023 über den neuen Halt am Flughafen und den Fildertunnel in den Tiefbahnhof einfädeln können. Kuhn und die Bahn hatten geäußert, die alte Hauptbahnhof-Infrastruktur noch ein Jahr erhalten zu wollen, bis klar ist, dass die neue den Betrieb bewältigen kann. Das Ergebnis könne „die Diskussion über Zeithorizonte noch beeinflussen“, heißt es in der Vorlage an den Gemeinderat. Die Stadt rechnet für das Abräumen der Gleise, Altlastenabfuhr und Erschließung mit vier Jahren. Die ersten Häuser würden 2025 gebaut werden. Berücksichtigt Kuhn die Filder-Problematik, dann könnte es 2030 werden.

Den Gleisabbau muss sich die Bahn genehmigen lassen. Die Stuttgarter Netz AG, das sind kleinere private Eisenbahnbetreiber, klagt dagegen. Vor dem Verwaltungsgericht Stuttgart soll die AG bis 1. Juli Stellung nehmen, dann kann die Verhandlung terminiert werden.

Zur Moderation der auf ein halbes Jahr geplanten Bürgerbeteiligung soll der Verwaltungsausschuss am kommenden Mittwoch sechs Agenturen beauftragen, die ihre Ideen im September präsentieren. Aus der „Dialogphase“ mit den Bürgern soll bis Mitte 2016 eine Wunschliste destilliert werden.

Kuhn hofft, dass die Stadtgesellschaft durch die Debatte über das Neubaugebiet „wieder stärker zusammen findet“. Der Anspruch ist hoch. Es geht nach überschlägiger Rechnung bisher um 6200 Wohnungen und 4000 Arbeitsplätze. Das neue Stadtquartier soll zum Modell für die Weiterentwicklung des europäischen Städtebaus werden.

Die Spannweite möglicher Wünsche aus der Bürgerschaft ist groß. Das Quartier soll sozial ausgewogen und familienfreundlich (aus bei den Wohnungspreisen) sein und höchsten Umweltstandards genügen. In Frage steht, ob Teile der alten und unter Denkmalschutz stehenden Bahnanlagen wie Gleisbögen oder der Lokschuppen erhalten werden.

Kuhn selbst wünscht sich dem Vernehmen nach eine Internationale Bau- oder Gartenbau-Ausstellung auf dem Gelände. Das könnte der Stadt größere auch internationale Beachtung bringen. auch dazu können die Bürger ihre Meinung sagen.

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